Wie oft finden die Olympischen Spiele statt? Ein umfassender Blick auf den Rhythmus des größten Sportereignisses der Welt

Die Olympischen Spiele – ein Name, der auf der ganzen Welt Herzen höherschlagen lässt, Bilder von sportlichen Höchstleistungen, emotionalen Momenten und globaler Einheit hervorruft. Doch so präsent die Spiele auch in unserem kollektiven Bewusstsein sind, eine scheinbar einfache Frage sorgt immer wieder für Gesprächsstoff: Wie oft ist eigentlich Olympiade? Die Antwort ist auf den ersten Blick simpel, doch dahinter verbirgt sich eine faszinierende Geschichte von Tradition, Anpassung und einem Rhythmus, der die Sportwelt seit über einem Jahrhundert prägt.

Der Kern des Ganzen: Der Vierjahreszyklus

Ganz grundsätzlich gilt: Sowohl die Olympischen Sommerspiele als auch die Olympischen Winterspiele finden jeweils alle vier Jahre statt. Dieser Vierjahreszeitraum wird als „Olympiade“ bezeichnet. Eine Olympiade ist also nicht das Ereignis selbst, sondern der Zeitraum von vier aufeinanderfolgenden Jahren, beginnend am 1. Januar des ersten Jahres und endend am 31. Dezember des vierten Jahres. Die Spiele selbst sind dann die „Spiele der X-ten Olympiade“.

Dieser Rhythmus hat tiefe historische Wurzeln, die bis in die Antike zurückreichen. Schon die Olympischen Spiele der Antike, die ab 776 v. Chr. in Olympia in Griechenland stattfanden, wurden alle vier Jahre abgehalten. Dieser Zyklus war so etabliert, dass die alten Griechen die Olympiaden sogar zur Zeitrechnung nutzten. Als Baron Pierre de Coubertin die modernen Olympischen Spiele Ende des 19. Jahrhunderts wiederbelebte, griff er diese Tradition auf. Die ersten modernen Olympischen Spiele fanden 1896 in Athen statt und begründeten den Vierjahreszyklus von Neuem.

Sommer und Winter: Getrennt und doch verbunden

Ursprünglich wurden die Olympischen Winterspiele, die 1924 in Chamonix, Frankreich, Premiere feierten, im selben Jahr wie die Sommerspiele ausgetragen. Das bedeutete für Sportfans ein geballtes Olympiajahr, gefolgt von drei Jahren Wartezeit. Doch diese Praxis änderte sich.

Wie oft finden die Olympischen Spiele statt? Ein umfassender Blick auf den Rhythmus des größten Sportereignisses der Welt

Um den Winterspielen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und das olympische Programm gleichmäßiger über den Vierjahreszeitraum zu verteilen, beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Jahr 1986 eine entscheidende Änderung. Beginnend mit den XVII. Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer, Norwegen, werden die Winterspiele nun im zweijährigen Versatz zu den Sommerspielen ausgetragen. Die letzten Winter- und Sommerspiele, die im selben Jahr stattfanden, waren Albertville (Winter) und Barcelona (Sommer) im Jahr 1992.

Diese Entzerrung hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Sie bedeutet, dass Sportbegeisterte nun alle zwei Jahre ein olympisches Großereignis erleben können – einmal Sommer, einmal Winter. Zum Beispiel fanden die Sommerspiele 2020 (verschoben auf 2021) in Tokio statt, gefolgt von den Winterspielen 2022 in Peking. Die nächsten Sommerspiele sind 2024 in Paris, und die nächsten Winterspiele folgen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Dieser Rhythmus sieht also wie folgt aus:

  • Olympische Sommerspiele: … 2016 (Rio), 2020 (Tokio), 2024 (Paris), 2028 (Los Angeles), 2032 (Brisbane) …
  • Olympische Winterspiele: … 2018 (Pyeongchang), 2022 (Peking), 2026 (Mailand-Cortina), 2030 (voraussichtlich französische Alpen), 2034 (voraussichtlich Salt Lake City) …

Somit gibt es alle zwei Jahre olympisches Fieber, abwechselnd mit den Sommer- und Winterspielen.

Die Zählung der Olympiaden: Eine Besonderheit

Ein interessantes Detail ist, wie die Olympiaden gezählt werden. Eine Olympiade bezeichnet, wie erwähnt, einen Zeitraum von vier Jahren. Die Zählung der Olympiaden der Neuzeit begann mit den ersten Spielen 1896 in Athen, die als die Spiele der I. Olympiade gelten. Selbst wenn Spiele ausfallen – was in der Geschichte leider mehrmals der Fall war – wird die Zählung der Olympiaden fortgesetzt.

So wurden beispielsweise die für 1916 in Berlin geplanten Spiele (VI. Olympiade) aufgrund des Ersten Weltkriegs abgesagt. Ebenso fielen die Sommerspiele 1940 (XII. Olympiade, geplant für Tokio, dann Helsinki) und 1944 (XIII. Olympiade, geplant für London) sowie die Winterspiele 1940 und 1944 wegen des Zweiten Weltkriegs aus. Dennoch wurden diese Olympiaden in der offiziellen Zählung nicht übersprungen. Die Spiele in London 1948 waren daher die Spiele der XIV. Olympiade, nicht der XI. Diese Praxis unterstreicht, dass die Olympiade als Zeitabschnitt das primäre Konzept ist und die Spiele die Feier innerhalb dieses Zeitraums darstellen.

Ausnahmen und Verschiebungen: Wenn der Rhythmus stockt

Die Geschichte der Olympischen Spiele ist nicht ohne ihre Unregelmäßigkeiten. Die bereits erwähnten kriegsbedingten Ausfälle sind die drastischsten Beispiele. Aber es gab auch andere bemerkenswerte Abweichungen vom gewohnten Takt.

Eine interessante Episode sind die sogenannten „Intercalated Games“ (Zwischenspiele), die 1906 in Athen stattfanden. Diese Spiele wurden außerhalb des regulären Vierjahreszyklus abgehalten, um das Interesse an den Olympischen Spielen wiederzubeleben, das nach den als weniger erfolgreich empfundenen Spielen von Paris (1900) und St. Louis (1904) etwas nachgelassen hatte. Obwohl diese Spiele damals sehr erfolgreich waren und als vollwertige Olympische Spiele betrachtet wurden, erkennt das IOC sie heute nicht als offizielle Olympische Spiele an und ihre Medaillen werden nicht in die offizielle Statistik einbezogen. Sie bleiben eine faszinierende Fußnote in der olympischen Geschichte.

Die jüngste und wohl allen noch präsente Störung des Rhythmus war die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele von Tokio. Ursprünglich für den Sommer 2020 geplant, mussten sie aufgrund der weltweiten COVID-19-Pandemie um ein Jahr auf den Sommer 2021 verlegt werden. Wichtig hierbei ist: Obwohl sie 2021 stattfanden, behielten sie offiziell den Namen „Tokio 2020“ und wurden weiterhin als die „Spiele der XXXII. Olympiade“ geführt. Die Olympiade selbst – der Zeitraum von 2020 bis 2023 – blieb bestehen. Diese Verschiebung hatte keine Auswirkungen auf den geplanten Termin der darauffolgenden Spiele in Paris 2024, die planmäßig die Spiele der XXXIII. Olympiade sein werden. Dies zeigt die Flexibilität, aber auch das Festhalten an den Grundprinzipien des olympischen Zyklus.

Mehr als nur Sommer und Winter: Die Olympische Familie wächst

Neben den „großen“ Olympischen Sommer- und Winterspielen gibt es weitere Veranstaltungen, die zur olympischen Familie gehören und ihren eigenen Rhythmus haben:

  • Paralympische Spiele: Seit 1960 (Sommer) bzw. 1976 (Winter) finden im Anschluss an die Olympischen Spiele die Paralympischen Spiele statt, an denen Athletinnen und Athleten mit körperlichen Behinderungen teilnehmen. Sie werden in derselben Gastgeberstadt und an denselben Wettkampfstätten ausgetragen und folgen ebenfalls dem Vierjahreszyklus der Olympischen Sommer- bzw. Winterspiele. Die enge Verknüpfung unterstreicht den inklusiven Geist der olympischen Bewegung.
  • Olympische Jugendspiele (Youth Olympic Games, YOG): Um auch jüngeren Athletinnen und Athleten (im Alter von 15 bis 18 Jahren) eine olympische Bühne zu bieten, wurden die Olympischen Jugendspiele ins Leben gerufen. Die ersten Sommer-Jugendspiele fanden 2010 in Singapur statt, die ersten Winter-Jugendspiele 2012 in Innsbruck. Auch sie folgen einem Vierjahreszyklus, wobei die Sommer- und Winterausgaben so gestaffelt sind, dass sie in die Jahre fallen, in denen keine „großen“ Olympischen Spiele stattfinden. So gab es beispielsweise Sommer-YOG 2018 (Buenos Aires) und Winter-YOG 2020 (Lausanne), die nächsten Winter-YOG sind 2024 in Gangwon (Südkorea) und die nächsten Sommer-YOG 2026 in Dakar.

Warum gerade vier Jahre? Die Gründe für den Zyklus

Der Vierjahresrhythmus der Olympischen Spiele ist nicht willkürlich gewählt, sondern hat mehrere triftige Gründe:

  • Tradition: Wie bereits erwähnt, ist es eine direkte Übernahme aus der Antike, die den Spielen eine historische Kontinuität und Würde verleiht.
  • Logistische Herausforderung: Die Organisation Olympischer Spiele ist ein gigantisches Unterfangen. Gastgeberstädte benötigen Jahre für die Planung, den Bau oder die Modernisierung von Sportstätten, Infrastruktur (Transport, Unterkünfte) und die Organisation der Sicherheit. Ein kürzerer Zyklus wäre kaum realisierbar.
  • Vorbereitung der Athleten: Sportlerinnen und Sportler trainieren über Jahre hinweg, um bei den Olympischen Spielen ihre Höchstform zu erreichen. Der Vierjahreszyklus gibt ihnen und ihren Trainerteams einen klaren und ausreichend langen Planungs- und Vorbereitungszeitraum. Er ermöglicht es auch, Qualifikationswettkämpfe weltweit sinnvoll zu terminieren.
  • Wahrung von Prestige und Vorfreude: Die relative Seltenheit der Spiele trägt zu ihrer Exklusivität und ihrem besonderen Reiz bei. Die vierjährige Wartezeit steigert die Vorfreude bei Athleten und Zuschauern gleichermaßen und macht jede Austragung zu einem besonderen Ereignis.
  • Kultureller und globaler Aspekt: Die Spiele sind mehr als nur Sport. Sie sind ein globales Treffen der Jugend der Welt. Der Vierjahreszyklus gibt der Weltgemeinschaft regelmäßig die Gelegenheit, zusammenzukommen, kulturellen Austausch zu pflegen und trotz aller Unterschiede ein Gefühl der Einheit zu erleben.

Der Rhythmus des Erfolgs: Ein Blick in die Zukunft

Wird dieser etablierte Rhythmus ewig Bestand haben? Angesichts der tiefen Verwurzelung in Tradition und der praktischen Notwendigkeiten erscheint eine grundlegende Änderung des Vierjahreszyklus für die Hauptspiele unwahrscheinlich. Die Verschiebung von Tokio 2020 hat zwar gezeigt, dass Anpassungen möglich sind, aber der Kernzyklus selbst wurde nicht angetastet.

Die Herausforderungen der Zukunft liegen eher in anderen Bereichen: Nachhaltigkeit, Kostenkontrolle für Gastgeberstädte und die Sicherstellung fairer und sauberer Wettkämpfe. Doch der alle zwei Jahre wiederkehrende Puls – mal Sommer, mal Winter – wird die Sportwelt voraussichtlich noch lange Zeit im Takt halten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die Olympischen Sommerspiele finden alle vier Jahre statt. Die Olympischen Winterspiele finden ebenfalls alle vier Jahre statt. Seit 1994 sind diese beiden Großereignisse um zwei Jahre versetzt, sodass alle zwei Jahre entweder Sommer- oder Winterspiele die Welt in ihren Bann ziehen. Dieser Rhythmus, getragen von Geschichte und praktischen Erwägungen, hat sich bewährt und macht die Olympischen Spiele zu dem, was sie sind: das größte und faszinierendste Sportereignis der Welt, ein wiederkehrendes Fest des Sports und der Völkerverständigung. Es ist ein Zyklus, der Generationen von Athleten inspiriert und Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt verbindet – alle vier Jahre aufs Neue, und doch irgendwie alle zwei.

Die Vorfreude auf Paris 2024 ist bereits spürbar, und kaum werden dort die letzten Medaillen vergeben sein, richten sich die Blicke schon auf Mailand-Cortina 2026. Der olympische Herzschlag geht weiter, zuverlässig und stark.

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