Es ist eine Situation, die wir alle kennen: Man steht mit einem Umschlag in der Hand vor dem Briefkasten oder in der Filiale und fragt sich plötzlich unsicher: Wie viel kostet ein Brief eigentlich gerade? War das noch 85 Cent? Oder sind wir schon bei fast einem Euro? Die Zeiten, in denen man blind eine Marke aufklebte, sind vorbei. Preiserhöhungen, Formatänderungen und digitale Neuerungen haben den simplen Akt des Briefversands zu einer kleinen Wissenschaft gemacht. Doch keine Sorge, das Versenden von physischer Post hat nach wie vor seinen festen Platz in unserer digitalen Welt – sei es für Kündigungen, offizielle Dokumente oder die persönliche Karte zum Geburtstag.
In diesem Artikel beleuchten wir nicht nur die nackten Zahlen. Wir tauchen tief ein in die Welt der Formate, Gewichte und versteckten Kostenfallen, damit Ihre Sendung nicht wegen fehlendem Porto zurückkommt. Zudem werfen wir einen Blick auf clevere Sparmöglichkeiten und die Frage, warum der klassische Brief trotz E-Mail und Messenger noch lange nicht ausgedient hat.
Die Basis: Standardbrief und seine Geschwister
Wenn die Frage aufkommt, wie viel kostet ein Brief, denken die meisten zuerst an den klassischen Standardbrief. Er ist das Arbeitspferd der deutschen Post. Doch die Post unterscheidet streng nach Größe und Gewicht. Hier liegt oft der Teufel im Detail.
Der Standardbrief – Der Klassiker für wenig Papier
Der Standardbrief ist für den normalen Schriftverkehr gedacht. Er fasst in der Regel bis zu drei DIN-A4-Seiten (bei normaler Papierstärke von 80g/m²), die zweimal gefaltet in einen DIN-lang-Umschlag passen. Auch kleine Grußkarten fallen in diese Kategorie.

- Maße: Länge 14–23,5 cm, Breite 9–12,5 cm, Höhe bis 0,5 cm.
- Gewicht: Bis 20 Gramm.
- Kostenfaktor: Dies ist die günstigste Variante für geschlossene Briefsendungen. Achten Sie hier besonders auf die Papierdicke. Wer hochwertiges, schweres Papier nutzt, rutscht mit drei Seiten manchmal schon über die 20-Gramm-Grenze.
Der Kompaktbrief – Wenn es etwas mehr sein darf
Sobald Sie mehr als drei Seiten versenden wollen, etwa einen längeren Vertrag oder einen Brief mit Fotos, greift der Kompaktbrief. Er erlaubt deutlich mehr Gewicht, behält aber die flachen Maße bei.
- Maße: Identisch zum Standardbrief (10–23,5 cm Länge, bis 12,5 cm Breite), aber darf bis zu 1 cm dick sein.
- Gewicht: Bis 50 Gramm.
- Nutzung: Ideal für bis zu 8 DIN-A4-Seiten (gefaltet). Ein häufiger Fehler ist, diesen Brief zu wählen, wenn der Umschlag eigentlich zu groß ist (z.B. DIN A5). Dafür gibt es den Großbrief.
Der Großbrief – Für ungefaltete Dokumente
Niemand mag Knicke in wichtigen Zeugnissen oder Urkunden. Hier kommt der Großbrief ins Spiel. Er erlaubt den Versand von DIN-A4-Umschlägen. Er ist einer der vielseitigsten Tarife, da er auch kleine Waren (flach) transportieren kann.
- Maße: Länge bis 35,3 cm, Breite bis 25 cm, Höhe bis 2 cm.
- Gewicht: Bis 500 Gramm.
- Besonderheit: Das hohe zulässige Gewicht überrascht viele. Ein halbes Kilo Papier ist eine Menge – das sind etwa 95 DIN-A4-Seiten. Auch Zeitschriften oder dünne Broschüren lassen sich so versenden.
Der Maxibrief – Das Schwergewicht
Der Maxibrief ist die Brücke zum Päckchen. Wenn es nicht mehr durch den Briefkastenschlitz passt, ist es meist ein Päckchen, aber der Maxibrief erlaubt eine Dicke von bis zu 5 cm, was für Bücher oder Textilien oft ausreicht.
- Maße: Länge bis 35,3 cm, Breite bis 25 cm, Höhe bis 5 cm.
- Gewicht: Bis 1.000 Gramm (1 kg).
- Tipp: In Kombination mit der Option „Prio“ bietet der Maxibrief oft eine schnellere und günstigere Alternative zum kleinen Paket, inklusive einer Basis-Sendungsverfolgung.
Quadratische Umschläge: Die Kostenfalle
Ein Aspekt, der beim Thema „wie viel kostet ein Brief“ oft übersehen wird, ist die Form. Besonders bei Einladungskarten zur Hochzeit oder zum Geburtstag greifen viele gerne zu quadratischen Umschlägen. Sie sehen edel aus und fallen auf.
Das Problem: Die Sortiermaschinen der Post sind auf rechteckige Formate optimiert. Ein quadratischer Brief gilt daher als „Sonderformat“. Selbst wenn er weniger als 20 Gramm wiegt, darf er oft nicht als Standardbrief frankiert werden, sondern muss als Großbrief bezahlt werden. Das Porto kann sich also fast verdoppeln, nur wegen der Form. Prüfen Sie daher immer: Ist die Kantenlänge identisch? Wenn ja, wird es teurer.
Zusatzleistungen: Sicherheit kostet extra
Die Frage nach den Kosten endet nicht beim reinen Porto. Wer rechtssicher kündigen oder wertvolle Dokumente versenden will, benötigt Zusatzleistungen. Ein einfacher Brief bietet keinen Beweis, dass er jemals angekommen ist.
Das Einschreiben Einwurf
Hier dokumentiert der Zusteller, dass er den Brief in den Briefkasten des Empfängers geworfen hat. Sie erhalten eine Sendungsnummer und können den Status online verfolgen. Das ist für die meisten fristgerechten Kündigungen (Fitnessstudio, Abo, Mietvertrag) rechtlich meist ausreichend (wobei Juristen hier oft streiten, aber es ist der Standard-Weg).
Das Einschreiben Rückschein
Die sicherste, aber auch teuerste Variante. Der Empfänger (oder ein Bevollmächtigter) muss den Empfang persönlich an der Haustür unterschreiben. Der rosafarbene Rückschein kommt dann physisch zu Ihnen zurück. Das ist der „Goldstandard“ für juristische Auseinandersetzungen, kostet aber deutlich mehr als das Basis-Porto.
Prio – Die schnelle Alternative
Eine relativ neue Option ist der „Prio“-Versand. Gegen einen Aufpreis wird der Brief bevorzugt behandelt (Ziel: Zustellung am nächsten Werktag) und erhält eine Sendungsverfolgung. Wichtig: Es ist kein Einschreiben. Es gibt keine rechtssichere Unterschrift, aber man sieht, wann der Brief im Ziel-Briefzentrum bearbeitet wurde.
Warum steigen die Preise eigentlich ständig?
Wenn Sie sich fragen, warum die Antwort auf „wie viel kostet ein Brief“ fast jährlich anders lautet, liegt das an der Struktur des Marktes. Das Briefvolumen sinkt seit Jahren massiv. Wir schreiben E-Mails, nutzen WhatsApp oder digitale Portale. Die Fixkosten der Post (Zusteller, Fahrzeuge, Sortierzentren) bleiben aber hoch oder steigen durch Inflation und Lohnanpassungen sogar an.
Da die Post als Universaldienstleister verpflichtet ist, jeden Briefkasten in Deutschland anzufahren – egal ob auf der Zugspitze oder auf einer Hallig – müssen diese Kosten auf immer weniger Briefe umgelegt werden. Die Bundesnetzagentur reguliert diese Preise, genehmigt aber in regelmäßigen Abständen Erhöhungen, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Das Ergebnis: Das Porto für den einzelnen Brief wird teurer.
Bücher- und Warensendung (BüWa): Der Spartipp
Wer nicht nur Papier, sondern kleine Gegenstände versendet, sollte den Blick vom klassischen Brief abwenden. Früher gab es die offene Warensendung. Heute heißt das Produkt „Bücher- und Warensendung“ (BüWa).
Der Vorteil: Es ist deutlich günstiger als ein Maxibrief oder ein Päckchen.
Der Nachteil: Die Laufzeit ist länger. Während ein normaler Brief oft am nächsten Tag da ist (E+1), kann eine BüWa bis zu 4 Werktage brauchen (E+4). Dafür spart man bares Geld. Wichtig ist, dass hier wirklich Waren oder Bücher enthalten sein müssen, keine persönlichen Mitteilungen (eine Rechnung oder ein Lieferschein ist erlaubt).
Digitales Porto: Nie wieder Briefmarken lecken
Die Zeiten, in denen man Briefmarken horten musste, sind vorbei. Die Frage „wie viel kostet ein Brief“ lässt sich heute oft direkt mit dem Smartphone beantworten und bezahlen.
Die Mobile Briefmarke
Sie brauchen keine Briefmarke und keinen Drucker mehr. Über die Post-App kaufen Sie das Porto. Sie erhalten einen Code (z.B. #PORTO 1m45), den Sie einfach mit einem dunklen Stift oben rechts auf den Umschlag schreiben. Die Sortiermaschine liest meine Handschrift? Ja, und das erstaunlich gut. Das Geld wird via PayPal oder Kreditkarte abgebucht. Es ist bequem, kostet keinen Aufpreis und rettet jeden Sonntagabend, wenn die Postfiliale geschlossen hat.
Internetmarke zum Ausdrucken
Für das Homeoffice oder kleine Gewerbetreibende lohnt sich der Druck zu Hause. Man kann Motive wählen und Adressen direkt mit aufdrucken. Das spart Zeit und sieht professionell aus.
Der Brief ins Ausland: Eine andere Preisliga
Sobald der Brief die Landesgrenze verlässt, gelten andere Regeln. Interessanterweise unterscheidet die Post hier oft nicht mehr so granular zwischen verschiedenen europäischen Ländern, sondern zwischen „International“.
Ein Standardbrief ins Ausland ist teurer als im Inland, aber oft günstiger als man denkt. Überraschend ist oft, dass das Porto für einen Brief in die USA das gleiche sein kann wie nach Frankreich, solange es sich um den „International“-Tarif handelt. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten: Waren dürfen in internationalen Briefen oft nicht mehr versendet werden. Seit einigen Jahren verlangt der Weltpostverein eine strikte Trennung von Dokumenten und Waren. Wer ein USB-Kabel in die USA schicken will, muss dies nun als Päckchen mit Zollinhaltserklärung tun – ein einfacher Brief reicht nicht mehr, es sei denn, man nutzt spezielle „Warenpost International“ Tarife, die meist nur Geschäftskunden offenstehen.
Versteckte Kosten: Papier, Toner und Umschlag
Wenn wir kalkulieren, wie viel ein Brief kostet, vergessen wir oft das Material. Ein hochwertiger Umschlag mit Seidenfutter kostet im Einzelhandel schnell 20 bis 50 Cent. Hinzu kommen Papier (ca. 1-2 Cent pro Blatt) und Druckerkosten. Ein vollflächiger Farbdruck kann bei Tintenstrahldruckern richtig ins Geld gehen.
Spartipp für Vieldrucker: Nutzen Sie Fensterumschläge. Das erspart das erneute Schreiben der Adresse auf dem Umschlag und verhindert Fehler (Zahlendreher in der PLZ), da die Adresse direkt aus dem Briefkopf des Dokuments sichtbar ist. Zudem sieht es offizieller aus.
Häufige Fehler, die zu Nachporto führen
Nichts ist ärgerlicher als ein Brief, der zum Absender zurückkommt oder beim Empfänger für Unmut sorgt, weil „Strafporto“ fällig wird. Hier die häufigsten Fallen:
- Die Klammer-Falle: Büroklammern im Umschlag sind tückisch. Sie machen den Brief an einer Stelle dicker als erlaubt oder beschädigen die Sortiermaschinen. Nutzen Sie lieber ein gefaltetes Blatt Papier um die Dokumente oder kleben Sie nichts Hartes hinein.
- Dunkle Umschläge: Ein tiefschwarzer oder dunkelblauer Umschlag sieht schick aus, aber der Barcode, den die Post zur Sortierung aufsprüht, ist darauf kaum lesbar. Oft müssen diese Briefe manuell sortiert werden, was zu Verzögerungen führen kann. Nutzen Sie helle Etiketten für die Adresse.
- Veraltete Briefmarken: Haben Sie noch Marken mit D-Mark oder sehr alte Euro-Werte ohne Matrixcode? Während Euro-Marken oft noch gültig sind (man muss den Differenzbetrag auffrankieren), werden Briefmarken ohne den neuen Matrixcode (QR-Code an der Seite) sukzessive weniger nutzerfreundlich, da der Code auch eine Basis-Verfolgung und Entwertungsschutz bietet.
Regionalanbieter: Die günstige Konkurrenz
Es muss nicht immer der „Gelbe Riese“ sein. In vielen Regionen Deutschlands gibt es private Postdienstleister (z.B. Pin AG, CityPost, etc.). Diese sind oft einige Cent günstiger als der Marktführer. Besonders für Firmen mit hohem Postaufkommen lohnt sich das.
Der Haken: Sie brauchen spezielle Briefkästen oder Abgabestellen. Man kann einen Brief mit einer Marke eines privaten Anbieters nicht in den gelben Kasten der Deutschen Post werfen (und umgekehrt). Wenn Sie also hauptsächlich private Einzelbriefe verschicken, ist der Aufwand, den richtigen blauen oder grünen Kasten zu finden, oft die Ersparnis von 5 Cent nicht wert. Für lokale Behördenpost sieht man diese Anbieter jedoch sehr häufig.
Fazit: Porto ist mehr als nur der Preis einer Marke
Die Frage „Wie viel kostet ein Brief“ ist dynamisch. Sie hängt vom Kalenderjahr, dem Gewicht, der Form und dem Zielort ab. Während die Preise tendenziell steigen, steigt auch der Komfort durch digitale Frankierung und Nachverfolgung.
Trotz der Kosten bleibt der physische Brief ein Medium mit hoher Wertigkeit. Eine E-Mail geht in der Masse unter, ein Brief wird geöffnet, angefasst und gelesen. Wer Geld sparen will, sollte vor allem auf das Gewicht und das Format achten – einmal falten kann den Unterschied zwischen 85 Cent (oder dem aktuellen Tarif) und 1,60 Euro ausmachen. Prüfen Sie vor dem Einwurf kurz: Ist der Umschlag flach? Ist die Adresse lesbar? Haben Sie das aktuelle Porto gecheckt, statt einfach eine alte Marke aus der Schublade zu nehmen? Wer diese kleinen Regeln beachtet, sorgt dafür, dass die Post nicht nur ankommt, sondern auch bezahlbar bleibt.
