Jeden Donnerstagabend versammeln sich Millionen von Zuschauern vor den Bildschirmen, um nicht nur dramatische medizinische Fälle und familiäre Verwicklungen zu verfolgen, sondern auch, um sich in eine Landschaft zu träumen, die fast zu schön wirkt, um wahr zu sein. Die Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ ist längst mehr als nur eine TV-Sendung; sie ist ein Phänomen, das Sehnsüchte weckt. Doch wo genau befindet sich dieses alpine Paradies? Wo steht der berühmte Gruberhof, und in welchem Dorf liegt der malerische Dorfplatz mit dem Gasthof „Wilder Kaiser“?
Die Antwort führt uns in das Herz Tirols, genauer gesagt in die Region Wilder Kaiser. Wer glaubt, dass es sich bei den Kulissen lediglich um Studiocromakey oder unzugängliche Filmsets handelt, irrt gewaltig. Die Heimat von Dr. Martin Gruber ist real, greifbar und für Fans besuchbar. In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine detaillierte Reise durch Ellmau, Going, Scheffau und Söll – die vier Kaiser-Orte, die gemeinsam die traumhafte Bühne für den Bergdoktor bilden.
Ellmau: Das Zentrum des Bergdoktor-Universums

Wenn man die Frage „Wo spielt der Bergdoktor?“ beantworten möchte, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Ellmau. Dieses charmante Dorf am Fuße des majestätischen Wilden Kaisers ist der Dreh- und Angelpunkt der Serie. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Ellmau durch die Serie eine zweite Identität als „Bergdoktor-Dorf“ angenommen hat.
Ellmau liegt eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft, die im Norden schroff von den Felswänden des Kaisergebirges begrenzt wird. Diese geografische Lage sorgt für die atemberaubenden Panoramen, die Kameraleute so lieben. Im Winter ein beliebtes Skigebiet der SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, verwandelt sich der Ort im Sommer in das blühende Idyll, das wir aus der Serie kennen.
Die Praxis: Der Bauernhof Hinterschnabel
Für viele Fans ist es der heilige Gral der Drehort-Besichtigungen: Die Arztpraxis von Dr. Martin Gruber. In der Serie wirkt das Gebäude oft wie ein wenig abseits gelegenes, altes Bauernhaus mit direktem Blick auf die Berge. In der Realität befindet sich der Hof im Ortsteil Faistenbichl in Ellmau. Der Bauernhof trägt den historischen Namen „Hinterschnabel“.
Die Geschichte dieses Gebäudes ist faszinierend. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Hof um 1694. Bis 1985 wurde er tatsächlich landwirtschaftlich genutzt. Als das Filmteam der Produktionsfirma ndF nach einer passenden Location suchte, stand der Hof leer. Die damaligen Besitzer, der Altbürgermeister von Ellmau und seine Familie, stellten das Gebäude zur Verfügung. Seit 2007 werden hier nun die Innen- und Außenaufnahmen der Praxis gedreht.
Ein interessantes Detail für Besucher: Wenn nicht gerade gedreht wird, kann die Praxis zu bestimmten Zeiten besichtigt werden. Es ist ein fast surreales Gefühl, durch die Tür zu treten und im Wartezimmer oder am Schreibtisch des Doktors zu stehen. Allerdings sollten Sie wissen, dass die medizinische Ausstattung reine Requisite ist – lassen Sie sich also bei echten Beschwerden lieber im Dorf behandeln!
Der Gruberhof: Wo Familie auf Tradition trifft
Neben der Praxis ist das Wohnhaus der Familie Gruber, der „Gruberhof“, der wichtigste Schauplatz der Serie. Hier finden die legendären Frühstücke auf der Terrasse statt, hier werden familiäre Konflikte ausgetragen und versöhnt. Der Blick von dieser Terrasse ist so ikonisch, dass er fast wie ein Gemälde wirkt.
In der Realität heißt dieser Hof „Köpfinghof“ und befindet sich nicht in Ellmau, sondern auf der Sonnseite des Söller Brombergs. Der Hof liegt auf rund 1000 Metern Höhe und bietet tatsächlich diesen unverstellten Panoramablick auf das Kaisergebirge und die Hohe Salve. Der Köpfinghof ist einer der ältesten Bauernhöfe der Region und befindet sich im Privatbesitz.
Was viele Zuschauer nicht ahnen: Der Köpfinghof ist ein echter, voll bewirtschafteter Bauernhof. Die Besitzer müssen ihren Alltag oft eng mit den Drehplänen abstimmen. Wenn die Filmcrew anrückt, wird das Wohnzimmer der Familie zur Kulisse umfunktioniert. Doch auch hier hat der Tourismus Einzug gehalten. Es werden spezielle Traktorfahrten angeboten, die Besucher vom Tal hinauf zum Hof bringen. Zu Fuß ist der Weg recht steil und weit, aber die geführten Touren ermöglichen einen bequemen Zugang zu diesem magischen Ort. Ein Foto auf der berühmten Terrasse ist für jeden Fan ein absolutes Muss.
Going: Der schönste Dorfplatz Tirols
Während Ellmau die Praxis beheimatet, liefert der Nachbarort Going die Kulisse für das gesellschaftliche Leben der Serie. Der Dorfplatz von Going ist berühmt für seine Kirche, den Brunnen und natürlich den Gasthof „Wilder Kaiser“.
Die Illusion des Gasthofs „Wilder Kaiser“
Hier greift die Magie des Films am stärksten. Wenn Susanne Dreiseitl (oder in neueren Staffeln andere Pächter) vor die Tür des Gasthofs tritt, steht sie in Going. Das Gebäude, das von außen als „Wilder Kaiser“ zu sehen ist, ist eigentlich ein altes Bauernhaus, das leer steht und vom Besitzer, einem lokalen Pfarrer, für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt wird. Es ist ein reines Außenset.
Doch wo finden die Innenaufnahmen statt? Wenn die Charaktere den Gasthof betreten, vollziehen sie in der Realität einen Ortswechsel. Die Szenen in der Gaststube werden oft im renommierten Restaurant „Föhrenhof“ im Ellmau-Ortsteil Au gedreht. Der Föhrenhof ist bekannt für seine exzellente Tiroler Küche. Fans können hier also tatsächlich einkehren und Schnitzel oder Kaiserschmarrn in der Atmosphäre der Serie genießen – auch wenn die Außenfassade nicht übereinstimmt. Ein Teil der Innenaufnahmen entsteht zudem in Studios, um die Logistik zu vereinfachen.
Susannes Wohnung und die Apotheke
Auch andere wichtige Gebäude befinden sich direkt am Dorfplatz von Going. Das Haus, das in der Serie oft als Wohnhaus von Susanne dient, und die Apotheke sind hier zu finden. Der Dorfplatz selbst wurde wegen seiner Schönheit und der perfekt erhaltenen traditionellen Architektur ausgewählt. Die barocke Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz im Hintergrund rundet das Bild ab und sorgt für jene Postkartenidylle, die die Serie so beliebt macht.
Scheffau und der Hintersteiner See: Die Natur als Hauptdarsteller
Keine Folge ohne spektakuläre Landschaftsaufnahmen. Dr. Martin Gruber ist oft in seinem grünen Mercedes (einem alten W123) auf kurvigen Bergstraßen unterwegs oder muss zu Rettungseinsätzen in schwindelerregende Höhen. Viele dieser Naturszenen entstehen in und um Scheffau.
Ein besonderes Highlight ist der Hintersteiner See oberhalb von Scheffau. Dieser Bergsee gilt als einer der schönsten und saubersten Tirols. Sein Wasser ist kristallklar und schimmert in Farbtönen von Türkis bis Tiefblau. In der Serie dient der See oft als Ort der Ruhe und Reflexion für Martin Gruber, oder als Kulisse für romantische Spaziergänge. Für Besucher ist ein Rundgang um den See ein unvergessliches Naturerlebnis. Die schroffen Felsen des Wilden Kaisers spiegeln sich im Wasser und bieten Fotomotive, die keinerlei Filter benötigen.
Medizinische Notfälle: Das Krankenhaus in Hall
Wenn die medizinischen Möglichkeiten in der Praxis Hinterschnabel erschöpft sind, verlegt Martin Gruber seine Patienten in die Klinik nach Hall. Hier vermischen sich Fiktion und Realität im Namen. Die Szenen, die im Krankenhaus spielen – sei es auf der Intensivstation, in den Fluren oder im Büro von Dr. Kahnweiler – werden tatsächlich oft im Bezirkskrankenhaus Hall in Tirol gedreht. Hall liegt ein Stück entfernt von der Region Wilder Kaiser, näher an Innsbruck.
Auch das Krankenhaus Schwaz diente bereits als Motiv. Für die Innenaufnahmen der Operationssäle und Patientenzimmer greift die Produktion jedoch häufig auf Studiosets zurück, um den echten Krankenhausbetrieb nicht zu stören. Dennoch ist die moderne Architektur der Klinik in Hall in vielen Außenaufnahmen klar erkennbar.
Warum gerade diese Region?
Warum haben sich die Macher der Serie ausgerechnet für den Wilden Kaiser entschieden? Die ursprüngliche Serie „Der Bergdoktor“ aus den 90er Jahren spielte am Mieminger Plateau (fiktiver Ort „Sonnenstein“). Für die Neuauflage mit Hans Sigl suchte man bewusst nach einer Region, die zwar touristisch erschlossen, aber landschaftlich noch dramatischer war.
Die Region Wilder Kaiser bietet eine einzigartige Topografie: Auf der einen Seite die sanften Grasberge der Kitzbüheler Alpen (wie Hartkaiser und Brandstadl), die leicht zugänglich sind und perfekte Kamerastandpunkte bieten. Auf der anderen Seite das massive Kalksteingebirge des Wilden Kaisers, das als imposante Rückwand dient. Diese visuelle Spannung zwischen „lieblich“ und „schroff“ spiegelt oft auch die Dramaturgie der Serie wider – die Harmonie des Dorflebens gegen die harten Schicksalsschläge der Patienten.
Tourismus und das „Bergdoktor-Fieber“
Der Erfolg der Serie hat die Region nachhaltig verändert. Der Tourismusverband Wilder Kaiser hat früh erkannt, welches Potenzial in der Serie steckt, und ein umfassendes Angebot für Fans entwickelt. Es ist eine Symbiose entstanden, von der beide Seiten profitieren.
Bergdoktor-Wochen und Fantage
Zweimal im Jahr, meist im Frühsommer und im Herbst, finden die sogenannten „Bergdoktor-Wochen“ statt. In dieser Zeit dreht sich in Ellmau, Going, Scheffau und Söll alles um die Serie. Das Highlight ist der große Fantag, bei dem Hans Sigl und seine Schauspielkollegen wie Ronja Forcher (Lilli), Monika Baumgartner (Lisbeth) oder Mark Keller (Dr. Kahnweiler) hautnah zu erleben sind. Es gibt Autogrammstunden, Bühnenshows und Fragerunden. Für viele Fans ist dies der emotionale Höhepunkt ihres Jahres.
E-Bike-Touren und geführte Wanderungen
Wer es aktiver mag, kann an geführten E-Bike-Touren zu den Drehorten teilnehmen. Lokale Guides erzählen dabei Anekdoten von den Dreharbeiten, wissen, wo Hans Sigl seinen Kaffee trinkt und welche Straße für den Dreh gerade gesperrt ist. Auch Filmwanderungen werden angeboten, die die Locations zu Fuß verbinden. Diese Angebote sind ideal, um die geografischen Zusammenhänge der Serie zu verstehen – denn im Fernsehen liegen Orte oft direkt nebeneinander, die in Wirklichkeit Kilometer getrennt sind.
Kulinarik am Wilden Kaiser: Essen wie im Film
Eine Reise zu den Drehorten wäre unvollständig ohne die kulinarischen Genüsse der Region. Auch wenn der Gasthof „Wilder Kaiser“ in Going keine echte Küche hat, ist die Dichte an hervorragenden Restaurants in der Region hoch. Die Tiroler Küche ist deftig und herzlich.
- Kaiserschmarrn: Ein Muss auf jeder Hütte. Besonders gut schmeckt er auf der „Rübezahl-Alm“ in Ellmau, die ebenfalls schon als Drehort diente (oft als Film-Alm von Onkel Ludwig oder anderen Charakteren).
- Tiroler Gröstl: Kartoffeln, Fleisch und Spiegelei – die perfekte Stärkung nach einer Wanderung zum Gruberhof.
- Kaspressknödel: In einer kräftigen Suppe oder mit Salat serviert, sind sie ein Klassiker der Region.
Viele der Almen, die in der Serie als Wohnorte von Patienten oder als Unfallorte dienen, sind reale Bewirtschaftungsbetriebe. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der Filmluft, sondern auch wegen der authentischen Gastfreundschaft.
Winter am Wilden Kaiser: Die Winterspecials
Während die regulären Staffeln meist im Sommer und Herbst spielen, produziert das Team jedes Jahr ein „Winterspecial“. Die Region verwandelt sich dann in ein Schneeparadies. Für Fans des Wintersports ist dies eine ideale Zeit, die Drehorte zu besuchen. Die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental ist eines der größten und modernsten Skigebiete weltweit.
Die Logistik beim Winterdreh ist für das Team eine besondere Herausforderung. Kameras müssen vor Kälte geschützt werden, und der Zugang zu hochgelegenen Höfen wie dem Gruberhof ist bei Schnee und Eis oft abenteuerlich. Dennoch liefern gerade diese Bilder, wenn der Wilde Kaiser tief verschneit in der Sonne glitzert, die vielleicht schönsten Aufnahmen der Serie.
Ein Fazit: Mehr als nur Kulisse
Wer sich auf die Suche nach der Antwort „Wo spielt der Bergdoktor?“ begibt, findet mehr als nur Filmkulissen. Man entdeckt eine Region, die ihre Traditionen bewahrt hat und gleichzeitig offen für die Moderne ist. Die Drehorte in Ellmau, Going, Söll und Scheffau sind keine leeren Hüllen, sondern Orte voller Leben, Geschichte und echter Tiroler Kultur.
Ein Besuch am Wilden Kaiser lohnt sich nicht nur für eingefleischte Fans der Serie. Die Kombination aus spektakulärer Natur, herzlicher Gastfreundschaft und der Möglichkeit, hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten deutschen TV-Produktionen zu blicken, macht diese Region zu einem einzigartigen Reiseziel. Ob Sie nun auf der Terrasse des Gruberhofs stehen und in die Ferne blicken oder am Dorfplatz in Going ein Eis essen – Sie werden spüren, warum Dr. Martin Gruber (zumindest in der Fiktion) niemals woanders leben möchte.
Packen Sie also Ihre Wanderschuhe ein und machen Sie sich bereit, die Welt des Bergdoktors mit eigenen Augen zu sehen. Es ist eine Reise, bei der Fiktion und Realität auf die schönste Weise verschmelzen.
