Der Sonntag. Für die einen ist er der heilige Gral der Erholung, ein Tag, an dem die Uhren langsamer ticken und der Pyjama bis zum Nachmittag die offizielle Arbeitskleidung bleibt. Für andere ist er eine gähnende Leere zwischen dem aufregenden Samstagabend und dem drohenden Montagmorgen. Die Geschäfte sind zu, die Stadt wirkt wie ausgestorben, und plötzlich stellt sich die große, raumfüllende Frage: Was kann man sonntags machen?
Diese Frage ist mehr als nur ein Ruf nach Beschäftigung. Es ist die Suche nach Qualität, nach Sinn oder einfach nur nach Spaß in einer Welt, die für 24 Stunden den Pause-Knopf drückt. In diesem Artikel brechen wir aus dem Standard-Trott aus. Vergessen Sie die üblichen Ratschläge, die Sie schon tausendmal gehört haben. Wir tauchen tief ein in Möglichkeiten, die Ihren Sonntag vom langweiligsten Tag der Woche zum absoluten Highlight machen – egal ob Sie Single sind, eine Familie haben, das Budget knapp ist oder es draußen stürmt und schneit.
Der Psychologie des Sonntags ein Schnippchen schlagen
Bevor wir uns in die Aktivitäten stürzen, lohnt ein kurzer Blick darauf, warum wir uns sonntags oft so rastlos fühlen. Phänomene wie die „Sunday Scaries“ (die Angst vor dem Montag) sind real. Oft versuchen wir, den Tag zwanghaft zu nutzen, weil wir wissen, dass die Freizeit bald vorbei ist. Der erste Schritt zu einem perfekten Sonntag ist also die Akzeptanz: Es ist okay, nichts zu tun. Aber wenn das „Nichts“ zur Langeweile wird, dann greifen unsere Strategien.
Entdeckergeist vor der Haustür: Outdoor-Aktivitäten mal anders
Spazieren gehen ist der Klassiker. Aber Hand aufs Herz: Immer nur die gleiche Runde im Stadtpark zu drehen, lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Wenn Sie sich fragen, was man sonntags machen kann, um frische Luft zu schnappen, ohne vor Langeweile einzuschlafen, probieren Sie Folgendes:
Microadventures: Das kleine Abenteuer zwischendurch
Der britische Abenteurer Alastair Humphreys hat den Begriff geprägt. Ein Mikroabenteuer muss drei Kriterien erfüllen: Es ist kurz, lokal und kostet fast nichts. Wie wäre es, wenn Sie den Bus nehmen, an einer Endhaltestelle aussteigen, an der Sie noch nie waren, und von dort aus zu Fuß nach Hause navigieren – ohne Google Maps? Oder Sie kochen Ihren Kaffee nicht in der Küche, sondern packen den Campingkocher ein und frühstücken im nächstgelegenen Waldstück. Der Tapetenwechsel beginnt im Kopf.
Urban Exploring und Fotografie-Safaris

Selbst in der eigenen Stadt gibt es Ecken, die man noch nie gesehen hat. Nutzen Sie den Sonntag für eine Fotografie-Safari. Setzen Sie sich ein Thema, zum Beispiel „Rote Türen“, „Vergessene Schilder“ oder „Streetart“. Das schärft den Blick für Details. Suchen Sie nach „Lost Places“ in Ihrer Umgebung (bitte immer legal bleiben!). Alte Fabrikgelände oder stillgelegte Bahngleise haben an sonntigen Nachmittagen eine ganz eigene, melancholische Ästhetik.
Geocaching: Die moderne Schatzsuche
Wenn Spazierengehen zu langweilig ist, braucht es ein Ziel. Geocaching verwandelt den Wald oder die Innenstadt in ein riesiges Spielfeld. Alles, was Sie brauchen, ist ein Smartphone und eine kostenlose App. Es ist faszinierend zu sehen, wie viele kleine „Schätze“ an Orten versteckt sind, an denen Sie täglich achtlos vorbeilaufen. Besonders für Familien ist das die ultimative Antwort auf quengelnde Kinder, die nicht wandern wollen.
Kreativität und Produktivität: Das Zuhause neu erfinden
Das Wetter spielt nicht mit? Perfekt. Regentage sind Einladungen des Universums, sich drinnen einzuegeln. Doch statt stundenlang durch Social Media zu scrollen, können wir den Fokus nach innen richten.
Food-Prepping deluxe: Die Woche retten
Kochen unter der Woche ist oft Stress. Kochen am Sonntag kann Meditation sein. Nutzen Sie die Zeit, um aufwendige Gerichte vorzubereiten, die lange köcheln müssen. Ein Ragout, das vier Stunden auf dem Herd steht, erfüllt die Wohnung mit einem Duft, der Geborgenheit schreit. Oder backen Sie Brot. Sauerteig braucht Zeit und Geduld – genau das, was der Sonntag bietet. Wenn Sie dann noch drei Portionen für den Montag und Dienstag vorkochen, starten Sie entspannter in die neue Woche.
Die Wohnung kuratieren statt nur putzen
Putzen ist Arbeit. „Kuratieren“ ist Design. Was kann man sonntags machen, um sich in den eigenen vier Wänden wohler zu fühlen? Stellen Sie Möbel um. Tauschen Sie die Bilder an den Wänden aus. Sortieren Sie das Bücherregal nach Farben (ein kontroverser, aber optisch beruhigender Trend). Nehmen Sie sich eine einzige Schublade vor – die berüchtigte Kramschublade – und bringen Sie Ordnung hinein. Das Gefühl der Kontrolle über das kleine Chaos gibt einen enormen psychologischen Boost.
Upcycling und DIY-Projekte
Fast jeder hat alte Kleidung, die nicht mehr passt, oder Möbelstücke, die „irgendwie“ nicht mehr schön sind. Sonntag ist Upcycling-Tag. Aus alten T-Shirts lässt sich Makramee-Garn schneiden, aus leeren Einmachgläsern werden stylische Gewürzbehälter. Das Internet ist voll von Tutorials. Der Stolz, am Abend etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben, ist durch keinen Netflix-Marathon zu ersetzen.
Kultur und Bildung: Den Geist füttern
Der Sonntag ist traditionell der Tag der Museen, aber oft vergessen wir das. Viele städtische Museen bieten sonntags reduzierten oder sogar freien Eintritt an. Doch Kultur geht auch anders.
Der private Film-Club
Filme schauen tun wir alle. Aber machen Sie ein Event daraus. Wählen Sie ein Genre oder einen Regisseur (z.B. „Wes Anderson Sonntag“ oder „Die frühen 80er“) und schauen Sie zwei Filme bewusst. Danach wird darüber diskutiert – auch wenn Sie nur mit Ihrem Partner oder der Katze auf dem Sofa sitzen. Recherchieren Sie Hintergrundinfos, Trivia und Produktionsdetails. Das verwandelt passiven Konsum in aktive Auseinandersetzung.
Eine neue Fähigkeit lernen (Crashkurs-Methode)
Nehmen Sie sich vor, an einem einzigen Sonntag die Grundlagen einer neuen Fähigkeit zu erlernen. Jonglieren? In drei Stunden machbar. Die Grundlagen von Python-Programmierung? Ein Sonntag reicht für das erste „Hello World“. Einen Schal stricken? Mit dicker Wolle an einem Nachmittag erledigt. Das Ziel ist nicht Meisterschaft, sondern das Durchbrechen der Routine und das Aktivieren neuer Gehirnareale.
Podcasts und Hörbücher beim „Deep Cleaning“
Verbinden Sie das Nützliche mit dem Angenehmen. Wenn Sie sich fragen, was man sonntags machen kann, um sich intellektuell berieseln zu lassen, während die Hände beschäftigt sind: Starten Sie einen langen, investigativen Podcast oder ein Hörbuch. Während Sie den Kleiderschrank ausmisten oder die Fenster putzen, tauchen Sie in eine völlig andere Welt ein. Zeitmanagement-Gurus nennen das „Temtation Bundling“ – eine Aufgabe, die man machen muss, mit einer verbinden, die man machen will.
Soziales: Verbindungen stärken
In unserer hektischen Welt kommen Freundschaften oft zu kurz. Der Sonntag ist der ideale Tag für „Low-Key Socializing“.
Der Reste-Brunch
Laden Sie Freunde ein, aber mit einer Regel: Niemand darf extra einkaufen gehen. Jeder bringt das mit, was der Kühlschrank noch hergibt. Das Ergebnis ist oft ein wildes, aber extrem lustiges Buffet aus Käseresten, Oliven, selbstgebackenen Keksen und Obst. Es nimmt den Druck, der perfekte Gastgeber sein zu müssen, und stellt das Miteinander in den Vordergrund.
Analoge Kommunikation wiederbeleben
Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief geschrieben? Keine E-Mail, keine WhatsApp. Einen echten Brief auf Papier. Setzen Sie sich hin und schreiben Sie jemandem, der Ihnen wichtig ist. Oder kaufen Sie einen Stapel Postkarten und verschicken Sie einfach mal so Grüße. Das Schreiben per Hand verlangsamt die Gedanken und ist eine wunderbare Achtsamkeitsübung.
Brettspiel-Marathon
Holen Sie die Klassiker aus dem Schrank oder laden Sie Freunde ein, um komplexe Strategiespiele zu spielen, für die unter der Woche die Zeit fehlt. Ein Spiel wie „Die Siedler von Catan“, „Risiko“ oder moderne Dungeon-Crawler können locker vier bis fünf Stunden füllen. Dazu Tee, Snacks und gute Musik – und der Regen draußen ist vergessen.
Wellness und Self-Care: Den Akku aufladen
„Self-Care“ ist ein Modewort, aber der Kern ist wichtig. Was kann man sonntags machen, um körperlich und geistig wirklich runterzufahren?
Home-Spa statt teurem Wellness-Hotel
Verwandeln Sie Ihr Badezimmer in ein Spa. Das klingt klischeehaft, aber die Ausführung macht den Unterschied. Kerzen sind Pflicht. Legen Sie das Handy in einen anderen Raum (ganz wichtig!). Machen Sie ein Peeling aus Kaffeesatz und Olivenöl. Nutzen Sie die Haarmaske, die 20 Minuten einwirken muss. Es geht darum, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu pflegen, statt ihn nur als Werkzeug zu benutzen.
Digital Detox light
Versuchen Sie ein Experiment: Der Sonntag ist flugmodus-Zeit. Oder zumindest die Zeit von 10 bis 18 Uhr. Keine Nachrichten, keine E-Mails, kein Social Media. Die erste Stunde wird sich seltsam anfühlen, fast wie Entzug. Aber danach stellt sich eine Ruhe ein, die Sie vermutlich seit Jahren nicht mehr gespürt haben. Ihre Aufmerksamkeit gehört wieder Ihnen, nicht dem Algorithmus.
Yoga und Meditation
Es muss nicht gleich der Kopfstand sein. Nutzen Sie den Sonntag für eine lange Yin-Yoga-Session, bei der man minutenlang in Dehnungen verweilt. Das löst tiefsitzende Spannungen in den Faszien. Apps oder YouTube-Videos bieten hierfür hervorragende Anleitungen für jedes Level.
Für Familien: Den Sonntag retten
Eltern kennen das Problem: Die Kinder haben Energie, draußen regnet es und der Fernseher soll nicht den ganzen Tag laufen.
- Die Höhle bauen: Nutzen Sie alle Decken, Kissen und Stühle im Wohnzimmer, um eine riesige Festung zu bauen. Darin wird dann gepicknickt.
- Indoor-Parcours: „Der Boden ist Lava“. Bauen Sie einen Hindernisparcours, bei dem die Kinder klettern, springen und balancieren müssen, ohne den Teppich zu berühren.
- Wissenschafts-Sonntag: Machen Sie einfache Experimente. Ein Vulkan aus Backpulver und Essig oder eine Lavalampe aus Öl, Wasser und Lebensmittelfarbe. Das fasziniert und lehrt zugleich.
Planung und Reflexion: Der strategische Sonntag
Für die Karrierebewussten und Struktur-Liebhaber ist der Sonntag der Tag der Weichenstellung.
Das Wochen-Review
Nehmen Sie sich 30 Minuten Zeit. Was lief letzte Woche gut? Was nicht? Was sind die drei wichtigsten Ziele für die kommende Woche? Wer seinen Kalender sonntags im Griff hat, startet am Montag proaktiv statt reaktiv. Das reduziert das Stresslevel am Montagmorgen erheblich.
Finanz-Check
Ein Thema, das wir gerne verdrängen. Nutzen Sie die Ruhe, um Ihre Finanzen zu ordnen. Abos kündigen, die Sie nicht nutzen? Budgets für den nächsten Monat festlegen? Versicherungen vergleichen? Das sind Aufgaben, die Konzentration erfordern – und der Sonntag bietet sie.
Fazit: Der Sonntag ist, was Sie daraus machen
Die Antwort auf die Frage „Was kann man sonntags machen?“ ist so vielfältig wie das Leben selbst. Das Wichtigste ist, aus der Passivität herauszutreten. Warten Sie nicht darauf, dass der Tag vorbei ist. Ob Sie nun einen Marathon laufen, einen Roman schreiben, den Keller entrümpeln oder einfach nur fünf Stunden lang Löcher in die Luft starren und dabei glücklich sind – alles ist erlaubt, solange es sich für Sie richtig anfühlt.
Der Sonntag ist ein Geschenk: 24 Stunden ohne Verpflichtungen der Außenwelt (zumindest meistens). Sehen Sie ihn als leere Leinwand. Nächsten Sonntag, wenn Sie aufwachen, fragen Sie sich nicht: „Was muss ich tun?“, sondern „Worauf habe ich heute wirklich Lust?“. Und dann tun Sie genau das.
Also, Laptop zu, Handy weg oder Laufschuhe an – Ihr perfekter Sonntag wartet schon.
