Haben Sie sich jemals gefragt, was diese kleinen Knötchen sind, die manchmal am Hals oder unter den Achseln anschwellen, besonders wenn Sie krank sind? Das sind Lymphknoten, und sie spielen eine unglaublich wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Sie sind wie kleine, aber mächtige Filterstationen unseres Immunsystems, die unermüdlich daran arbeiten, uns vor Krankheitserregern zu schützen. Doch wo genau befinden sich diese Wächter unseres Körpers? Die Antwort ist: fast überall! Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise durch den menschlichen Körper, um die Standorte und die Bedeutung der Lymphknoten besser zu verstehen.
Das Lymphsystem, zu dem die Lymphknoten gehören, ist ein komplexes Netzwerk aus Gefäßen und Organen, das parallel zu unserem Blutkreislauf verläuft. Es transportiert eine klare Flüssigkeit namens Lymphe, die Gewebsflüssigkeit, Abfallprodukte und – ganz wichtig – Immunzellen enthält. Die Lymphknoten sind strategisch entlang dieser Lymphbahnen platziert, um die Lymphe zu filtern, bevor sie wieder in den Blutkreislauf gelangt.
Die Hauptregionen: Wo Lymphknoten gehäuft auftreten
Obwohl Lymphknoten im gesamten Körper verteilt sind, gibt es bestimmte Regionen, in denen sie in größerer Zahl vorkommen. Diese Ansammlungen sind oft tastbar, wenn sie aufgrund einer Infektion oder Entzündung anschwellen. Man schätzt, dass ein erwachsener Mensch zwischen 300 und 700 Lymphknoten besitzt, die meisten davon winzig klein, oft nur wenige Millimeter groß.
1. Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich (Zervikale Lymphknoten und mehr)
Der Kopf- und Halsbereich ist besonders reich an Lymphknoten. Das macht Sinn, denn hier befinden sich viele Eintrittspforten für Krankheitserreger, wie Mund, Nase und Ohren.
- Zervikale Lymphknoten: Diese Gruppe ist wohl die bekannteste. Sie befinden sich entlang der Seiten und der Vorderseite des Halses, aber auch im Nackenbereich. Man unterscheidet oberflächliche zervikale Lymphknoten, die direkt unter der Haut liegen, und tiefe zervikale Lymphknoten, die weiter innen entlang der großen Blutgefäße und Muskeln des Halses zu finden sind. Sie schwellen häufig bei Erkältungen, Rachenentzündungen oder Zahninfektionen an.
- Anteriore zervikale Lymphknoten: Vorne am Hals.
- Posteriore zervikale Lymphknoten: Hinten am Hals, entlang des Musculus trapezius.
- Tiefe zervikale Kette: Eine wichtige Gruppe, die tief im Hals liegt und Lymphe aus vielen Bereichen des Kopfes und Halses sammelt.

- Submandibuläre Lymphknoten: Diese liegen unterhalb des Unterkiefers, etwa auf halber Strecke zwischen Kinn und Kieferwinkel. Sie filtern Lymphe aus der Zunge, den Lippen, der Mundhöhle und den Speicheldrüsen. Eine Zahninfektion oder eine Entzündung im Mund kann hier zu Schwellungen führen.
- Submentale Lymphknoten: Direkt unter der Kinnspitze gelegen. Sie drainieren die mittlere Unterlippe, den Mundboden und die Zungenspitze.
- Präaurikuläre und postaurikuläre Lymphknoten: Wie die Namen schon andeuten, befinden sich die präaurikulären Lymphknoten vor dem Ohr und die postaurikulären (auch mastoide Lymphknoten genannt) hinter dem Ohr, über dem Warzenfortsatz des Schläfenbeins. Sie sind oft bei Ohrenentzündungen oder Infektionen der Kopfhaut in diesem Bereich betroffen.
- Okzipitale Lymphknoten: Am Hinterkopf, an der Schädelbasis, gelegen. Sie sammeln Lymphe von der hinteren Kopfhaut.
- Supraklavikuläre Lymphknoten: Diese befinden sich in der Grube direkt über dem Schlüsselbein. Eine Schwellung in diesem Bereich sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da sie manchmal auf ernstere Erkrankungen im Brust- oder Bauchraum hinweisen kann, da hier Lymphbahnen aus tieferliegenden Körperregionen münden. Die linke supraklavikuläre Grube ist besonders bekannt für den sogenannten Virchow-Lymphknoten, der bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts anschwellen kann.
2. Lymphknoten in den Achselhöhlen (Axilläre Lymphknoten)
Die Achselhöhlen sind eine weitere wichtige Sammelstelle für Lymphknoten. Die axillären Lymphknoten sind in mehrere Gruppen unterteilt und spielen eine entscheidende Rolle bei der Drainage der Arme, der Brustwand und insbesondere der weiblichen Brust.
- Laterale Gruppe: Entlang der Achselvene, empfängt Lymphe hauptsächlich vom Arm.
- Pektorale (anteriore) Gruppe: Entlang des seitlichen Randes des großen Brustmuskels, drainiert vor allem die Brust und die vordere Brustwand.
- Subskapuläre (posteriore) Gruppe: An der hinteren Achselwand, drainiert den oberen Rücken und die Schulterregion.
- Zentrale Gruppe: Tief in der Achselhöhle gelegen, empfängt Lymphe von den oben genannten Gruppen.
- Apikale (infraklavikuläre) Gruppe: An der Spitze der Achselhöhle, unter dem Schlüsselbein. Hier fließt die Lymphe aller anderen axillären Gruppen zusammen, bevor sie weiter in Richtung Hals und dann in den Blutkreislauf geleitet wird.
Die Untersuchung der axillären Lymphknoten ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsdiagnostik und -behandlung, da sich Krebszellen über die Lymphbahnen ausbreiten können (Metastasierung).
3. Lymphknoten im Brustkorb (Thorakale Lymphknoten)
Im Inneren des Brustkorbs, unsichtbar und nicht tastbar von außen, befinden sich ebenfalls zahlreiche Lymphknoten. Sie sind entscheidend für die Filterung der Lymphe aus den Lungen, dem Herzen und anderen Strukturen im Mediastinum (dem Raum zwischen den Lungenflügeln).
- Mediastinale Lymphknoten: Im Mediastinum verteilt, entlang der Luftröhre (Trachea), der Bronchien und der Speiseröhre (Ösophagus). Sie spielen eine wichtige Rolle bei Lungenerkrankungen, einschließlich Infektionen und Lungenkrebs.
- Hiliäre Lymphknoten (Bronchopulmonale Lymphknoten): An den Lungenwurzeln (Hili) gelegen, wo die Bronchien und großen Blutgefäße in die Lungen eintreten. Sie sind die erste Filterstation für Lymphe direkt aus dem Lungengewebe.
- Parasternale Lymphknoten: Entlang des Brustbeins (Sternum).
Eine Vergrößerung dieser Lymphknoten kann auf Röntgenbildern oder CT-Scans sichtbar werden und bedarf weiterer Abklärung.
4. Lymphknoten im Bauchraum (Abdominale Lymphknoten)
Auch der Bauchraum ist reich an Lymphknoten, die eng mit den Verdauungsorganen und anderen Strukturen verbunden sind. Sie sind von außen nicht tastbar.
- Mesenteriale Lymphknoten: Eine sehr große Anzahl von Lymphknoten, die sich im Mesenterium befinden – der Gewebefalte, die den Dünndarm an der hinteren Bauchwand befestigt. Sie filtern die Lymphe aus dem Darm und spielen eine Rolle bei Darminfektionen und entzündlichen Darmerkrankungen. Bei Kindern können sie bei viralen Infekten anschwellen und Bauchschmerzen verursachen (mesenteriale Lymphadenitis).
- Paraaortale Lymphknoten: Entlang der Hauptschlagader (Aorta) im hinteren Bauchraum. Sie sammeln Lymphe aus den Nieren, Nebennieren, Hoden (bei Männern), Eierstöcken (bei Frauen) und anderen tiefen Strukturen des Bauchraums und Beckens.
- Zöliakie-Lymphknoten: Um den Truncus coeliacus, ein Hauptarterienabgang für Magen, Leber und Milz.
- Weitere Lymphknotengruppen finden sich entlang der großen Blutgefäße, die die Bauchorgane versorgen, sowie in der Nähe von Leber (portale Lymphknoten), Milz und Bauchspeicheldrüse.
5. Lymphknoten im Becken (Pelvine Lymphknoten)
Die Lymphknoten im Becken drainieren die Beckenorgane, wie Blase, Gebärmutter, Prostata und Enddarm, sowie Teile der unteren Extremitäten.
- Iliakale Lymphknoten: Entlang der Beckenarterien (Arteriae iliacae externae, internae und communes). Sie sind wichtig bei der Ausbreitung von Krebserkrankungen der Beckenorgane.
- Sakrale Lymphknoten: Vor dem Kreuzbein (Sakrum).
- Obturatorische Lymphknoten: In der Nähe des Foramen obturatum, einer Öffnung im Beckenknochen.
6. Lymphknoten in der Leistenregion (Inguinale Lymphknoten)
Ähnlich wie die axillären Lymphknoten sind auch die inguinalen Lymphknoten in der Leiste oft tastbar, wenn sie vergrößert sind. Sie filtern Lymphe aus den unteren Extremitäten, den äußeren Genitalien und dem unteren Teil der Bauchwand.
- Oberflächliche inguinale Lymphknoten: Liegen direkt unter der Haut in der Leistengegend, parallel zum Leistenband. Sie sind häufig bei Infektionen an den Beinen, Füßen oder im Genitalbereich geschwollen.
- Tiefe inguinale Lymphknoten: Liegen tiefer, medial der Vena femoralis.
Eine harmlose Schwellung kann durch kleine Verletzungen am Bein oder Fuß, eingewachsene Zehennägel oder auch sexuell übertragbare Infektionen verursacht werden.
7. Lymphknoten in der Kniekehle (Popliteale Lymphknoten)
Weniger bekannt, aber dennoch vorhanden, sind Lymphknoten in der Kniekehle. Die poplitealen Lymphknoten sind meist klein und tief gelegen.
- Sie empfangen Lymphe vom Unterschenkel und Fuß. Eine Infektion in diesen Bereichen, zum Beispiel eine Wundrose (Erysipel) am Unterschenkel, kann zu einer Schwellung dieser Lymphknoten führen.
8. Lymphknoten in der Ellenbeuge (Kubital- oder Epitrochleäre Lymphknoten)
Auch in der Ellenbeuge gibt es eine kleine Gruppe von Lymphknoten, die epitrochleären oder kubitalen Lymphknoten. Sie befinden sich meist oberhalb des inneren Ellenbogenhöckers (Epicondylus medialis humeri).
- Sie drainieren die Hand und den Unterarm. Infektionen an der Hand oder am Unterarm können hier zu einer tastbaren Schwellung führen. Bestimmte systemische Infektionen können ebenfalls eine Vergrößerung dieser Knoten verursachen.
Warum sind Lymphknoten strategisch so platziert?
Die Verteilung der Lymphknoten im Körper ist kein Zufall. Sie sind bewusst an strategischen „Kreuzungen“ und „Eingangspforten“ positioniert. Diese Platzierung ermöglicht es ihnen, die Lymphe aus bestimmten Körperregionen (Drainagegebieten) effektiv zu überwachen und zu filtern. Wenn Krankheitserreger oder abnormale Zellen in ein Gewebe eindringen, werden sie mit der Gewebsflüssigkeit in die Lymphgefäße und von dort zu den regional zuständigen Lymphknoten transportiert. Dort treffen sie auf eine hohe Konzentration von Immunzellen, die eine Abwehrreaktion einleiten können.
Man kann sich das Lymphsystem wie ein Sicherheitssystem mit vielen kleinen Wachposten vorstellen. Jeder Posten ist für einen bestimmten Sektor zuständig. Sobald eine Bedrohung in einem Sektor erkannt wird, wird Alarm geschlagen und Verstärkung gerufen – der Lymphknoten schwillt an, weil die Immunzellen sich vermehren und aktiv werden.
Was passiert in einem Lymphknoten?
Ein Lymphknoten ist nicht nur ein passiver Filter, sondern ein hochaktives immunologisches Organ. Im Inneren eines Lymphknotens befinden sich verschiedene Bereiche, in denen spezialisierte Immunzellen wie B-Lymphozyten, T-Lymphozyten und Makrophagen (Fresszellen) angesiedelt sind.
- Filterung: Die Lymphe sickert langsam durch den Lymphknoten. Dabei fangen Makrophagen Fremdpartikel, Bakterien, Viren und Zelltrümmer ab und zerstören sie.
- Immunantwort: Wenn Antigene (charakteristische Oberflächenstrukturen von Krankheitserregern oder Krebszellen) von den Immunzellen erkannt werden, wird eine spezifische Immunantwort ausgelöst.
- T-Lymphozyten werden aktiviert, um infizierte Zellen direkt anzugreifen oder die Immunantwort zu koordinieren.
- B-Lymphozyten beginnen, sich zu vermehren und Antikörper zu produzieren, die gezielt gegen den Eindringling vorgehen.
- Vermehrung von Lymphozyten: Bei einer aktiven Immunantwort vermehren sich die Lymphozyten im Knoten stark. Dies ist der Hauptgrund, warum Lymphknoten anschwellen und manchmal schmerzhaft werden können.
Wissenswertes und weniger bekannte Details über Lymphknoten
- Die schiere Anzahl: Wie bereits erwähnt, haben wir Hunderte von Lymphknoten. Ihre genaue Zahl variiert von Mensch zu Mensch.
- Normale Größe: Gesunde Lymphknoten sind meist linsen- bis bohnengroß (wenige Millimeter bis etwa 1 cm) und normalerweise nicht oder kaum tastbar, es sei denn, sie liegen sehr oberflächlich oder man ist sehr schlank.
- Veränderung mit dem Alter: Im Kindesalter ist das lymphatische Gewebe oft aktiver und Lymphknoten können häufiger reaktiv anschwellen, auch bei banalen Infekten. Im Alter nimmt die Masse des lymphatischen Gewebes tendenziell eher ab.
- „Wächterlymphknoten“ (Sentinel Lymph Node): In der Krebsmedizin hat das Konzept des Wächterlymphknotens große Bedeutung. Dies ist der erste Lymphknoten (oder die ersten Lymphknoten), zu dem die Lymphe aus einem Tumor abfließt. Durch die Untersuchung dieses Knotens kann man feststellen, ob sich Krebszellen bereits über die Lymphbahnen auszubreiten begonnen haben. Dies hilft, das Stadium der Krebserkrankung genauer zu bestimmen und die Therapie zu planen.
- Lymphzirkulation: Die Lymphe fließt im Gegensatz zum Blut nicht durch einen zentralen Pumpmechanismus wie das Herz. Ihr Fluss wird durch Muskelkontraktionen, die Bewegung der Gliedmaßen, die Atmung und die Eigenkontraktion der größeren Lymphgefäße angetrieben. Ein aktiver Lebensstil unterstützt also auch den Lymphfluss.
- Farbe: Gesunde Lymphknoten sind meist grau-weißlich. Lymphknoten, die beispielsweise Kohlenstaub aus der Lunge filtern (bei Rauchern oder Menschen, die starker Luftverschmutzung ausgesetzt sind), können sich dunkel verfärben.
Wann sollte man bei geschwollenen Lymphknoten einen Arzt aufsuchen?
Geschwollene Lymphknoten (Lymphadenopathie) sind meist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet, oft als Reaktion auf eine harmlose Infektion. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine ärztliche Abklärung ratsam ist:
- Wenn die Schwellung ohne ersichtlichen Grund (z.B. Erkältung) auftritt.
- Wenn die Lymphknoten sehr groß sind (deutlich über 1-2 cm).
- Wenn die Schwellung länger als zwei bis drei Wochen anhält.
- Wenn die Lymphknoten hart, unbeweglich und nicht schmerzhaft sind.
- Wenn Begleitsymptome wie unerklärlicher Gewichtsverlust, Nachtschweiß, anhaltendes Fieber oder starke Müdigkeit auftreten.
- Bei Schwellung der supraklavikulären Lymphknoten (über dem Schlüsselbein).
Ihr Arzt kann durch eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Tests (Blutbild, Ultraschall, Biopsie) die Ursache der Schwellung klären.
Fazit: Kleine Knoten, große Wirkung
Lymphknoten sind zwar klein und oft unscheinbar, aber sie sind unverzichtbare Bestandteile unseres Immunsystems. Ihre strategische Verteilung im gesamten Körper ermöglicht es ihnen, als wachsame Wächter zu fungieren, die uns vor einer Vielzahl von Bedrohungen schützen. Vom Hals über die Achselhöhlen bis tief in den Bauchraum und die Leistenregion – überall sind diese kleinen Kraftwerke damit beschäftigt, die Lymphe zu filtern und bei Bedarf eine schnelle und effektive Immunantwort zu organisieren. Das Wissen um ihre Lage und Funktion hilft uns, die Signale unseres Körpers besser zu verstehen und die wichtige Rolle dieser stillen Helden unserer Gesundheit wertzuschätzen.
