Haben Sie sich jemals gefragt, wo genau in Ihrem komplexen Körper die Nieren verborgen sind? Diese lebenswichtigen Organe arbeiten unermüdlich im Verborgenen, filtern Abfallstoffe aus unserem Blut und regulieren unseren Flüssigkeitshaushalt. Doch ihre genaue Position ist vielen Menschen erstaunlicherweise unbekannt. Dabei ist das Wissen um die Lage der Nieren nicht nur für Mediziner von Bedeutung, sondern kann auch uns Laien helfen, unseren Körper besser zu verstehen und bestimmte Signale, wie Schmerzen, richtig zu deuten. Begleiten Sie uns auf eine spannende Entdeckungsreise zu diesen faszinierenden Organen!
Die Grundlagen: Was sind Nieren und warum sind sie so wichtig?
Bevor wir uns auf die Suche nach der genauen „Adresse“ der Nieren im Körper machen, wollen wir kurz ihre immense Bedeutung beleuchten. Die Nieren sind paarig angelegte Organe, das heißt, wir besitzen in der Regel zwei davon. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion von Urin, über den Abfallprodukte des Stoffwechsels und überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper ausgeschieden werden. Man kann sie sich als die Kläranlage unseres Körpers vorstellen. Pro Tag filtern sie beeindruckende 1500 bis 1800 Liter Blut! Das ist eine enorme Leistung für Organe, die jeweils nur etwa die Größe einer geballten Faust haben.
Aber das ist bei Weitem nicht alles. Die Nieren sind wahre Multitalente und erfüllen noch viele weitere lebenswichtige Funktionen:
- Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts: Sie sorgen dafür, dass die Konzentration von Salzen und Mineralien wie Natrium, Kalium und Kalzium im Blut im Gleichgewicht bleibt.
- Regulation des Säure-Basen-Haushalts: Sie helfen, den pH-Wert des Blutes konstant zu halten, was für unzählige Körperfunktionen essenziell ist.
- Produktion von Hormonen: Die Nieren produzieren wichtige Hormone wie Erythropoetin (EPO), das die Bildung roter Blutkörperchen anregt, Renin, das den Blutdruck reguliert, und die aktive Form von Vitamin D, das für die Knochengesundheit unerlässlich ist.
- Entgiftung: Sie filtern nicht nur Stoffwechselabfälle, sondern auch Medikamentenreste und andere körperfremde Substanzen aus dem Blut.
Angesichts dieser vielfältigen und kritischen Aufgaben wird schnell klar, warum gesunde Nieren für unser Wohlbefinden und Überleben unverzichtbar sind. Eine Beeinträchtigung ihrer Funktion kann weitreichende Folgen für den gesamten Organismus haben.
Die genaue Adresse im Körper: Die Lage der Nieren

Nun aber zur eigentlichen Frage: Wo finden wir diese fleißigen Organe? Die Nieren befinden sich nicht, wie manche vielleicht vermuten, tief im Bauchraum zwischen Magen und Darm oder im Beckenbereich. Ihre Position ist tatsächlich weiter oben und eher hinten im Körper angesiedelt.
Medizinisch korrekt ausgedrückt, liegen die Nieren retroperitoneal. Das bedeutet, sie befinden sich hinter dem Bauchfell (Peritoneum), der dünnen Haut, die den Großteil der Bauchorgane umgibt und die Bauchhöhle auskleidet. Diese Lage bietet ihnen einen gewissen Schutz und eine stabile Verankerung.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen aufrecht. Die Nieren sind links und rechts der Wirbelsäule positioniert. Genauer gesagt, erstrecken sie sich etwa von der Höhe des zwölften Brustwirbels (Th12) bis zum dritten Lendenwirbel (L3). Der obere Pol der Nieren wird dabei teilweise noch von den unteren Rippen – der elften und zwölften Rippe – bedeckt und somit geschützt. Dies erklärt auch, warum starke Schläge in die Flankengegend oder den unteren Rückenbereich die Nieren gefährden können.
Unterschiede zwischen linker und rechter Niere
Interessanterweise liegen die beiden Nieren nicht exakt auf gleicher Höhe. Die rechte Niere sitzt in der Regel etwas tiefer als die linke Niere. Dieser kleine, aber feine Unterschied hat einen einfachen anatomischen Grund: die Leber. Die große Leber, die sich hauptsächlich im rechten Oberbauch befindet, beansprucht einiges an Platz und „drückt“ die rechte Niere sozusagen ein wenig nach unten. Die linke Niere hingegen hat etwas mehr Freiraum und kann sich daher tendenziell ein wenig höher positionieren, oft bis unter den Rand des Zwerchfells reichend und in der Nähe der Milz.
Obwohl dieser Höhenunterschied meist nur ein bis zwei Zentimeter beträgt, ist er für Ärzte bei Untersuchungen und bildgebenden Verfahren relevant.
Größe, Form und Ausrichtung
Jede Niere ist typischerweise bohnenförmig – daher auch der Name „Kidneybohne“. Sie sind etwa 10 bis 12 Zentimeter lang, 5 bis 7 Zentimeter breit und 3 bis 5 Zentimeter dick. Das Gewicht einer einzelnen Niere beträgt bei einem Erwachsenen ungefähr 120 bis 200 Gramm, wobei die linke Niere oft minimal größer und schwerer ist als die rechte.
Ihre Längsachsen verlaufen nicht exakt parallel zur Wirbelsäule, sondern sind leicht schräg gestellt. Die oberen Pole neigen sich etwas zueinander und zur Wirbelsäule hin, während die unteren Pole weiter auseinander und leicht nach vorne zeigen. An der inneren, konkaven Seite jeder Niere befindet sich das sogenannte Nierenhilum (Nierenpforte). Hier treten die Nierenarterie (transportiert sauerstoffreiches Blut zur Niere), die Nierenvene (führt gereinigtes, sauerstoffarmes Blut ab) und der Harnleiter (transportiert den Urin zur Blase) ein bzw. aus. Auch Lymphgefäße und Nerven nutzen diesen Zugang.
Schutzschilder und Nachbarn: Wie die Nieren gebettet sind
Die Natur hat dafür gesorgt, dass unsere wertvollen Nieren gut geschützt sind. Neben dem knöchernen Schutz durch die unteren Rippen und die Wirbelsäule sind sie von mehreren Gewebeschichten umgeben:
- Capsula fibrosa (Nierenkapsel): Jede Niere ist direkt von einer festen, bindegewebigen Kapsel umhüllt. Diese dünne, aber widerstandsfähige Schicht gibt der Niere Form und schützt sie vor direkten mechanischen Einwirkungen und Infektionen.
- Capsula adiposa (Fettkapsel): Um die Capsula fibrosa herum liegt eine unterschiedlich dicke Schicht aus Fettgewebe, die sogenannte Nierenfettkapsel. Dieses Fettpolster dient als Stoßdämpfer und schützt die Nieren vor Erschütterungen und Verletzungen. Es hilft auch, die Nieren in ihrer Position zu halten und isoliert sie thermisch. Bei starkem Gewichtsverlust kann diese Fettkapsel schrumpfen, was in seltenen Fällen zu einer sogenannten Wanderniere führen kann.
- Fascia renalis (Nierenfaszie): Die äußerste Hülle bildet die Nierenfaszie, eine weitere Bindegewebsschicht, die die Niere samt ihrer Fettkapsel und der auf ihr sitzenden Nebenniere umgibt und sie an der hinteren Bauchwand und am Zwerchfell verankert.
Diese mehrschichtige Verpackung sorgt dafür, dass die Nieren trotz ihrer relativ exponierten Lage im hinteren Rumpfbereich gut geschützt sind.
Die direkten Nachbarn
Die Nieren sind von einer Vielzahl anderer Organe und Strukturen umgeben. Ihre genauen nachbarschaftlichen Beziehungen sind komplex und unterscheiden sich geringfügig zwischen der rechten und linken Seite:
Rechte Niere:
- Oben: Die rechte Nebenniere und die Leber.
- Vorne: Die Leber, der absteigende Teil des Zwölffingerdarms (Duodenum) und die rechte Krümmung des Dickdarms (Flexura coli dextra).
- Hinten: Das Zwerchfell und die Muskeln der hinteren Bauchwand (Musculus psoas major, Musculus quadratus lumborum).
Linke Niere:
- Oben: Die linke Nebenniere und die Milz.
- Vorne: Der Magen, die Bauchspeicheldrüse (insbesondere der Schwanzteil), die Milz, Teile des Leerdarms (Jejunum) und die linke Krümmung des Dickdarms (Flexura coli sinistra).
- Hinten: Das Zwerchfell und die Muskeln der hinteren Bauchwand (ähnlich wie bei der rechten Niere).
Diese enge Nachbarschaft erklärt, warum Erkrankungen eines dieser Organe manchmal Symptome verursachen können, die fälschlicherweise den Nieren zugeordnet werden, oder umgekehrt.
Ein Blick ins Innere: Der Aufbau der Nieren (Kurzübersicht)
Auch wenn unser Hauptfokus auf der äußeren Lage liegt, ist ein kurzer Blick ins Innere hilfreich, um die Funktion und mögliche Probleme besser zu verstehen. Im Längsschnitt zeigt eine Niere zwei deutlich unterscheidbare Bereiche:
- Nierenrinde (Cortex renalis): Die äußere, körnig erscheinende Schicht. Hier befinden sich die Nierenkörperchen (Glomeruli), die für die eigentliche Filtration des Blutes zuständig sind.
- Nierenmark (Medulla renalis): Die innere Schicht, die aus mehreren kegelförmigen Strukturen, den Nierenpyramiden, besteht. In den Nierenpyramiden finden wichtige Prozesse der Urinkonzentrierung statt. Die Spitzen der Pyramiden (Nierenpapillen) ragen in die Nierenkelche.
- Nierenbecken (Pelvis renalis): Ein trichterförmiger Hohlraum im Inneren der Niere, der den von den Nierenkelchen gesammelten Urin aufnimmt und in den Harnleiter weiterleitet.
Diese komplexe innere Struktur ermöglicht die effiziente Blutreinigung und Urinproduktion.
Warum ist die genaue Kenntnis der Nierenlage so relevant?
Das Wissen um die Position der Nieren ist nicht nur anatomisches Detailwissen, sondern hat handfeste praktische Bedeutung:
- Schmerzdiagnose: Schmerzen im Flankenbereich oder im oberen Rücken können auf Nierenprobleme hindeuten (z.B. Nierensteine, Nierenbeckenentzündung). Die genaue Lokalisation hilft, diese von reinen Rückenschmerzen oder Problemen anderer Organe zu unterscheiden. Typische Nierenschmerzen sind oft dumpf, können aber bei Koliken auch extrem stark und krampfartig sein und in den Unterbauch, die Leiste oder die Genitalien ausstrahlen.
- Ärztliche Untersuchung: Ärzte können durch gezieltes Beklopfen (Perkussion) oder tiefes Abtasten (Palpation) der Nierengegend Hinweise auf eine Vergrößerung oder Schmerzhaftigkeit der Nieren erhalten. Dies ist allerdings oft nur bei sehr schlanken Personen oder bei krankhaften Veränderungen der Nieren möglich.
- Bildgebende Verfahren: Bei Ultraschalluntersuchungen, Computertomographien (CT) oder Magnetresonanztomographien (MRT) ist die genaue Kenntnis der Nierenlage entscheidend, um die Organe korrekt darzustellen und zu beurteilen.
- Schutz im Alltag und Sport: Wissen, wo die Nieren liegen, sensibilisiert dafür, diesen Bereich vor Stößen und Verletzungen zu schützen, beispielsweise bei Kontaktsportarten. Ein sogenannter „Nierenhaken“ im Boxen zielt genau auf diese empfindliche Region.
- Operationen und Eingriffe: Bei Nierenoperationen oder Biopsien ist die präzise Kenntnis der anatomischen Lage und der umgebenden Strukturen unerlässlich, um den Eingriff sicher und effektiv durchführen zu können.
Wenn die Nieren woanders wohnen: Lageanomalien
Obwohl die oben beschriebene Position der Nieren der Normalfall ist, gibt es auch angeborene Variationen in der Lage, sogenannte dystope oder ektopische Nieren. Diese sind zwar seltener, aber wichtig zu kennen:
- Beckenniere (Pelvic kidney): Die Niere befindet sich nicht in ihrer üblichen Position im Oberbauch, sondern ist im Beckenbereich verblieben, wo sie während der Embryonalentwicklung ursprünglich angelegt wird. Sie ist dort meist voll funktionsfähig, kann aber aufgrund ihrer Lage anfälliger für Verletzungen sein oder bei Frauen während der Schwangerschaft Probleme bereiten.
- Wanderniere (Ptosis renalis / Nephroptose): Hier ist die Niere übermäßig beweglich und kann sich, besonders im Stehen, deutlich nach unten verlagern. Dies kann durch eine Schwäche des Halteapparates oder einen Mangel an Nierenfett bedingt sein. Symptome können Schmerzen im Stehen sein, die sich im Liegen bessern, oder auch Probleme mit dem Urinabfluss.
- Hufeisenniere (Horseshoe kidney): Bei dieser relativ häufigen Anomalie (ca. 1 von 500 Menschen) sind die unteren Pole der beiden Nieren miteinander verschmolzen, meist vor der Aorta und der unteren Hohlvene. Die Form erinnert an ein Hufeisen. Obwohl viele Betroffene keine Symptome haben, kann eine Hufeisenniere anfälliger für Harnstau, Infektionen oder Steinbildung sein.
- Gekreuzte Nierendystopie (Crossed renal ectopia): Hierbei befinden sich beide Nieren auf derselben Körperseite, wobei eine Niere die Mittellinie überquert hat. Oft sind die Nieren dann auch miteinander verschmolzen.
- Thorakale Niere: In sehr seltenen Fällen kann eine Niere durch eine Lücke im Zwerchfell teilweise oder ganz in den Brustkorb (Thorax) verlagert sein.
Diese Lageanomalien werden oft zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt und bedürfen nicht immer einer Behandlung, solange sie keine Beschwerden verursachen oder die Nierenfunktion beeinträchtigen.
Kann man die Nieren tasten? Ein Selbstversuch und ärztliche Methoden
Die Nieren sind aufgrund ihrer tiefen, retroperitonealen Lage und der schützenden Umhüllung durch Rippen, Muskeln und Fettgewebe für Laien normalerweise nicht tastbar. Selbst für geübte Ärzte ist die Palpation der Nieren oft schwierig und gelingt meist nur unter bestimmten Bedingungen:
- Bei sehr schlanken Personen.
- Bei Neugeborenen und Kleinkindern, da ihre Bauchdecke noch weicher und die Fettschicht geringer ist.
- Wenn die Niere krankhaft vergrößert ist (z.B. durch Zysten, Tumore oder Harnstau).
- Bei einer stark ausgeprägten Wanderniere.
Ärzte verwenden spezielle Techniken, um die Nieren zu untersuchen. Eine Methode ist die sogenannte bimanuelle Palpation. Dabei legt der Arzt eine Hand flach in die Flanke des Patienten (zwischen unterster Rippe und Beckenkamm) und drückt mit der anderen Hand von vorne tief in den Bauch, während der Patient tief ein- und ausatmet. Durch die Atembewegung kann sich die Niere leicht nach unten verschieben und eventuell zwischen den beiden Händen ertastet werden. Ein Klopfschmerz über der Nierengegend (meist seitlich der Lendenwirbelsäule) kann ebenfalls ein Hinweis auf eine Nierenerkrankung sein.
Ein Selbstversuch, die eigenen Nieren zu tasten, wird also in der Regel erfolglos bleiben und ist auch nicht notwendig. Bei Verdacht auf Nierenprobleme sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Mythen und Fakten rund um die Nierenlage
Um die Lage und die damit verbundenen Schmerzen ranken sich einige Missverständnisse:
- Mythos: „Meine Nieren tun weh“ wird oft bei jeglichen Schmerzen im unteren Rückenbereich gesagt. Fakt: Die meisten Rückenschmerzen sind muskulär oder durch Probleme mit der Wirbelsäule bedingt. Echte Nierenschmerzen sitzen typischerweise höher, in den Flanken, und können einen spezifischen Charakter haben (dumpf, bohrend, kolikartig). Sie sind oft einseitig und können ausstrahlen.
- Mythos: Man kann die Nieren leicht verletzen. Fakt: Die Nieren sind durch ihre Lage, die Rippen und die Fettkapsel relativ gut geschützt. Direkte, starke Traumata in die Flankengegend sind nötig, um sie zu schädigen.
- Mythos: Wenn man viel trinkt, spürt man die Nieren arbeiten. Fakt: Die Nieren arbeiten kontinuierlich, ohne dass wir es direkt spüren. Eine erhöhte Trinkmenge führt zu mehr Urinproduktion, aber nicht zu einem fühlbaren „Arbeiten“ der Organe.
Unsere Nieren: Kleine Organe, große Verantwortung – Schützen wir sie!
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Nieren wohlbehütet und etwas versteckt im oberen, hinteren Bauchraum, beidseits der Wirbelsäule und teilweise unter dem Schutz der Rippen liegen. Die rechte Niere sitzt dabei meist etwas tiefer als die linke. Diese genaue Kenntnis ihrer Position hilft uns, Körpersignale besser zu deuten und die Wichtigkeit des Schutzes dieser Region zu verstehen.
Die Nieren sind stille Helden unseres Körpers, die eine unverzichtbare Arbeit leisten. Auch wenn wir sie nicht direkt sehen oder fühlen können, ist es wichtig, gut für sie zu sorgen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum tragen maßgeblich zur Gesundheit unserer Nieren bei. Achten Sie auf Ihren Körper und zögern Sie nicht, bei anhaltenden oder unklaren Schmerzen im Rücken- oder Flankenbereich einen Arzt aufzusuchen. Ihre Nieren werden es Ihnen danken!
