Die Augen jucken, brennen und sind gerötet – viele Menschen kennen diese unangenehmen Symptome. Oft steckt eine Bindehautentzündung, medizinisch Konjunktivitis genannt, dahinter. Sie gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen und kann jeden treffen, vom Säugling bis zum Senior. Doch was genau passiert bei einer Bindehautentzündung im Auge? Welche Ursachen stecken dahinter? Und vor allem: Wie lange dauert eine Bindehautentzündung, bis man endlich wieder klare Sicht und beschwerdefreie Augen hat? Dieser umfassende Ratgeber klärt auf, gibt wertvolle Tipps und hilft Ihnen, die Erkrankung besser zu verstehen und die Heilungszeit einzuschätzen.
Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine dünne, durchsichtige Schleimhaut, die das Innere der Augenlider auskleidet und den vorderen Teil des Augapfels bis zum Rand der Hornhaut bedeckt. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit unserer Augen: Sie produziert einen Teil des Tränenfilms, der das Auge feucht hält und vor äußeren Einflüssen schützt, und sie ist an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt. Entzündet sich diese schützende Schicht, spricht man von einer Bindehautentzündung.
Die verschiedenen Gesichter der Bindehautentzündung: Ursachen im Überblick
Eine Bindehautentzündung ist nicht gleich Bindehautentzündung. Je nach Auslöser unterscheidet man verschiedene Formen, die sich in ihren Symptomen, ihrer Ansteckungsgefahr und eben auch in ihrer Dauer unterscheiden können. Die Kenntnis der Ursache ist entscheidend für die richtige Behandlung und Prognose.
- Virale Bindehautentzündung: Dies ist die häufigste Form der infektiösen Bindehautentzündung. Sie wird durch Viren ausgelöst, oft sind es Adenoviren, die auch Erkältungen oder grippale Infekte verursachen können. Diese Form ist hochansteckend und verbreitet sich leicht durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) oder Schmierinfektion (Berühren infizierter Oberflächen und dann der Augen). Nicht selten tritt sie begleitend zu einer Erkältung auf.
- Bakterielle Bindehautentzündung: Hier sind Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken oder Haemophilus influenzae die Übeltäter. Typisch für diese Form ist ein gelblich-grünlicher, eitriger Ausfluss, der die Augenlider vor allem morgens verklebt. Auch die bakterielle Konjunktivitis ist ansteckend und kann durch direkten Kontakt mit infiziertem Sekret oder kontaminierten Gegenständen übertragen werden.
- Allergische Bindehautentzündung: Bei dieser nicht-ansteckenden Form reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen aus der Umwelt. Häufige Allergene sind Pollen (Heuschnupfen), Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen oder auch bestimmte Kosmetika und Augentropfenkonservierungsmittel. Die Symptome treten oft saisonal oder nach Kontakt mit dem spezifischen Allergen auf.

- Reizkonjunktivitis (irritative Konjunktivitis): Äußere Reize können die Bindehaut ebenfalls irritieren und eine Entzündung hervorrufen. Dazu gehören Rauch, Staub, trockene Luft (z.B. durch Klimaanlagen oder Heizungsluft), Zugluft, intensive Sonneneinstrahlung (UV-Licht), Chlorwasser im Schwimmbad, Fremdkörper im Auge oder auch eine Überanstrengung der Augen. Auch diese Form ist nicht ansteckend. Chronisch trockene Augen (Sicca-Syndrom) können ebenfalls zu einer irritativen Konjunktivitis führen.
- Sonderformen: Seltener können auch andere Ursachen wie Pilzinfektionen (meist bei immungeschwächten Personen), Parasiten oder Grunderkrankungen (z.B. rheumatische Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen) zu einer Bindehautentzündung führen. Eine spezielle Form ist die Neugeborenenkonjunktivitis (Ophthalmia neonatorum), die durch Keime ausgelöst wird, mit denen sich das Kind während der Geburt infizieren kann (z.B. Chlamydien, Gonokokken) und sofortiger ärztlicher Behandlung bedarf.
Typische Symptome: Woran erkennt man eine Bindehautentzündung?
Die Anzeichen einer Bindehautentzündung können je nach Ursache variieren, es gibt jedoch einige Leitsymptome, die häufig auftreten:
- Rötung der Augen: Die Blutgefäße in der Bindehaut erweitern sich, was zu der charakteristischen Rotfärbung führt. Das Weiß des Auges erscheint rosa oder rot.
- Juckreiz und Brennen: Diese Empfindungen sind besonders bei allergischen, aber auch bei viralen Entzündungen verbreitet.
- Fremdkörpergefühl: Betroffene haben oft das Gefühl, Sand oder ein anderes Körnchen im Auge zu haben.
- Tränende Augen: Das Auge produziert vermehrt Tränenflüssigkeit, um den Reiz oder die Erreger auszuspülen.
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Helles Licht wird als unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden.
- Verklebte Augenlider: Besonders morgens nach dem Aufwachen können die Augenlider durch eingetrocknetes Sekret verklebt sein. Dies ist ein starker Hinweis auf eine bakterielle oder auch eine schwerere virale Infektion.
- Schwellung der Bindehaut und/oder der Augenlider: Die Bindehaut kann glasig aufquellen (Chemosis), und auch die Lider können geschwollen sein.
- Sekretbildung: Die Art des Sekrets gibt oft Hinweise auf die Ursache:
- Wässrig bis leicht schleimig: Typisch für virale und allergische Bindehautentzündungen.
- Dickflüssig, gelblich-grünlich, eitrig: Deutet auf eine bakterielle Infektion hin.
Manchmal ist nur ein Auge betroffen, oft aber auch beide Augen, entweder gleichzeitig oder nacheinander. Bei einer infektiösen Bindehautentzündung beginnt es häufig an einem Auge und greift dann nach einigen Tagen auf das andere über.
Im Fokus: Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Die Frage „Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?“ lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Heilungsdauer maßgeblich von der Ursache, der Schwere der Entzündung und der eingeleiteten Behandlung abhängt. Im Folgenden geben wir einen detaillierten Überblick über die typische Dauer der verschiedenen Formen.
Wie lange dauert eine virale Bindehautentzündung?
Eine virale Bindehautentzündung, insbesondere die durch Adenoviren verursachte Keratokonjunktivitis epidemica, kann recht hartnäckig sein. In der Regel beträgt die Dauer hier etwa 7 bis 14 Tage. Die Symptome, wie starke Rötung, Tränenfluss und Fremdkörpergefühl, erreichen oft nach einigen Tagen ihren Höhepunkt und klingen dann langsam wieder ab. In einigen Fällen, besonders wenn die Hornhaut mitbetroffen ist (Keratitis), kann die vollständige Ausheilung auch bis zu 3 oder sogar 4 Wochen in Anspruch nehmen. Manchmal bleiben noch für längere Zeit leichte Trübungen auf der Hornhaut zurück, die aber meist von selbst verschwinden. Eine spezifische antivirale Therapie ist nur in seltenen Fällen bei bestimmten Viren (z.B. Herpesviren) notwendig und wirksam. Ansonsten erfolgt die Behandlung rein symptomatisch, um die Beschwerden zu lindern. Die Ansteckungsgefahr bei einer viralen Bindehautentzündung ist hoch und besteht, solange Symptome, insbesondere der wässrige Augenausfluss, vorhanden sind. Das bedeutet, dass Betroffene oft für etwa 1 bis 2 Wochen ansteckend sind. Strikte Hygienemaßnahmen sind in dieser Zeit unerlässlich.
Wie lange dauert eine bakterielle Bindehautentzündung?
Die Dauer einer bakteriellen Bindehautentzündung hängt stark davon ab, ob sie behandelt wird oder nicht. Unbehandelt kann eine leichte bakterielle Konjunktivitis manchmal von selbst innerhalb von 5 bis 10 Tagen ausheilen, da das Immunsystem die Bakterien bekämpft. In schwereren Fällen oder bei bestimmten Bakterienstämmen kann es jedoch auch länger dauern oder zu Komplikationen kommen. Wird eine bakterielle Bindehautentzündung mit antibiotischen Augentropfen oder -salben behandelt, verkürzt sich die Krankheitsdauer in der Regel deutlich. Die Symptome bessern sich oft schon nach 1 bis 3 Tagen, und die Infektion ist meist nach 2 bis 5 Tagen vollständig abgeklungen. Es ist jedoch wichtig, die antibiotische Behandlung so lange fortzuführen, wie vom Arzt verordnet (meist einige Tage über das Abklingen der Symptome hinaus), um ein Wiederaufflammen der Infektion zu verhindern. Die Ansteckungsgefahr sinkt bei einer bakteriellen Bindehautentzündung in der Regel 24 bis 48 Stunden nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Behandlung rapide. Ohne Behandlung ist man ansteckend, solange eitriges Sekret aus dem Auge austritt.
Wie lange dauert eine allergische Bindehautentzündung?
Die Dauer einer allergischen Bindehautentzündung ist eng an die Exposition gegenüber dem auslösenden Allergen gekoppelt. Gelingt es, das Allergen zu meiden, klingen die Symptome wie Juckreiz, Rötung und Tränenfluss oft innerhalb weniger Stunden bis Tage ab. Bei saisonalen Allergien, wie beispielsweise Heuschnupfen durch Pollenflug, können die Beschwerden jedoch über die gesamte Pollensaison, also über mehrere Wochen oder sogar Monate, anhalten, wenn keine entsprechenden Gegenmaßnahmen (Allergenkarenz, antiallergische Medikamente) ergriffen werden. Eine chronische allergische Bindehautentzündung ist ebenfalls möglich, wenn der Kontakt mit dem Allergen (z.B. Hausstaubmilben) dauerhaft besteht. Die Behandlung zielt hier auf die Linderung der Symptome und, wenn möglich, auf die Vermeidung des Allergens ab.
Wie lange dauert eine Reizkonjunktivitis?
Bei einer Reizkonjunktivitis, die durch äußere Einflüsse wie Rauch, Staub oder Chlorwasser verursacht wird, hängt die Dauer der Symptome davon ab, wie schnell der auslösende Reiz entfernt oder gemieden werden kann. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden wie Rötung und Brennen recht rasch ab, oft schon innerhalb von wenigen Stunden bis zu 1-2 Tagen, nachdem das Auge nicht mehr dem Reiz ausgesetzt ist. Befeuchtende Augentropfen können die Regeneration der Bindehaut unterstützen. Wenn die Reizung jedoch anhält, beispielsweise bei chronisch trockenen Augen oder ständiger Exposition gegenüber reizenden Stoffen am Arbeitsplatz, können die Symptome auch chronisch werden und eine längerfristige Behandlung erfordern.
Faktoren, die die Heilungsdauer beeinflussen können:
Neben der spezifischen Ursache gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die beeinflussen können, wie lange eine Bindehautentzündung andauert:
- Art des Erregers/Auslösers: Aggressive Virenstämme (z.B. bestimmte Adenoviren) können längere und schwerere Verläufe verursachen als mildere Viren oder die meisten Bakterien (bei Behandlung).
- Schweregrad der Entzündung: Eine leichte, oberflächliche Entzündung heilt naturgemäß schneller als eine ausgeprägte Entzündung mit starker Schwellung und Sekretion oder gar einer Beteiligung der Hornhaut.
- Allgemeiner Gesundheitszustand und Immunsystem: Ein starkes Immunsystem kann Infektionen effektiver bekämpfen und so die Heilungsdauer verkürzen. Personen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. durch chronische Krankheiten, Medikamente) können anfälliger für längere oder kompliziertere Verläufe sein.
- Begleiterkrankungen der Augen: Bestehende Augenleiden wie trockene Augen (Sicca-Syndrom), Blepharitis (Lidrandentzündung) oder anatomische Besonderheiten können die Heilung einer Bindehautentzündung verzögern oder begünstigen, dass sie chronisch wird.
- Rechtzeitige und korrekte Behandlung: Insbesondere bei bakteriellen Infektionen kann eine frühzeitige und adäquate antibiotische Therapie die Dauer erheblich verkürzen und Komplikationen vorbeugen. Bei allergischen Formen ist die richtige antiallergische Medikation und Allergenvermeidung entscheidend.
- Einhaltung von Hygienemaßnahmen: Bei infektiösen Formen ist strikte Hygiene (Händewaschen, separate Handtücher etc.) wichtig, um eine Verschleppung der Keime auf das andere Auge oder auf andere Personen zu verhindern und auch um eine Reinfektion zu vermeiden. Das Reiben der Augen sollte unbedingt unterlassen werden, da dies die Reizung verstärkt und Keime weiterverteilen kann.
- Alter des Betroffenen: Bei sehr jungen Kindern und älteren Menschen kann das Immunsystem manchmal langsamer reagieren, was den Verlauf beeinflussen kann. Neugeborene mit Bindehautentzündung benötigen immer eine sofortige ärztliche Abklärung.
- Vorhandensein von Komplikationen: Entwickelt sich beispielsweise eine Hornhautentzündung (Keratitis) als Komplikation, verlängert dies die Heilungsdauer erheblich.
- Tragen von Kontaktlinsen: Kontaktlinsenträger sollten bei Anzeichen einer Bindehautentzündung die Linsen sofort entfernen und einen Augenarzt aufsuchen. Das Weitertragen kann die Entzündung verschlimmern und das Risiko ernster Komplikationen erhöhen. Die Heilung kann sich verzögern, wenn die Augen durch die Linsen zusätzlich gereizt wurden.
Wann ist ein Arztbesuch unumgänglich?
Auch wenn eine Bindehautentzündung oft harmlos verläuft, gibt es Situationen, in denen ein Arztbesuch dringend anzuraten oder sogar unumgänglich ist, um die genaue Ursache zu klären, eine adäquate Behandlung einzuleiten und mögliche ernstere Erkrankungen auszuschließen:
- Starke Schmerzen im Auge: Eine typische Bindehautentzündung verursacht eher Juckreiz, Brennen oder ein Fremdkörpergefühl, aber keine starken Schmerzen. Schmerzen können auf eine tiefere Entzündung (z.B. der Hornhaut oder des Augeninneren) oder einen anderen ernsten Zustand wie einen akuten Glaukomanfall hindeuten.
- Sehverschlechterung oder Sehstörungen: Wenn die Sehschärfe abnimmt, man Doppelbilder sieht, Lichtblitze wahrnimmt oder das Gesichtsfeld eingeschränkt ist, muss dies sofort ärztlich abgeklärt werden.
- Ausgeprägte Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Eine starke Lichtscheu kann ebenfalls auf eine Beteiligung der Hornhaut oder tiefere Augenstrukturen hinweisen.
- Eitriger Ausfluss: Gelblich-grünlicher Eiter ist ein starkes Indiz für eine bakterielle Infektion, die oft mit Antibiotika behandelt werden sollte, um die Dauer zu verkürzen und Komplikationen zu vermeiden.
- Verletzung am Auge oder nicht verschwindendes Fremdkörpergefühl: Wenn der Entzündung ein Trauma oder ein festsitzender Fremdkörper vorausgegangen ist.
- Blutungen im Auge: Sichtbare Blutungen unter der Bindehaut oder im Auge selbst.
- Keine Besserung nach 2-3 Tagen: Wenn die Symptome trotz Selbstbehandlung mit Hausmitteln oder rezeptfreien Tropfen nach 2 bis 3 Tagen nicht besser oder sogar schlimmer werden.
- Bindehautentzündung bei Neugeborenen und Säuglingen: Jede Augenrötung oder Sekretion bei Babys muss sofort einem Kinderarzt oder Augenarzt vorgestellt werden, da hier gefährliche Infektionen vorliegen können.
- Kontaktlinsenträger: Bei jeglichen Anzeichen einer Bindehautentzündung sollten Kontaktlinsenträger die Linsen sofort herausnehmen und einen Augenarzt aufsuchen, da das Risiko für eine gefährliche Hornhautinfektion (Keratitis) erhöht ist.
- Einseitige, stark schmerzhafte Rötung: Wenn nur ein Auge betroffen ist und gleichzeitig starke Schmerzen, eventuell mit Übelkeit, auftreten, könnte dies auch ein Hinweis auf einen akuten Glaukomanfall sein – ein augenärztlicher Notfall!
- Verdacht auf eine hochansteckende Form: Bei Verdacht auf eine Infektion mit Adenoviren (Keratokonjunktivitis epidemica), die oft mit starkem Tränenfluss, Schwellung und manchmal auch mit einer Beteiligung der Lymphknoten vor dem Ohr einhergeht, sollte ein Arzt konsultiert werden, auch um Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung zu besprechen.
- Grundsätzliche Unsicherheit: Wenn Sie sich unsicher sind, was die Ursache Ihrer Beschwerden ist oder wie Sie diese behandeln sollen, ist ein Arztbesuch immer der richtige Weg.
Behandlungsmöglichkeiten: Was hilft gegen die lästigen Symptome?
Die Behandlung der Bindehautentzündung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache.
Behandlung der viralen Bindehautentzündung:
Da Antibiotika gegen Viren wirkungslos sind, zielt die Behandlung hier primär auf die Linderung der Symptome ab. Zum Einsatz kommen:
- Künstliche Tränen (Tränenersatzmittel): Sie befeuchten das Auge, lindern das Trockenheits- und Fremdkörpergefühl und helfen, reizende Stoffe oder Virenpartikel auszuspülen. Konservierungsmittelfreie Präparate in Einzeldosis-Ophthiolen sind oft besser verträglich.
- Kalte Kompressen: Auf die geschlossenen Augenlider aufgelegte kühle Umschläge (z.B. ein sauberes, in kaltes Wasser getauchtes Tuch) können Juckreiz und Schwellungen lindern.
- Abschwellende Augentropfen: Kurzfristig können sie die Rötung reduzieren, sollten aber nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden, da sie bei Absetzen zu einer erneuten, verstärkten Rötung führen können (Rebound-Effekt).
- In seltenen, schweren Fällen einer viralen Konjunktivitis, z.B. durch Herpesviren, können spezifische antivirale Augensalben oder -tropfen vom Arzt verordnet werden. Bei der häufigen Adenovirus-Konjunktivitis gibt es keine spezifische antivirale Therapie, die den Verlauf signifikant verkürzt.
Behandlung der bakteriellen Bindehautentzündung:
Liegt eine bakterielle Infektion vor, wird der Arzt in der Regel antibiotikahaltige Augentropfen oder Augensalben verschreiben. Diese töten die Bakterien ab oder hemmen deren Wachstum. Gängige Wirkstoffe sind z.B. Azithromycin, Gentamicin, Tobramycin oder Ofloxacin.
- Korrekte Anwendung: Es ist wichtig, die Tropfen oder Salben genau nach Anweisung des Arztes und für die verordnete Dauer anzuwenden, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind. Ein vorzeitiger Abbruch kann dazu führen, dass nicht alle Bakterien abgetötet werden und die Infektion erneut aufflammt oder Resistenzen entstehen.
- Salbe oder Tropfen? Salben haben den Vorteil, dass sie länger im Auge haften und oft seltener appliziert werden müssen (z.B. zur Nacht), können aber kurzzeitig die Sicht verschleiern. Tropfen sind tagsüber oft angenehmer.
Behandlung der allergischen Bindehautentzündung:
Die wichtigste Maßnahme ist, den Kontakt mit dem auslösenden Allergen so weit wie möglich zu vermeiden (Allergenkarenz). Zusätzlich können verschiedene Medikamente die Symptome lindern:
- Antihistaminika: Als Augentropfen (z.B. mit Azelastin, Levocabastin) blockieren sie die Wirkung von Histamin, einem Hauptbotenstoff bei allergischen Reaktionen, und lindern so Juckreiz und Rötung rasch. Auch orale Antihistaminika (Tabletten) können helfen, besonders wenn auch andere allergische Symptome wie eine laufende Nase bestehen.
- Mastzellstabilisatoren: Augentropfen mit Wirkstoffen wie Cromoglicinsäure oder Lodoxamid stabilisieren die Mastzellen und verhindern so die Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren. Sie wirken eher vorbeugend und müssen regelmäßig angewendet werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Sie sind gut verträglich für die Langzeitanwendung.
- Kortisonhaltige Augentropfen: Bei sehr starken allergischen Entzündungen kann der Arzt kortisonhaltige Augentropfen verordnen. Diese wirken stark entzündungshemmend, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen (z.B. Augeninnendrucksteigerung, Linsentrübung) nur kurzzeitig und unter strenger ärztlicher Kontrolle angewendet werden.
- Künstliche Tränen: Sie helfen, Allergene aus dem Auge zu spülen und die gereizte Bindehaut zu beruhigen.
Behandlung der Reizkonjunktivitis:
Hier steht die Eliminierung des auslösenden Reizes im Vordergrund. Ist der Reiz bekannt und kann gemieden werden (z.B. Zigarettenrauch, Zugluft), klingen die Beschwerden meist von selbst ab. Unterstützend können wirken:
- Befeuchtende Augentropfen (künstliche Tränen): Sie helfen, die gereizte Augenoberfläche zu beruhigen und zu schützen.
- Beruhigende Augentropfen: Präparate mit Dexpanthenol oder pflanzlichen Zusätzen wie Augentrost (Euphrasia) können lindernd wirken, wobei bei pflanzlichen Mitteln auf mögliche individuelle Unverträglichkeiten geachtet werden sollte.
- Bei chronisch trockenen Augen als Ursache ist eine konsequente Therapie des Sicca-Syndroms erforderlich.
Was Sie selbst tun können: Hausmittel und Selbsthilfe bei Bindehautentzündung
Neben der ärztlichen Behandlung gibt es einige Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um die Symptome zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen:
- Hygiene ist das A und O: Bei infektiösen Formen ist dies besonders wichtig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich mit Seife, insbesondere vor und nach dem Berühren der Augen oder dem Applizieren von Augentropfen. Vermeiden Sie es, die Augen zu reiben. Benutzen Sie für jedes Auge ein separates, sauberes Tuch zum Abtupfen von Sekret. Teilen Sie keine Handtücher, Waschlappen, Kosmetika oder Augentropfen mit anderen Personen.
- Kühle Kompressen: Legen Sie saubere, in kaltes Wasser getauchte und ausgewrungene Tücher oder Wattepads für einige Minuten auf die geschlossenen Augenlider. Dies kann Juckreiz, Brennen und Schwellungen lindern. Bei manchen Menschen werden warme Kompressen als angenehmer empfunden, insbesondere wenn die Lidränder verkrustet sind – hier ist jedoch Vorsicht geboten, da Wärme bei einigen Entzündungsformen (z.B. bakteriell) die Keimvermehrung fördern könnte. Im Zweifel immer kühle Kompressen bevorzugen.
- Künstliche Tränen: Rezeptfreie künstliche Tränen aus der Apotheke (vorzugsweise ohne Konservierungsmittel) können das Auge befeuchten, Reizstoffe ausspülen und das Fremdkörpergefühl lindern.
- Augen schonen: Vermeiden Sie grelles Licht (tragen Sie ggf. eine Sonnenbrille) und reduzieren Sie Tätigkeiten, die die Augen anstrengen, wie langes Lesen, Bildschirmarbeit oder Fernsehen. Geben Sie Ihren Augen Zeit, sich zu erholen.
- Kontaktlinsen meiden: Tragen Sie während einer Bindehautentzündung und bis zur vollständigen Ausheilung (und ggf. nach Rücksprache mit dem Arzt) keine Kontaktlinsen. Verwenden Sie stattdessen eine Brille. Reinigen oder entsorgen Sie die zuletzt getragenen Linsen und den Linsenbehälter gründlich, um eine Reinfektion zu vermeiden.
- Allergiker-Tipps: Bei allergischer Bindehautentzündung informieren Sie sich über den aktuellen Pollenflug. Halten Sie während der Pollensaison Fenster und Türen, besonders nachts, geschlossen oder verwenden Sie Pollenschutzgitter. Waschen Sie abends Ihre Haare, um Pollen zu entfernen. Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille.
- Vorsicht bei Hausmitteln wie Kamille: Obwohl Kamille oft als Hausmittel bei Entzündungen empfohlen wird, ist bei der Anwendung am Auge Vorsicht geboten. Kamillenaufgüsse können kleine Partikel enthalten, die das Auge zusätzlich reizen, und Kamille selbst kann bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Ähnliches gilt für Schwarzteebeutel. Sicherer sind spezielle, sterile Augenkompressen oder Augentropfen aus der Apotheke. Besprechen Sie die Anwendung von Hausmitteln immer zuerst mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
Ansteckungsgefahr und Prävention: Wie schütze ich mich und andere?
Die ansteckenden Formen der Bindehautentzündung (viral und bakteriell) erfordern besondere Vorsicht, um eine Übertragung zu verhindern.
Wie lange ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
- Virale Bindehautentzündung: Diese ist oft hochansteckend, solange Symptome wie Rötung und vor allem wässriger Augenausfluss bestehen. Die Ansteckungsdauer beträgt hier häufig 1 bis 2 Wochen, manchmal auch länger, bis alle Viren eliminiert sind.
- Bakterielle Bindehautentzündung: Unbehandelt ist man ansteckend, solange eitriges Sekret aus dem Auge fließt. Mit einer antibiotischen Therapie sinkt die Ansteckungsgefahr in der Regel deutlich innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Behandlungsbeginn. Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule meist wieder besuchen, wenn sie unter Antibiotikatherapie stehen und kein Sekret mehr aus dem Auge kommt (ärztliche Absprache erforderlich).
- Allergische und irritative Bindehautentzündungen sind nicht ansteckend.
Vorbeugende Maßnahmen (Prävention):
Einige einfache Verhaltensregeln können helfen, einer Bindehautentzündung vorzubeugen oder ihre Ausbreitung zu verhindern:
- Händewaschen: Die wichtigste Maßnahme! Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und gründlich mit Seife, besonders nach dem Toilettengang, vor dem Essen, nach Kontakt mit kranken Personen oder wenn Sie von draußen nach Hause kommen.
- Gesicht und Augen nicht berühren: Vermeiden Sie es, mit ungewaschenen Händen Ihr Gesicht und insbesondere Ihre Augen zu berühren.
- Eigene Hygieneartikel: Verwenden Sie ausschließlich eigene Handtücher, Waschlappen, Augen-Make-up und Augentropfen. Teilen Sie diese Artikel niemals mit anderen.
- Allergene meiden: Wenn Sie wissen, dass Sie auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren, versuchen Sie, diese so gut wie möglich zu meiden.
- Gute Raumbelüftung: Lüften Sie Wohn- und Arbeitsräume regelmäßig, um die Konzentration von Staub, Allergenen und Krankheitserregern in der Luft zu reduzieren.
- Korrekte Kontaktlinsenhygiene: Reinigen und desinfizieren Sie Ihre Kontaktlinsen und den Behälter genau nach Anweisung. Überschreiten Sie nicht die empfohlene Tragedauer. Waschen Sie sich vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen immer gründlich die Hände.
- Schwimmbrille: Tragen Sie in öffentlichen Schwimmbädern eine gut sitzende Schwimmbrille, um Ihre Augen vor Chlorwasser und Keimen zu schützen.
- Bei Erkältungen aufpassen: Da virale Bindehautentzündungen oft mit Erkältungen einhergehen, achten Sie bei einer Erkältung besonders auf Augenhygiene und vermeiden Sie es, sich nach dem Naseputzen direkt in die Augen zu fassen.
- Immunsystem stärken: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung stärkt das Immunsystem und macht es widerstandsfähiger gegen Infektionen.
Bindehautentzündung bei speziellen Gruppen
Bindehautentzündung bei Kindern:
Kinder sind besonders häufig von Bindehautentzündungen betroffen, da sie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen engen Kontakt zu anderen Kindern haben und Hygieneregeln oft noch nicht so konsequent einhalten. Virale und bakterielle Formen verbreiten sich hier schnell. Es ist wichtig, Kindern beizubringen, sich nicht in die Augen zu reiben. Bei Anzeichen einer Bindehautentzündung sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden, um die Ursache zu klären und zu entscheiden, ob und wann das Kind wieder die Einrichtung besuchen darf. Die Ansteckungsgefahr ist hier ein wichtiger Aspekt.
Bindehautentzündung bei Kontaktlinsenträgern:
Kontaktlinsenträger haben ein generell höheres Risiko für Augeninfektionen, einschließlich Bindehautentzündungen und der gefährlicheren Hornhautentzündung (Keratitis). Das Tragen von Kontaktlinsen kann die Sauerstoffversorgung der Hornhaut leicht reduzieren und kleine Mikroverletzungen verursachen, die als Eintrittspforte für Keime dienen können. Bei den ersten Anzeichen einer Rötung, Schmerzen oder Sekretion müssen Kontaktlinsen sofort entfernt und ein Augenarzt konsultiert werden. Es ist entscheidend, die Kontaktlinsen und den Behälter nach einer Infektion gründlich zu reinigen oder besser noch, die Linsen (insbesondere Monats- oder Wochenlinsen) und den Behälter zu entsorgen und neue zu verwenden, sobald die Augen vollständig verheilt sind und der Arzt grünes Licht gibt.
Bindehautentzündung bei Neugeborenen (Ophthalmia neonatorum):
Eine Bindehautentzündung in den ersten Lebenswochen (Ophthalmia neonatorum) ist ein ernster Zustand und erfordert immer eine sofortige ärztliche Untersuchung und Behandlung. Sie kann durch Bakterien verursacht werden, die während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden (z.B. Gonokokken, Chlamydien) oder durch andere Keime. Unbehandelt können diese Infektionen zu schweren Augenschäden bis hin zur Erblindung führen. Eine prophylaktische Gabe von antibiotischen Augentropfen direkt nach der Geburt (Credé-Prophylaxe) wird in Deutschland nicht mehr standardmäßig bei allen Neugeborenen durchgeführt, sondern risikoadaptiert entschieden.
Mögliche Komplikationen: Wann wird es gefährlich?
In den meisten Fällen heilt eine Bindehautentzündung ohne bleibende Schäden aus. Dennoch können, wenn auch selten, Komplikationen auftreten, insbesondere wenn die Entzündung sehr schwer verläuft, nicht adäquat behandelt wird oder bestimmte Risikofaktoren vorliegen:
- Hornhautentzündung (Keratitis): Dies ist eine der häufigsten ernsteren Komplikationen, besonders bei viralen Infektionen (z.B. Adenoviren, Herpesviren) oder bei Kontaktlinsenträgern mit bakterieller Infektion. Eine Keratitis kann zu Schmerzen, starker Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung und im schlimmsten Fall zu Narben auf der Hornhaut führen, die das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen.
- Chronische Bindehautentzündung: Manchmal kann eine akute Bindehautentzündung in eine chronische Form übergehen, bei der die Symptome über Wochen oder Monate anhalten oder immer wiederkehren. Dies kann bei unzureichender Behandlung, ständiger Reizung oder bei bestimmten Grunderkrankungen der Fall sein.
- Trockene Augen (Sicca-Syndrom) als Folge: Eine schwere oder langwierige Bindehautentzündung kann manchmal die Zusammensetzung des Tränenfilms stören und zu chronisch trockenen Augen führen.
- Narbenbildung auf der Bindehaut: Bei sehr schweren Entzündungen oder bestimmten seltenen Formen (z.B. vernarbendes Pemphigoid) kann es zu Narbenbildung auf der Bindehaut kommen, was die Augenbeweglichkeit oder den Lidschluss beeinträchtigen kann.
- Ausbreitung der Infektion: In seltenen Fällen kann sich eine bakterielle Infektion auf tiefere Augenstrukturen oder das umliegende Gewebe ausbreiten (z.B. Lidphlegmone, Dakryozystitis – Entzündung des Tränensacks).
- Reaktive Arthritis (Morbus Reiter): Bestimmte bakterielle Infektionen, die auch eine Bindehautentzündung auslösen können (z.B. Chlamydien), können in seltenen Fällen eine reaktive Arthritis mit Gelenkentzündungen und anderen Symptomen nach sich ziehen.
Diese Komplikationen unterstreichen die Wichtigkeit, eine Bindehautentzündung ernst zu nehmen und bei Warnsignalen rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen.
Zusammenfassung und Ausblick
Die Dauer einer Bindehautentzündung ist variabel und hängt entscheidend von ihrer Ursache – viral, bakteriell, allergisch oder reizbedingt – sowie von individuellen Faktoren und der Behandlung ab. Während eine Reizkonjunktivitis oft binnen Stunden bis Tagen abklingt, sobald der Auslöser gemieden wird, und eine mit Antibiotika behandelte bakterielle Form meist nach wenigen Tagen ausheilt, kann eine virale Bindehautentzündung durchaus ein bis zwei Wochen oder länger andauern. Allergische Beschwerden können saisonal über viele Wochen persistieren.
Die richtige Diagnose durch einen Arzt ist der Schlüssel zu einer effektiven Behandlung und einer möglichst kurzen Krankheitsdauer. Durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, die richtige Anwendung von Medikamenten und die Schonung der Augen können Betroffene selbst aktiv zur Heilung beitragen und die Ansteckungsgefahr minimieren. Geduld ist oft gefragt, besonders bei viralen Formen. Bei starken Schmerzen, Sehverschlechterung oder wenn sich die Symptome nicht bessern, ist ein Arztbesuch unerlässlich, um Komplikationen vorzubeugen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen qualifizierten Arzt. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer an Ihren Arzt oder einen anderen Spezialisten.
