Die Olympischen Spiele Paris 2024 sind nun Geschichte, die Lichter im Stade de France sind erloschen, und die Athleten sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Für viele von ihnen bleibt die Erinnerung an spannende Wettkämpfe, an die einzigartige Atmosphäre in der französischen Hauptstadt und, für die Erfolgreichsten, das unbeschreibliche Gefühl, eine olympische Medaille errungen zu haben. Doch was nehmen die strahlenden Siegerinnen und Sieger von Paris eigentlich mit nach Hause, abgesehen von dem begehrten Edelmetall und dem ewigen Ruhm? Die Antwort ist vielschichtig und reicht von handfesten finanziellen Zuwendungen über exklusive Geschenke bis hin zu immateriellen Ehren, die ein Leben verändern können.
Die Medaille selbst: Ein Unikat mit historischem Wert
Bevor wir uns den zusätzlichen Belohnungen widmen, muss die Pariser Medaille selbst gewürdigt werden. Die Organisatoren von Paris 2024 hatten sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um die Spiele unvergesslich zu machen: Jede der Gold-, Silber- und Bronzemedaillen trug in ihrem Herzen ein sechseckiges Stück originalen Eisens des Eiffelturms. Dieses Metall stammt von Renovierungsarbeiten des Pariser Wahrzeichens im 20. Jahrhundert und wurde sorgfältig konserviert. Gestaltet vom renommierten französischen Juwelierhaus Chaumet, wurde so eine direkte, physische Verbindung zwischen den Athleten und dem ikonischsten Symbol Frankreichs geschaffen. Für die Medaillengewinner bedeutet dies, nicht nur ein Symbol sportlichen Triumphs zu besitzen, sondern auch ein authentisches Stück Pariser und französischer Geschichte. Die Bänder der Medaillen waren übrigens vom Gitterwerk des Eiffelturms inspiriert, in Blau für die Olympischen und Rot für die Paralympischen Spiele, und der Rand jeder Medaille wurde mit der jeweiligen Sportart, Disziplin und dem Event des Medaillengewinners graviert.
Finanzielle Anerkennung: Große Unterschiede je nach Nation
Eine olympische Medaille ist unbezahlbar – und doch wird sie in vielen Ländern zusätzlich finanziell honoriert. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) selbst zahlt traditionell keine Preisgelder an die Athleten. Diese Aufgabe übernehmen die Nationalen Olympischen Komitees (NOKs), nationale Sportfachverbände oder direkt die Regierungen der jeweiligen Länder. Die Höhe dieser Prämien variiert dabei teils dramatisch.

Deutsche Athleten, die in Paris auf dem Treppchen landeten, erhielten von der Stiftung Deutsche Sporthilfe Prämien. Für Gold gab es 20.000 Euro, für Silber 15.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro. Auch Platzierungen bis zum achten Rang wurden noch honoriert. Diese Beträge, die seit rund zehn Jahren unverändert sind und erst ein Jahr nach den Spielen ausgezahlt werden, stammen aus privatwirtschaftlichen Mitteln, nicht aus öffentlichen Geldern. Im internationalen Vergleich bewegen sich diese Summen eher im Mittelfeld.
Andere Nationen zeigten sich deutlich großzügiger. Spitzenreiter waren oft asiatische Länder: Singapur und Hongkong beispielsweise lockten ihre Athleten mit Prämien von umgerechnet bis zu 690.000 Euro für eine Goldmedaille. Taiwan zahlte nicht nur rund 550.000 Euro für Gold, sondern versprach auch eine lebenslange monatliche Rente von etwa 3.700 Euro. Auch Italien (ca. 150.000 – 196.000 Euro für Gold, teils mit mehrjährigen Zusatzzahlungen), Ungarn und Litauen zahlten sechsstellige Beträge.
Das Gastgeberland Frankreich honorierte seine Goldmedaillengewinner mit rund 80.000 Euro, für Silber gab es 40.000 Euro und für Bronze 20.000 Euro. Die USA zahlten für Gold 37.500 US-Dollar (etwa 34.600 Euro). Es gab aber auch Länder wie Schweden, die traditionell keine Geldprämien für Medaillen vorsahen – dort gab es symbolisch oft nur ein Maskottchen.
Einige Länder boten neben Geld auch andere finanzielle Sicherheiten. So erhielten polnische Medaillengewinner neben einer Prämie auch das Recht auf eine lebenslange, steuerfreie Rente ab dem 40. Lebensjahr. Ähnliche Rentenmodelle gab es auch in Serbien und Malaysia. In Kasachstan wurden Medaillengewinner sogar mit Wohnungen belohnt: eine Dreizimmerwohnung für Gold, zwei Zimmer für Silber und ein Zimmer für Bronze. Südkoreanische Athleten konnten sich durch eine Medaille unter Umständen vom verpflichtenden Militärdienst befreien lassen, was für viele wertvoller als jede Geldprämie war.
Eine Neuerung in Paris 2024 war, dass erstmals ein internationaler Fachverband direkt Preisgelder zahlte: World Athletics, der Leichtathletik-Weltverband, vergab 50.000 US-Dollar für jede Goldmedaille in seinen Disziplinen. Auch der Boxverband IBA hatte Prämien angekündigt. Dies könnte ein Signal für zukünftige Olympische Spiele sein, dass auch Fachverbände verstärkt in die direkte Honorierung ihrer Athleten einsteigen.
Wichtig zu erwähnen ist, dass diese Prämien in vielen Ländern, auch in Deutschland, der Einkommenssteuer unterliegen können, was die Netto-Summe für die Athleten schmälert.
Materielle Geschenke: Von Maskottchen bis zu Autos
Neben Geld und der einzigartigen Medaille erhielten die Athleten in Paris bei der Siegerehrung noch weitere Aufmerksamkeiten. In einer kleinen Holzbox überreicht wurde eine Sonderedition des offiziellen Olympia-Posters, gestaltet vom französischen Künstler Ugo Gattoni, versehen mit einem goldenen, silbernen oder bronzenen Logo der Spiele, passend zur gewonnenen Medaille. Dazu gab es das offizielle Maskottchen der Spiele, die Phrygische Mütze „Phryge“, als Plüschtier. Dieses trug Schuhe in der Farbe der Medaille und eine aufgenähte Miniaturmedaille, während auf der Rückseite das Wort „Bravo“ eingestickt war – eine charmante und bleibende Erinnerung.
Darüber hinaus gibt es oft weitere materielle Geschenke von nationalen Sponsoren oder Verbänden. Berichte aus früheren Spielen oder von bestimmten Nationen für Paris 2024 nannten beispielsweise Autos (z.B. in Malaysia), hochwertige Uhren oder technische Geräte. Manchmal sind die Geschenke auch sehr landestypisch oder kurios: In der Vergangenheit erhielten Athleten schon Kühe, eine lebenslange kostenlose Versorgung mit bestimmten Lebensmitteln oder sogar eine eigene Restaurantfiliale.
Der Ruhm öffnet Türen: Sponsoring und Karrierechancen
Eine der wertvollsten „Währungen“, die ein Olympiasieg mit sich bringt, ist der immense Reputationsgewinn. Eine Medaille, insbesondere eine goldene, katapultiert Athleten oft über Nacht ins nationale und manchmal sogar internationale Rampenlicht. Dieser Ruhm lässt sich in bares Geld ummünzen.
Langfristig sind es oft lukrative Sponsorenverträge, die den größten finanziellen Unterschied machen. Unternehmen reißen sich um erfolgreiche und sympathische Olympiasieger als Werbegesichter. Solche Verträge können die direkten Medaillenprämien um ein Vielfaches übersteigen und eine finanzielle Absicherung über die aktive Karriere hinaus bieten. Der Marktwert eines Athleten steigt enorm, und es eröffnen sich Möglichkeiten für Werbekampagnen, eigene Produktlinien oder als Markenbotschafter.
Auch die Nachfrage nach Auftritten bei Veranstaltungen, Galas oder als Redner steigt, was zusätzliche Einnahmequellen erschließt. Für viele Athleten bedeutet ein Olympiasieg auch verbesserte Karrierechancen nach dem Leistungssport. Einige finden Anstellungen in Sportverbänden, als Trainer, Kommentatoren oder Sportmanager. In manchen Ländern werden Olympiasieger auch bevorzugt im öffentlichen Dienst, bei der Polizei oder beim Militär eingestellt, oft mit der Möglichkeit, weiterhin Sport zu treiben.
Immaterielle Werte: Nationale Ehre und ewige Anerkennung
Neben all den finanziellen und materiellen Aspekten sind es oft die immateriellen Belohnungen, die für die Athleten den tiefsten und nachhaltigsten Wert haben. Der Status als Nationalheld, die Verehrung durch die Fans, die Anerkennung für jahrelange harte Arbeit und Entbehrungen – all das ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
In vielen Ländern werden Olympiasieger mit hohen staatlichen Ehren ausgezeichnet. In Deutschland ist dies beispielsweise das „Silberne Lorbeerblatt“, die höchste staatliche Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen, die vom Bundespräsidenten verliehen wird. Auch öffentliche Auszeichnungen und Publikumspreise, wie die „Goldene Henne“ in Deutschland, die der Schwimmer Lukas Märtens nach seinem Goldgewinn in Paris erhielt, zeugen von der breiten Anerkennung in der Bevölkerung.
Manchmal wird Athleten die Ehre zuteil, dass Sportstätten, Straßen oder Plätze nach ihnen benannt werden. Der Magdeburger Schwimm-Olympiasieger Lukas Märtens wurde beispielsweise auf dem „Sports Walk of Fame“ seiner Heimatstadt verewigt. Solche Gesten schaffen eine bleibende Verbindung zwischen dem Athleten und seiner Heimatregion und würdigen seine Erfolge für die Nachwelt.
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen selbst ist für viele ein Lebenstraum. Eine Medaille ist die Krönung dieses Traums. Die Erinnerungen an den Moment des Triumphs, die Emotionen, der Stolz, das eigene Land auf der größten sportlichen Bühne der Welt vertreten und erfolgreich gewesen zu sein – das sind unbezahlbare Schätze, die ein Leben lang bleiben.
Kritische Töne: Nicht alles ist Gold, was glänzt
Bei aller Freude über die Belohnungen gibt es auch kritische Aspekte. Die bereits erwähnte Steuerpflicht auf Prämien ist ein Punkt. Ein anderer ist die oft kritisierte Verteilung der enormen Einnahmen des IOC. Nur ein relativ kleiner Prozentsatz dieser Gelder erreicht direkt oder indirekt die Athleten, die Hauptakteure der Spiele. Organisationen wie „Athleten Deutschland“ setzen sich für eine fairere Beteiligung und bessere Rahmenbedingungen ein.
Auch der immense Druck, der nach einem Olympiasieg auf den Athleten lasten kann, ist nicht zu unterschätzen. Die Erwartungshaltung für zukünftige Wettkämpfe steigt, und das mediale Interesse kann Fluch und Segen zugleich sein. Nicht jeder Olympiasieger kann den Ruhm dauerhaft in lukrative Verträge umwandeln; dies hängt stark von der Sportart, der Persönlichkeit und dem Management ab.
Fazit: Ein Bündel an Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung
Die Olympiasieger von Paris 2024 nahmen also weit mehr mit nach Hause als nur ihre einzigartigen Medaillen mit dem Eiffelturm-Fragment. Es ist ein ganzes Bündel an Belohnungen: finanzielle Prämien, die je nach Herkunftsland stark variieren, exklusive Geschenke als Erinnerung an die Spiele in Paris, die Aussicht auf lukrative Sponsorenverträge und verbesserte Karrierechancen sowie unschätzbare immaterielle Ehren und die ewige Anerkennung einer ganzen Nation.
Auch wenn die materiellen und finanziellen Zuwendungen eine wichtige Anerkennung für die jahrelange harte Arbeit und die Entbehrungen darstellen, so ist es doch oft der ideelle Wert des Olympiasieges, der am schwersten wiegt. Der Stolz, das eigene Land vertreten zu haben, die Freude über den Erfolg und das Wissen, Teil der olympischen Geschichte zu sein – das sind die wahren Triumphe, die ein Leben lang Bestand haben und die Athleten für immer als Olympiasieger von Paris 2024 auszeichnen.
