Welcher Feiertag ist heute? Der große Kalender-Check für Ihr Bundesland

Es ist eine der am häufigsten gestellten Fragen am frühen Morgen, besonders wenn der Wecker nicht klingelt oder die Straßen ungewöhnlich leer sind: „Was für ein Feiertag ist heute?“ In Deutschland ist die Antwort darauf jedoch alles andere als simpel. Was in Bayern für geschlossene Läden und freie Zeit sorgt, kann in Hamburg ein ganz normaler Arbeitstag sein. Die deutsche Feiertagslandschaft ist ein komplexes Flickenteppich aus religiösen Traditionen, historischem Erbe und föderaler Gesetzgebung. Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel des Kalender-Wirrwarrs und erklärt nicht nur, wann Sie frei haben, sondern auch, was wir eigentlich feiern – von den hohen kirchlichen Festen bis hin zu den kuriosen Aktionstagen des Internets.

Das deutsche Phänomen: Warum heute hier Feiertag ist und dort nicht

Um zu verstehen, ob „heute“ ein Feiertag ist, muss man zunächst das deutsche System des Föderalismus begreifen. Im Gegensatz zu vielen zentralistisch organisierten Ländern liegt die Kompetenz zur Festlegung von Feiertagen in der Bundesrepublik grundsätzlich bei den einzelnen Bundesländern. Es gibt faktisch nur eine einzige Ausnahme: Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Dieser wurde durch den Einigungsvertrag als staatlicher Feiertag für das gesamte Land festgelegt.

Alle anderen Tage – seien es Neujahr, Karfreitag oder Weihnachten – sind streng genommen Landesgesetze. Zwar haben sich die Länder auf neun einheitliche Feiertage geeinigt, doch darüber hinaus herrscht eine große Vielfalt. Der Süden, traditionell katholisch geprägt, genießt oft mehr freie Tage als der protestantische Norden. Spitzenreiter ist dabei die bayerische Stadt Augsburg, die durch das „Hohe Friedensfest“ sogar einen eigenen, stadtweiten gesetzlichen Feiertag besitzt und damit die meisten arbeitsfreien Tage in ganz Deutschland aufweist.

Welcher Feiertag ist heute? Der große Kalender-Check für Ihr Bundesland

Die neun „Unantastbaren“: Diese Feiertage gelten bundesweit

Bevor wir in die Tiefen der regionalen Besonderheiten eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die Tage, an denen ganz Deutschland stillsteht. Wenn das heutige Datum auf einen dieser Tage fällt, können Sie sicher sein: Die Geschäfte sind zu, die Büros leer und die Schulen geschlossen.

  • Neujahr (1. Januar): Der Startschuss ins neue Jahr wird überall gefeiert.
  • Karfreitag: Einer der höchsten christlichen Feiertage, zwei Tage vor Ostern. Er ist ein sogenannter „stiller Feiertag“ (dazu später mehr).
  • Ostermontag: Der Tag nach dem Ostersonntag ist bundesweit arbeitsfrei.
  • Tag der Arbeit (1. Mai): Der Kampftag der Arbeiterbewegung ist längst zum Tag für Ausflüge und Maikundgebungen geworden.
  • Christi Himmelfahrt: Immer an einem Donnerstag, genau 39 Tage nach Ostersonntag. In der profanen Welt besser bekannt als „Vatertag“ oder „Männertag“.
  • Pfingstmontag: 50 Tage nach Ostern endet die Osterzeit mit dem Pfingstfest.
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober): Der Nationalfeiertag.
  • Erster Weihnachtsfeiertag (25. Dezember): Die Geburt Christi.
  • Zweiter Weihnachtsfeiertag (26. Dezember): Auch der Stephanstag wird bundesweit begangen.

Fällt das heutige Datum nicht auf einen dieser Tage, müssen Sie genauer auf Ihr Bundesland schauen. Hier beginnt oft die Verwirrung, die viele Menschen dazu bringt, schnell die Suchmaschine zu befragen.

Der Nord-Süd-Konflikt der freien Tage

Wohnen Sie in Baden-Württemberg, Bayern oder Sachsen-Anhalt? Dann haben Sie am 6. Januar (Heilige Drei Könige) Glück gehabt. In den anderen Bundesländern mussten die Menschen an diesem Tag arbeiten, während im Süden die Sternsinger von Tür zu Tür zogen.

Noch deutlicher wird die Diskrepanz im Spätjahr. Der Fronleichnamstag (immer ein Donnerstag, 60 Tage nach Ostern) ist ein klassisches Beispiel für den „Feiertagsneid“. Während Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie Baden-Württemberg, Bayern und Teile Sachsens und Thüringens die Sonne genießen oder ein verlängertes Wochenende planen, ist im Rest der Republik ein regulärer Arbeitstag.

Ein ähnliches Spiel erleben wir im Herbst:

  • Reformationstag (31. Oktober): Dieser Tag war lange Zeit nur in den „neuen“ Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) ein Feiertag. Mittlerweile haben norddeutsche Länder wie Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein nachgezogen, um das Ungleichgewicht zum Süden etwas auszugleichen.
  • Allerheiligen (1. November): Direkt einen Tag später dreht sich der Spieß um. Nun haben die fünf überwiegend katholischen Länder im Süden und Westen (BW, Bayern, NRW, RLP, Saarland) frei, während der Norden und Osten wieder arbeitet.

Wenn Sie sich also heute fragen „Ist heute Feiertag?“, ist die Antwort oft: „Kommt darauf an, wo Ihr Schreibtisch steht.“

Berlin und der Frauentag: Ein neuer Weg

Lange Zeit galt Berlin als das Schlusslicht bei der Anzahl der Feiertage. Um dies zu ändern, führte die Hauptstadt 2019 als erstes und bisher einziges Bundesland (inzwischen gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern) den Internationalen Frauentag am 8. März als gesetzlichen Feiertag ein. Dies ist ein interessantes politisches Signal und zeigt, dass Feiertage nicht statisch sind, sondern gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln. Wenn heute der 8. März ist und Sie in Berlin wohnen: Herzlichen Glückwunsch zum freien Tag!

Achtung: Stille Tage und Tanzverbot

Ein Aspekt, der bei der Frage nach dem heutigen Feiertag oft vergessen wird, ist der Charakter des Tages. Nicht jeder Feiertag ist eine Party. In Deutschland gibt es die sogenannten „Stillen Tage“. Dazu gehören unter anderem der Karfreitag, Allerheiligen, der Volkstrauertag, der Totensonntag und in manchen Regionen auch Heiligabend ab 14 Uhr.

An diesen Tagen gilt in vielen Bundesländern ein Tanzverbot. Das bedeutet: Clubs bleiben geschlossen oder müssen die Musik drosseln, öffentliche Sportveranstaltungen sind untersagt und der Betrieb von Spielhallen ist verboten. Wer also heute plant, die Nacht zum Tag zu machen, sollte kurz prüfen, ob ein stiller Feiertag im Kalender steht. Besonders der Karfreitag wird hier sehr streng ausgelegt; selbst das Vorführen bestimmter Filme (wie „Das Leben des Brian“) ist an diesem Tag im öffentlichen Kino nicht gestattet.

Kurioses und Aktionstage: Was heute sonst noch gefeiert wird

Oft suchen Menschen nach „Welcher Feiertag ist heute“, nicht weil sie auf einen freien Tag hoffen, sondern weil sie im Radio oder in sozialen Medien von einem skurrilen Gedenktag gehört haben. Neben den gesetzlichen Feiertagen gibt es tausende inoffizielle Aktionstage („Observances“), die meist aus den USA zu uns herüberschwappen oder von Verbänden initiiert wurden.

Ist heute vielleicht der Tag der Jogginghose (21. Januar)? Oder der Welt-Pizza-Tag (9. Februar)? Diese Tage haben keine arbeitsrechtliche Relevanz – Sie müssen also trotzdem ins Büro –, aber sie prägen zunehmend unseren Alltag und das Marketing von Unternehmen. Sie bieten Anlass für kleine Rituale oder lustige Social-Media-Posts.

Einige dieser Tage haben jedoch einen ernsten Hintergrund. Der Weltkrebstag oder der Tag der Umwelt sind wichtige Mahner im Kalender, die Aufmerksamkeit auf globale Probleme lenken wollen. Wenn Sie sich also fragen, was heute gefeiert wird, lohnt sich oft ein zweiter Blick: Handelt es sich um Tradition, Religion oder modernes Bewusstsein?

Der mobile Kalender: Warum Ostern jedes Jahr wandert

Viele Feiertage sind fix an ein Datum gebunden (Weihnachten, Tag der Arbeit). Die größte Verwirrung stiften jedoch die beweglichen Feiertage, die alle vom Osterdatum abhängen. Da Ostern sich nach dem Mondkalender richtet (der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond), verschiebt sich ein ganzer Rattenschwanz an Feiertagen mit.

Ist Ostern früh, sind auch Himmelfahrt und Pfingsten früh. Dies kann dazu führen, dass Himmelfahrt schon auf Ende April fällt oder erst in den Juni rutscht. Für die Urlaubsplanung ist das entscheidend. Ein kleiner Tipp zur Berechnung für Neugierige: Die Gaußsche Osterformel ist zwar komplex, aber im digitalen Zeitalter reicht meist der Blick auf eine Kalender-App. Wichtig zu wissen ist nur: Fast alle christlichen Feiertage im Frühjahr haben kein festes Datum, sondern „atmen“ mit dem Mond.

Brückentage: Die Kunst der Urlaubsmaximierung

Die Frage „Ist heute Feiertag?“ wird oft gefolgt von der Überlegung: „Wie kann ich das Beste daraus machen?“ Hier kommen die berühmten Brückentage ins Spiel. Da viele deutsche Feiertage auf Wochentage fallen (Christi Himmelfahrt ist immer ein Donnerstag), bietet sich der Freitag danach als klassischer Brückentag an.

Clevere Arbeitnehmer prüfen den Kalender schon im Januar. Fällt der 1. Mai oder der 3. Oktober auf einen Dienstag oder Donnerstag? Liegen Weihnachten und Neujahr günstig unter der Woche? In manchen Jahren, in denen Feiertage auf das Wochenende fallen („Arbeitgeberjahre“), ist die Trauer groß. In anderen Jahren kann man mit wenigen Urlaubstagen seine freie Zeit mehr als verdoppeln. Besonders beliebt ist die Kombination aus Ostern und dem 1. Mai, wenn diese nah beieinanderliegen.

Schulfrei vs. Arbeitsfrei

Ein weiterer Aspekt der Frage „Was ist heute für ein Tag“ betrifft Eltern. Es gibt Tage, die sind zwar keine gesetzlichen Feiertage für die Allgemeinheit, aber dennoch schulfrei. Dazu gehören die beweglichen Ferientage, die Schulen individuell festlegen können, oft an Brauchtumstagen wie Faschingsdienstag. In Bayern sind die Kinder am Buß- und Bettag zu Hause, während die Eltern (außer in Sachsen) arbeiten müssen – eine logistische Herausforderung für viele Familien. Der Buß- und Bettag ist ein spannendes historisches Relikt: Er wurde 1995 gestrichen, um die Pflegeversicherung zu finanzieren, blieb aber in Sachsen als Feiertag erhalten (dafür zahlen Arbeitnehmer dort einen höheren Pflegebeitrag).

Regionale Spezialitäten und Brauchtum

Manchmal fühlt sich ein Tag wie ein Feiertag an, ohne einer zu sein. Im Rheinland herrscht am Rosenmontag faktisch Ausnahmezustand. Behörden schließen früher, Geschäfte machen zu, und wer nicht kostümiert ist, fällt auf. Gesetzlich ist der Rosenmontag jedoch ein normaler Arbeitstag. Die Freizeit beruht hier auf betrieblichen Übungen oder dem Abfeiern von Überstunden. Ähnliches gilt für lokale Stadtfeste oder Kirmes-Montage in ländlichen Regionen.

Es lohnt sich also immer, den lokalen Kontext zu prüfen. Wenn Sie heute in Köln sind und sich wundern, warum „nichts geht“, muss das nicht im Bundesgesetzblatt stehen – es reicht, wenn der „Zoch kütt“ (der Karnevalszug kommt).

Fazit: Der Kalender als Spiegel der Kultur

Die Frage „Was für ein Feiertag ist heute?“ ist mehr als nur die Suche nach Freizeit. Sie ist ein Spiegelbild der deutschen Kulturgeschichte. Die Zerrissenheit zwischen katholischem Süden und protestantischem Norden, die Spuren der DDR-Geschichte (die den Weltfrauentag stärker betonte), die föderale Struktur und der Einfluss moderner Popkultur (Halloween, Valentinstag) machen den deutschen Kalender einzigartig.

Ob Sie nun heute frei haben oder nicht: Nutzen Sie das Wissen um den Tag. Vielleicht ist es ein Tag der Stille, ein Tag des Feierns oder einfach ein Tag, an dem man sich bewusst macht, warum wir bestimmte Traditionen pflegen. Und falls heute tatsächlich ein ganz normaler Werktag ist – trösten Sie sich: Der nächste Feiertag oder zumindest der nächste Brückentag kommt bestimmt. In einem Land mit so vielen regionalen Unterschieden gibt es immer irgendwo einen Grund zu feiern.

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