Wie viele Staaten hat die USA? Die überraschende Antwort ist komplexer als Sie denken

Die Frage „Wie viele Staaten hat die USA?“ scheint auf den ersten Blick eine einfache Wissensfrage zu sein, die man in der Schule lernt. Die schnelle und korrekte Antwort lautet natürlich 50. Auf der amerikanischen Flagge, dem „Sternenbanner“, symbolisiert jeder der 50 Sterne einen Bundesstaat. Doch wer hier aufhört zu fragen, verpasst die faszinierende und komplexe Realität, die hinter dieser Zahl steckt. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind weit mehr als nur ihre 50 Bundesstaaten. Sie sind ein komplexes Geflecht aus Bundesstaaten, einem Bundesdistrikt, bewohnten Territorien und unbewohnten Außengebieten, die alle eine einzigartige Beziehung zur Zentralregierung in Washington haben. Dieser Artikel taucht tief in die Struktur der USA ein, um zu erklären, warum die Antwort „50“ zwar richtig, aber bei weitem nicht die ganze Geschichte ist.

Die 50 offiziellen Bundesstaaten: Das Herz der Nation

Die Grundlage der Vereinigten Staaten bilden die 50 Bundesstaaten. Jeder dieser Staaten ist eine eigenständige politische Einheit mit einer eigenen Verfassung, Regierung und eigenen Gesetzen. Das politische System der USA basiert auf dem Föderalismus, was bedeutet, dass die Macht zwischen der nationalen Regierung (der Bundesregierung) und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten aufgeteilt ist. Während die Bundesregierung für Angelegenheiten von nationaler Bedeutung wie Verteidigung, Außenpolitik und Währung zuständig ist, haben die Bundesstaaten weitreichende Befugnisse in Bereichen wie Bildung, Verkehr und Strafrecht. Diese Autonomie führt zu der enormen Vielfalt, die man bei einer Reise durch die USA erlebt – die Gesetze, die Kultur und sogar die Steuern können sich von einem Staat zum nächsten drastisch unterscheiden.

Von den 13 Kolonien bis heute: Eine Geschichte der Expansion

Wie viele Staaten hat die USA? Die überraschende Antwort ist komplexer als Sie denken

Die Geschichte der USA ist eine Geschichte des stetigen Wachstums. Alles begann mit den 13 britischen Kolonien an der Ostküste, die sich 1776 für unabhängig erklärten und den Kern der neuen Nation bildeten. Diese Gründungsstaaten waren Delaware, Pennsylvania, New Jersey, Georgia, Connecticut, Massachusetts, Maryland, South Carolina, New Hampshire, Virginia, New York, North Carolina und Rhode Island. Von dort aus expandierte das Land unaufhaltsam nach Westen. Durch Käufe wie den Louisiana Purchase von Frankreich, durch Verträge und durch Kriege wuchs das Territorium der USA über den gesamten nordamerikanischen Kontinent. Jeder neue Landstrich wurde zunächst als Territorium organisiert und verwaltet. Sobald ein Territorium eine ausreichende Bevölkerungszahl und eine stabile Regierung vorweisen konnte, hatte es die Möglichkeit, die Aufnahme als vollwertiger Bundesstaat in die Union zu beantragen. Dieser Prozess führte im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einer Welle von Staatsgründungen.

Die letzten Neuzugänge: Alaska und Hawaii

Die Zahl 50 wurde erst relativ spät in der Geschichte der USA erreicht. Fast ein halbes Jahrhundert lang, von 1912 bis 1959, bestanden die USA aus 48 Staaten. Die letzten beiden Sterne auf der Flagge kamen erst 1959 hinzu. Alaska, das 1867 von Russland gekauft wurde, wurde am 3. Januar 1959 zum 49. Bundesstaat. Nur wenige Monate später, am 21. August 1959, folgte Hawaii, ein Inselarchipel im Pazifik, das 1898 annektiert worden war, als 50. Bundesstaat. Die Aufnahme dieser beiden Staaten veränderte die geografische und kulturelle Landkarte der USA grundlegend. Plötzlich war das Land nicht mehr nur auf den nordamerikanischen Kontinent beschränkt, sondern erstreckte sich bis in die Arktis und weit in den Pazifischen Ozean.

Jenseits der 50: Die US-Territorien und Außengebiete

Hier wird die Antwort auf unsere Ausgangsfrage wirklich interessant. Neben den 50 Bundesstaaten verwaltet die US-Regierung eine Reihe von Außengebieten, auch Territorien genannt. Die Bewohner dieser Gebiete sind in den meisten Fällen amerikanische Staatsbürger, haben aber nicht die gleichen politischen Rechte wie die Bewohner der Bundesstaaten. Der entscheidende Unterschied: Sie dürfen nicht an Präsidentschaftswahlen teilnehmen und ihre Vertreter im US-Kongress haben kein Stimmrecht bei finalen Gesetzesabstimmungen. Man unterscheidet zwischen „inkorporierten“ und „nicht inkorporierten“ Territorien, wobei heute fast alle als „nicht inkorporiert“ gelten, was bedeutet, dass nicht alle Teile der US-Verfassung automatisch für sie gelten.

Die bewohnten Gebiete: Ein genauerer Blick

Fünf dieser Territorien sind dauerhaft bewohnt und haben eine eigene Zivilregierung:

  • Puerto Rico: Das bei weitem größte und bevölkerungsreichste US-Territorium mit über drei Millionen Einwohnern. Puerto Ricaner sind US-Bürger. Die Insel in der Karibik hat einen einzigartigen Status als „Commonwealth“. Seit Jahrzehnten wird eine intensive Debatte über die Zukunft Puerto Ricos geführt: Soll es ein unabhängiger Staat werden, den Status quo beibehalten oder der 51. Bundesstaat der USA werden? Mehrere Volksabstimmungen haben eine Mehrheit für die Staatlichkeit gezeigt, aber der US-Kongress muss einer Aufnahme zustimmen, was bisher nicht geschehen ist.
  • Guam: Eine strategisch wichtige Insel im Westpazifik, die eine große US-Militärbasis beherbergt. Die Bewohner, die Chamorro, und andere Einwohner sind US-Bürger. Guam wurde nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 an die USA abgetreten.
  • Amerikanische Jungferninseln: Eine Inselgruppe in der Karibik, die 1917 von Dänemark gekauft wurde. Die Wirtschaft ist stark vom Tourismus abhängig. Auch ihre Bewohner sind US-Bürger.
  • Amerikanisch-Samoa: Ein Archipel im Südpazifik und das einzige bewohnte US-Territorium, dessen Bewohner nicht automatisch bei Geburt die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Sie gelten als „U.S. Nationals“ und können sich um die Staatsbürgerschaft bewerben. Die Kultur ist stark von der polynesischen Tradition geprägt.
  • Nördliche Marianen: Ein Archipel von 14 Inseln im Pazifik, das nach dem Zweiten Weltkrieg unter US-Verwaltung kam. 1976 entschieden sich die Bewohner für den Status eines „Commonwealth in politischer Union“ mit den USA. Ihre Bewohner sind ebenfalls US-Bürger.

Zusätzlich zu diesen gibt es eine Reihe von unbewohnten Territorien, meist kleine Inseln oder Atolle im Pazifik und in der Karibik, wie die Bakerinsel, die Howlandinsel oder das Johnston-Atoll, die hauptsächlich für wissenschaftliche oder militärische Zwecke von Bedeutung sind.

Der Sonderfall Washington, D.C.: Hauptstadt ohne Stimmrecht?

Keine Diskussion über die politische Geografie der USA ist vollständig ohne die Erwähnung von Washington, D.C. Die Hauptstadt der Nation ist kein Teil eines Bundesstaates und auch kein Territorium. Sie ist ein Bundesdistrikt, der „District of Columbia“, der direkt dem Kongress unterstellt ist. Diese Regelung wurde von den Gründervätern in der Verfassung verankert, um zu verhindern, dass ein einzelner Staat einen übermäßigen Einfluss auf die nationale Hauptstadt ausüben könnte.

Warum ist D.C. kein Bundesstaat?

Die Konsequenz dieses Sonderstatus ist, dass die über 700.000 Einwohner von Washington, D.C. – mehr als die Einwohnerzahl der Bundesstaaten Wyoming oder Vermont – steuerlich und rechtlich wie andere US-Bürger behandelt werden, aber keine stimmberechtigte Vertretung im Kongress haben. Ihre einzige Abgeordnete im Repräsentantenhaus darf in Ausschüssen, aber nicht im Plenum abstimmen. Das Motto auf den Nummernschildern der Stadt lautet daher provokant „Taxation Without Representation“ (Besteuerung ohne Vertretung) – ein direkter Verweis auf einen der Slogans der Amerikanischen Revolution.

Die Bewegung für den 51. Staat

Seit Jahrzehnten gibt es eine starke politische Bewegung, die fordert, Washington, D.C. zum 51. Bundesstaat zu machen, oft unter dem Namen „New Columbia“. Befürworter argumentieren, dass es undemokratisch sei, einer so großen Bevölkerung die volle politische Mitbestimmung zu verweigern. Gegner führen historische Gründe an oder argumentieren politisch, da die überwältigende Mehrheit der Einwohner von D.C. die Demokratische Partei wählt und eine Staatlichkeit somit das politische Gleichgewicht im Senat verschieben würde. Die Debatte ist ein Paradebeispiel für die anhaltenden Auseinandersetzungen über Macht, Repräsentation und die Auslegung der Verfassung in den USA.

Der Weg zur Staatlichkeit: Wie wird ein Territorium zum Bundesstaat?

Der Prozess, durch den ein Territorium zu einem Bundesstaat wird, ist in der US-Verfassung grob umrissen, aber im Laufe der Geschichte durch Konventionen und Gesetze verfeinert worden. In der Regel muss ein Territorium zuerst ein Referendum abhalten, in dem die Bevölkerung ihren Wunsch nach Staatlichkeit bekundet. Anschließend muss es eine Verfassung entwerfen, die mit der US-Verfassung im Einklang steht. Der entscheidende Schritt ist jedoch die Zustimmung des US-Kongresses. Sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat müssen ein Gesetz zur Aufnahme verabschieden, das dann vom Präsidenten unterzeichnet werden muss. Dieser letzte Schritt ist oft eine hohe politische Hürde, da die Aufnahme eines neuen Staates – und damit zwei neuer Senatoren und mindestens eines neuen Abgeordneten – das Machtgefüge in Washington verändern kann.

Die Vielfalt Amerikas: Ein Mosaik aus 50 Staaten

Auch wenn wir die Territorien und den District of Columbia betrachten, bleibt die Tatsache bestehen, dass die 50 Bundesstaaten das Rückgrat der Nation bilden. Ihre Vielfalt ist atemberaubend. Man denke nur an den geografischen Kontrast zwischen dem arktischen Alaska und dem tropischen Florida, oder zwischen den riesigen Wüsten von Arizona und den dichten Wäldern von Maine. Diese geografische Vielfalt spiegelt sich in der Kultur und Wirtschaft wider. Kalifornien, mit seiner riesigen Technologie- und Unterhaltungsindustrie, ist eine Welt für sich im Vergleich zum landwirtschaftlich geprägten Iowa im Mittleren Westen oder den alten Industriestädten von Pennsylvania.

Politische Landschaft: Das Konzept des Föderalismus in der Praxis

Diese Vielfalt erstreckt sich auch auf die Politik. Das System des Föderalismus erlaubt es den Staaten, als „Laboratorien der Demokratie“ zu fungieren. Gesetze zu Themen wie Marihuana-Legalisierung, Mindestlohn oder Umweltschutz werden oft zuerst auf Staatsebene eingeführt, bevor sie zu einem nationalen Thema werden. Dies führt zu einem bunten Flickenteppich an Regelungen. Während ein Staat sehr liberale Gesetze haben mag, kann der Nachbarstaat extrem konservativ sein. Dieses ständige Spannungsfeld zwischen den Rechten der Bundesstaaten und der Macht der Bundesregierung ist eines der zentralen und beständigsten Merkmale des politischen Lebens in den USA.

Fazit: 50 Sterne und eine komplexe Realität

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, die USA haben 50 Bundesstaaten. Diese Zahl ist korrekt und wichtig. Sie definiert die Struktur des Senats, die Zusammensetzung des Wahlkollegiums zur Präsidentschaftswahl und die Sterne auf der Nationalflagge. Aber die amerikanische Realität ist vielschichtiger. Millionen von US-Bürgern in Puerto Rico, Guam, den Amerikanischen Jungferninseln, Amerikanisch-Samoa, den Nördlichen Marianen und Washington, D.C. leben in einem Zustand mit eingeschränkten politischen Rechten. Ihre Gebiete sind Teil der Vereinigten Staaten, aber sie sind keine Bundesstaaten. Die Debatten um die Staatlichkeit für Puerto Rico und D.C. zeigen, dass die Frage, wer vollständig zum amerikanischen politischen Körper gehört, auch nach über 200 Jahren noch nicht endgültig geklärt ist. Die einfache Frage „Wie viele Staaten hat die USA?“ öffnet also die Tür zu einem tiefen Verständnis der Geschichte, der Geografie und der andauernden politischen Kämpfe, die die Vereinigten Staaten von Amerika bis heute prägen.

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