Es ist ein Ritual, das trotz der allgegenwärtigen Digitalisierung kaum an Bedeutung verloren hat: Der Gang zum Briefkasten. Ob es die offizielle Kündigung, die liebevoll gestaltete Geburtstagskarte an die Großmutter oder wichtige Behördenunterlagen sind – der physische Brief bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Kommunikationsalltags. Doch stehen Sie auch manchmal vor dem gelben Kasten oder am Postschalter und fragen sich: „Reicht die 85-Cent-Briefmarke hier noch, oder ist das schon ein Großbrief?“
Die Preisstrukturen für den Briefversand in Deutschland wirken auf den ersten Blick übersichtlich, bergen aber im Detail Tücken, die schnell ins Geld gehen können. Ein paar Gramm zu viel, ein Millimeter zu dick, und schon landet der Brief entweder zurück im eigenen Kasten oder der Empfänger wird zur Kasse gebeten. In diesem umfassenden Ratgeber tauchen wir tief in die Welt des Portos ein. Wir analysieren nicht nur die aktuellen Tarife, sondern beleuchten auch Alternativen zur Deutschen Post, erklären die digitalen Frankiermöglichkeiten und geben Tipps, wie Sie „Nachporto-Fallen“ zuverlässig vermeiden.
Der Klassiker und seine Geschwister: Die Grundtarife der Deutschen Post

Wenn wir über Briefporto sprechen, kommen wir an der Deutschen Post AG nicht vorbei. Als Universaldienstleister setzt sie den Maßstab. Doch „ein Brief“ ist längst nicht gleich „ein Brief“. Das System basiert auf einer Matrix aus Format (Länge, Breite, Höhe) und Gewicht. Wer diese Matrix versteht, spart bares Geld.
Der Standardbrief: Das Leichtgewicht für den Alltag
Dies ist das Format, das wir alle kennen. Der klassische weiße Umschlag, meist im Format DIN C6 oder DIN lang (mit und ohne Fenster). Aktuell liegt der Preis hier bei 0,85 €. Doch Vorsicht ist beim Inhalt geboten. Die Gewichtsgrenze liegt bei strikten 20 Gramm.
Was bedeutet das in der Praxis? Ein Standardumschlag wiegt etwa 5 Gramm. Ein Blatt gewöhnliches Druckerpapier (80g/m²) wiegt knapp 5 Gramm. Das bedeutet: Drei gefaltete DIN-A4-Seiten plus Umschlag sind meist sicher (ca. 20g). Kommt jedoch ein viertes Blatt hinzu oder nutzen Sie schwereres, hochwertiges Briefpapier, reißt man die Grenze schnell. Auch eine Büroklammer oder ein Foto können das Zünglein an der Waage sein.
Der Kompaktbrief: Wenn es etwas mehr sein darf
Sobald der Brief dicker wird oder mehr Seiten enthält, landen wir beim Kompaktbrief für 1,00 €. Die Maße bleiben identisch zum Standardbrief, aber das Gewicht darf bis zu 50 Gramm betragen. Dies ist die ideale Wahl für:
- Längere Verträge oder Dokumente (bis ca. 8-9 Seiten).
- Briefe mit kleinen Beilagen wie Fotos oder flachen Gutscheinkarten.
- Hochwertige Glückwunschkarten mit Umschlägen aus dickerem Material.
Ein häufiger Fehler: Viele kleben sicherheitshalber zwei 85-Cent-Marken auf, was 1,70 € ergibt. Sie schenken der Post damit 70 Cent. Eine 1,00 € Marke (oder die entsprechende Ergänzung) reicht völlig aus.
Großbrief und Maxibrief: Die Grenzen zum Päckchen verschwimmen
Hier wird es für den Versand von Dokumentenmappen oder kleinen Waren interessant. Der Großbrief kostet 1,60 € und erlaubt bis zu 500 Gramm Gewicht. Wichtig ist hier vor allem die Dicke: Bis zu 2 cm sind erlaubt. Das reicht für einen unverknickten DIN-A4-Umschlag mit bis zu 95 Seiten Papier.
Der „König“ der Briefe ist der Maxibrief für 2,75 €. Er darf bis zu 1.000 Gramm wiegen und – das ist entscheidend – bis zu 5 cm dick sein. Das macht ihn zur Geheimwaffe für den E-Commerce und private Versender kleiner Gegenstände. Ein Buch, eine DVD oder ein T-Shirt lassen sich oft problemlos als Maxibrief versenden, was deutlich günstiger ist als das günstigste Päckchen (das oft bei 3,99 € beginnt und unversichert ist).
Sonderfall Postkarte: Das unterschätzte Medium
In Zeiten von WhatsApp und Instagram wirkt die Postkarte fast schon retro, erlebt aber gerade deshalb eine Renaissance als Zeichen besonderer Wertschätzung. Mit 0,70 € ist sie die günstigste Art, physisch „Hallo“ zu sagen. Wichtig: Dies gilt nur für die klassische rechteckige Karte. Quadratische oder Sonderformate müssen oft als Brief frankiert werden, da sie nicht automatisch von den Sortiermaschinen verarbeitet werden können.
Sicherheit kostet extra: Einschreiben und Prio
Die Frage „Wie viel kostet ein Brief?“ lässt sich oft nicht nur mit dem reinen Porto beantworten. Sobald es um rechtliche Relevanz geht – Kündigungen, Fristsachen, originale Urkunden – reicht der einfache Einwurf in den Briefkasten oft nicht aus. Sie brauchen einen Nachweis.
Das Einschreiben Einwurf (+ 2,35 €)
Hier dokumentiert der Zusteller, dass er den Brief in den Briefkasten des Empfängers geworfen hat. Sie erhalten eine Sendungsnummer und können online sehen, wann zugestellt wurde. Dies gilt rechtlich als „zugegangen“. Zu den Basiskosten (z.B. 0,85 €) kommen also 2,35 € hinzu.
Das Einschreiben Standard (+ 2,65 €)
Der Empfänger (oder ein Bevollmächtigter/Hausbewohner) muss den Erhalt persönlich unterschreiben. Das bietet eine höhere psychologische Hürde und Sicherheit, birgt aber das Risiko, dass der Brief nicht zugestellt werden kann, wenn niemand zu Hause ist. Dann muss er in der Filiale abgeholt werden, was wertvolle Zeit kosten kann.
Einschreiben Eigenhändig und Rückschein
Für maximale Sicherheit gibt es die Option „Eigenhändig“ (+ 4,85 € inkl. Basis-Einschreiben), bei der nur der Adressat persönlich unterschreiben darf, und den „Rückschein“ (+ 4,85 € inkl. Basis-Einschreiben), bei dem Sie eine rosa Karte mit der Unterschrift physisch zurückerhalten. Letzteres ist im digitalen Zeitalter oft unnötig, da die digitale Auslieferungsbestätigung meist als Beweis ausreicht, aber für bestimmte juristische Vorgänge immer noch relevant sein kann.
Die Prio-Option: Schneller und mit Tracking (+ 1,10 €)
Eine spannende Zwischenlösung ist der „Prio“-Versand. Für einen Aufpreis von 1,10 € wird der Brief bevorzugt behandelt (Ziel: Zustellung am nächsten Werktag) und Sie erhalten eine Sendungsverfolgung. Aber Achtung: Es ist kein Einschreiben. Der Zusteller scannt den Brief bei der Zustellung, aber es gibt keine rechtssichere Dokumentation wie beim Einschreiben. Für den schnellen Versand von eBay-Verkäufen ist es jedoch oft eine beliebte Wahl.
Digitalisierung des Portos: Nie wieder Briefmarken lecken
Die Zeiten, in denen man Briefmarkenheftchen auf Vorrat kaufen und horten musste (nur um bei der nächsten Portoerhöhung 5-Cent-Ergänzungsmarken kleben zu müssen), sind vorbei. Die Deutsche Post hat mit der „Mobilen Briefmarke“ das System revolutioniert.
Über die „Post & DHL App“ können Sie das gewünschte Porto auswählen und bezahlen (z.B. per PayPal). Sie erhalten keinen QR-Code zum Ausdrucken, sondern einen simplen Code aus Nummern und Buchstaben, z.B. „#PORTO 1M3R4“. Diesen schreiben Sie einfach handschriftlich mit einem dunklen Stift oben rechts auf den Umschlag, dort wo sonst die Marke klebt. Fertig. Keine Druckerpatrone, kein Kleber, kein Weg zur Filiale. Dieser Service kostet keinen Aufpreis und funktioniert zuverlässig.
Ein weiterer Vorteil der digitalen Frankierung: Sie hilft Fehler zu vermeiden. Die App fragt oft Maße und Gewicht ab und schlägt den passenden Tarif vor. Wer einen Drucker hat, kann natürlich auch „Internetmarken“ ausdrucken, die oft sogar hübsche Motive bieten.
Die Konkurrenz schläft nicht: Regionale Anbieter
Fragt man „Was kostet ein Brief?“, gehen die meisten automatisch von den Preisen der Deutschen Post aus. Doch in vielen Regionen Deutschlands gibt es private Postdienstleister wie Pin AG (Berlin), CityPost, NordBrief oder diverse andere lokale Kuriere. Diese sind oft entstanden, als das Postmonopol fiel.
Die Preisstrukturen dieser Anbieter liegen häufig leicht unter denen der Deutschen Post (z.B. 0,80 € statt 0,85 € für den Standardbrief). Für Privatkunden lohnt sich das oft nur bedingt, da man spezielle Briefkästen dieser Anbieter finden muss. Man darf einen blauen „Pin AG“-Brief nicht in den gelben Postkasten werfen – das führt zu Verzögerungen und Strafporto, da die Post den Brief an den Konkurrenten übergeben muss.
Für Geschäftskunden oder Vereine, die hunderte Briefe im Monat versenden, kann der Wechsel zu einem regionalen Anbieter jedoch Einsparungen im drei- bis vierstelligen Bereich pro Jahr bedeuten. Hier lohnt sich ein lokaler Vergleich immens.
Versteckte Kostenfallen: Wenn der Brief zurückkommt
Nichts ist ärgerlicher, als wenn wichtige Post nicht ankommt oder der Empfänger Gebühren zahlen muss. Das sogenannte „Nachentgelt“ ist teuer. Wenn Sie einen Brief unterfrankieren (z.B. Standardbrief frankiert, aber er wiegt 25g), erhebt die Post beim Empfänger das fehlende Porto plus eine Einziehungsgebühr von derzeit 2,00 €. Verweigert der Empfänger die Annahme – was sein gutes Recht ist – kommt der Brief zu Ihnen zurück, und Sie müssen zahlen.
Das Problem mit den farbigen Umschlägen
Ein wenig bekanntes Detail: Farbige Umschläge können teurer werden. Die Sortiermaschinen der Post lesen die Adresse und den Code, der unten rechts aufgedruckt wird (der orangefarbene Strichcode), optisch aus. Bei sehr dunklen Umschlägen (tiefblau, schwarz, dunkelrot) oder stark gemusterten Kuverts kann die Maschine den Kontrast nicht erkennen. Diese Briefe müssen manuell sortiert werden.
Zwar berechnet die Post hierfür bei Privatkunden selten offiziell Aufschläge, aber die Gefahr, dass der Brief als „nicht AGB-konform“ aussortiert wird oder deutlich länger braucht, ist real. Nutzen Sie für farbige Umschläge am besten weiße Adressaufkleber, um die Lesbarkeit zu garantieren.
Internationaler Versand: Ein Brief geht um die Welt
Wer Post ins Ausland schickt, muss tiefer in die Tasche greifen, profitiert aber von einer überraschend simplen Struktur. Die Deutsche Post unterscheidet im Wesentlichen nur noch zwischen „National“ und „International“. Es spielt preislich meist keine Rolle, ob der Brief nach Österreich, in die USA oder nach Japan geht.
- Standardbrief International: 1,10 € (bis 20g)
- Kompaktbrief International: 1,70 € (bis 50g)
- Großbrief International: 3,70 € (bis 500g)
Besonders der Großbrief International ist für den Versand von Dokumenten ins Ausland attraktiv. Aber Vorsicht beim Warenversand! Seit einigen Jahren dürfen im internationalen Briefversand keine Waren mehr enthalten sein. Wer Socken an die Tante in Amerika schicken will, darf keinen Großbrief mehr nutzen, sondern muss das Produkt „Päckchen International XS“ oder die „Warenpost International“ wählen. Verstöße führen fast immer zur Rücksendung durch den Zoll.
Warum wird das Porto eigentlich immer teurer?
Manch einer ärgert sich über die regelmäßigen Preiserhöhungen. Um die Kostenstruktur zu verstehen, muss man die Logistik betrachten. Die Post hat einen gesetzlichen Auftrag: Sie muss an 6 Tagen die Woche jeden Haushalt in Deutschland erreichen – von der Münchner Innenstadt bis zur Hallig in der Nordsee.
Gleichzeitig sinkt die Menge der Briefe drastisch, da Rechnungen und Kommunikation per E-Mail laufen. Die Fixkosten (Zusteller, Fahrzeuge, Sortierzentren) bleiben jedoch hoch oder steigen durch Lohnkosten und Energiepreise. Da weniger Briefe die gleichen Fixkosten decken müssen, steigt der Stückpreis. Die Bundesnetzagentur reguliert diese Preise, um eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit für die Post und Bezahlbarkeit für den Bürger zu finden. Es ist davon auszugehen, dass die Preise in den kommenden Jahren weiter moderat steigen werden.
Praktische Spartipps für den Alltag
Auch wenn es nur um Cent-Beträge geht – übers Jahr summiert sich das. Hier sind Strategien, um die Portokasse zu schonen:
- Papiergewicht beachten: Nutzen Sie für normale Korrespondenz 80g-Papier statt 100g oder 120g. Der Unterschied in der Haptik ist spürbar, aber für Behördenpost irrelevant. Es kann den Unterschied zwischen 0,85 € und 1,00 € ausmachen.
- Falten statt flach versenden: Ein A4-Blatt muss nicht im A4-Umschlag (Großbrief 1,60 €) verschickt werden. Zweimal gefaltet passt es in einen DIN-lang-Umschlag (Standardbrief 0,85 €). Sie sparen fast 50%.
- Büchersendung (BüWa) nutzen: Für den Versand von Büchern und kleinen Waren bis 500g oder 1000g gibt es die „Bücher- und Warensendung“. Sie ist mit 2,25 € bzw. 2,55 € oft günstiger als der Maxibrief, dauert aber deutlich länger (bis zu 4 Werktage).
- Briefmarken-Restbestände nutzen: Alte Briefmarken (sofern sie noch auf Euro lauten) verfallen nicht. Sie können diese bunt kombinieren („stückeln“), um auf den aktuellen Wert zu kommen. Eine 80-Cent Marke und eine 5-Cent Marke sind völlig legitim.
Fazit: Wissen schützt vor Überraschungen
Die Frage „Wie viel kostet ein Brief?“ ist komplexer, als sie zunächst scheint. Doch wer die grundlegenden Grenzen von 20 Gramm (Standard) und 50 Gramm (Kompakt) kennt und die Maße grob im Blick hat, navigiert sicher durch den Tarifdschungel. Nutzen Sie digitale Hilfsmittel wie die App der Post, um Wiegefehler zu vermeiden, und überlegen Sie bei jedem Versand, wie schnell und sicher er sein muss. Oft reicht der Standardversand völlig aus, manchmal ist das Einschreiben die Investition in den ruhigen Schlaf wert.
In einer Welt voller flüchtiger E-Mails behält der Brief seinen Wert – nicht nur monetär, sondern auch emotional. Wenn Sie das nächste Mal einen Brief frankieren, wissen Sie nun genau, wofür Sie bezahlen und wie Sie sicherstellen, dass Ihre Botschaft auch wirklich ankommt.
