Die Frage „Wo spielt Niclas Füllkrug?“ ist auf den ersten Blick einfach zu beantworten: Seit dem Sommer 2023 stürmt er für Borussia Dortmund. Doch hinter dieser einfachen Antwort verbirgt sich eine der faszinierendsten und inspirierendsten Karrieren im deutschen Profifußball. Es ist die Geschichte eines Stürmers, der schwere Verletzungen überwand, den Umweg über die 2. Bundesliga nahm und sich erst im fortgeschrittenen Fußballeralter zum unangefochtenen Mittelstürmer der deutschen Nationalmannschaft entwickelte. Seine Reise ist ein Paradebeispiel für unbändigen Willen, Beharrlichkeit und den Glauben an die eigenen Stärken – eine Geschichte, die weit über seinen aktuellen Verein hinausgeht.
Aktueller Verein: Niclas Füllkrug bei Borussia Dortmund
Im August 2023 sorgte der Transfer von Niclas Füllkrug von Werder Bremen zu Borussia Dortmund für Aufsehen. Für viele kam der Wechsel überraschend, doch für den BVB war er ein logischer Schritt, um dem Kader eine neue Dimension zu verleihen. Füllkrug verkörpert einen Stürmertyp, der in Dortmund seit dem Abgang von Erling Haaland und in der Phase der Erkrankung von Sébastien Haller gefehlt hatte: ein klassischer, physisch präsenter Mittelstürmer, der Bälle festmachen, Kopfballduelle gewinnen und im Strafraum für Torgefahr sorgen kann.
Der Wechsel zum BVB: Ein Transfer, der überraschte

Nach einer überragenden Saison bei Werder Bremen, in der er sich mit 16 Toren die Torjägerkanone (gemeinsam mit Christopher Nkunku) sicherte, war Füllkrug auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dennoch rechneten nur wenige mit einem Wechsel zu einem Champions-League-Finalisten. Dortmunds sportliche Führung sah in ihm jedoch die perfekte Ergänzung zu den vorhandenen, eher spielstarken und wendigen Offensivkräften wie Donyell Malen, Karim Adeyemi und Youssoufa Moukoko. Füllkrug sollte die physische Komponente einbringen, die es dem BVB ermöglicht, auch gegen tiefstehende Gegner durchschlagskräftiger zu sein und bei langen Bällen eine verlässliche Anspielstation zu haben.
Füllkrugs Rolle im Dortmunder System unter Edin Terzić
Unter Trainer Edin Terzić etablierte sich Füllkrug schnell als Stammspieler. Seine Rolle ist klar definiert: Er ist der Zielspieler im Sturmzentrum. Seine Aufgabe ist es nicht nur, Tore zu schießen, sondern auch, Räume für seine Mitspieler zu schaffen. Durch seine Kopfballstärke bei Flanken und Standardsituationen ist er eine ständige Bedrohung. Gleichzeitig arbeitet er unermüdlich für die Mannschaft, läuft die gegnerische Abwehr an und agiert als erster Verteidiger. Diese Qualitäten, gepaart mit seiner Erfahrung und seiner positiven Mentalität, machten ihn schnell zu einem wichtigen Baustein im Dortmunder Gefüge. In seiner ersten Saison für den BVB bewies er seine Wichtigkeit nicht nur durch Tore in der Bundesliga, sondern auch durch entscheidende Treffer und Vorlagen auf dem Weg ins Finale der UEFA Champions League 2024, was seinen Status als Top-Stürmer endgültig zementierte.
Die Karriereleiter: Füllkrugs steiniger Weg durch den deutschen Fußball
Um zu verstehen, warum Füllkrugs Ankunft an der Spitze des deutschen Fußballs so besonders ist, muss man seinen langen und oft beschwerlichen Weg dorthin betrachten. Seine Karriere ist keine gradlinige Erfolgsgeschichte, sondern eine von Rückschlägen und Comebacks geprägte Reise.
Die Anfänge in Hannover und der Sprung zu Werder Bremen
Geboren und aufgewachsen in Hannover, begann Niclas Füllkrug seine fußballerische Laufbahn bei den lokalen Vereinen SV Ricklingen und Sportfreunde Ricklingen. Sein Talent blieb nicht lange unentdeckt, und im Alter von 13 Jahren wagte er den großen Schritt ins Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen. Dort durchlief er alle Jugendmannschaften und galt als eines der größten Sturmtalente seines Jahrgangs. Im Januar 2012 gab er unter Trainerlegende Thomas Schaaf sein Profidebüt in der Bundesliga. Der Durchbruch bei seinem Herzensverein schien nur eine Frage der Zeit zu sein.
Lehrjahre und Durchbruch: Fürth und Nürnberg
Doch der direkte Weg zum Stammspieler bei Werder blieb ihm verwehrt. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde er für die Saison 2013/14 an den damaligen Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth ausgeliehen. Dort zeigte er mit sechs Toren in 21 Spielen sein Potenzial, wurde aber auch erstmals von größeren Verletzungsproblemen zurückgeworfen. Nach seiner Rückkehr zu Werder entschied man sich, ihn endgültig abzugeben. Füllkrug wechselte zum 1. FC Nürnberg, einem weiteren Traditionsverein in der 2. Bundesliga. In Nürnberg reifte er zwei Jahre lang zum gestandenen Profi und etablierte sich als zuverlässiger Torjäger. Besonders in seiner zweiten Saison überzeugte er mit 14 Treffern und bereitete den Weg für seine Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse.
Der Held von Hannover 96: Torschützenkönig und Publikumsliebling
Im Sommer 2016 schloss sich ein Kreis, als Füllkrug in seine Heimatstadt zu Hannover 96 wechselte. Zunächst half er dem Verein beim Wiederaufstieg in die Bundesliga. Die darauffolgende Saison 2017/18 sollte sein endgültiger Durchbruch werden. Mit 14 Saisontoren wurde er viertbester Torschütze der Liga und entwickelte sich zum absoluten Publikumsliebling und zur Identifikationsfigur. Sein unermüdlicher Einsatz, seine Leidenschaft und seine Tore machten ihn zum Gesicht des Vereins. Doch das Glück war nicht von Dauer. Schwere Knorpelschäden im Knie zwangen ihn zu langen Pausen und bedrohten zeitweise sogar seine Karriere. Es war eine Zeit voller Zweifel und harter Reha-Arbeit.
Die emotionale Rückkehr: Werder Bremen – Teil 2
Trotz der schweren Verletzungen glaubte sein Jugendverein Werder Bremen weiterhin an ihn. Im Sommer 2019 holten die Grün-Weißen den „verlorenen Sohn“ zurück an die Weser. Es sollte der Beginn des wohl emotionalsten Kapitels seiner Karriere werden. Auch hier warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück, doch Füllkrug kämpfte sich jedes Mal zurück. Er erlebte den bitteren Abstieg mit Werder im Jahr 2021, entschied sich aber bewusst, dem Verein treu zu bleiben und den direkten Wiederaufstieg anzugehen.
Vom Zweitliga-Torjäger zum Bundesliga-Phänomen
In der 2. Bundesliga avancierte Füllkrug an der Seite seines Sturmpartners Marvin Ducksch zum Torgaranten. Mit 19 Toren schoss er Werder zurück in die Bundesliga und bildete mit Ducksch das gefürchtete Sturmduo „die hässlichen Vögel“. Was dann folgte, war eine Leistungsexplosion, die ihm niemand mehr zugetraut hatte. Zurück im Oberhaus knüpfte er nahtlos an seine Leistungen an und traf nach Belieben. Seine physische Präsenz, seine Kopfballstärke und sein eiskalter Abschluss machten ihn zu einem der besten Stürmer der Liga. Diese herausragenden Leistungen blieben auch dem Bundestrainer nicht verborgen.
Füllkrug im DFB-Trikot: Die unerwartete Sturmspitze
Die größte Sensation in der Karriere des Niclas Füllkrug ist zweifellos sein Aufstieg zum Stürmer Nummer eins in der deutschen Nationalmannschaft. Jahrelang wurde in Deutschland über das Fehlen eines echten Mittelstürmers diskutiert – und dann kam Füllkrug.
WM-Debüt in Katar: Der Joker, der sticht
Im Alter von 29 Jahren wurde er von Bundestrainer Hansi Flick überraschend für den Kader der Weltmeisterschaft 2022 in Katar nominiert – ohne zuvor ein einziges Länderspiel bestritten zu haben. Sein Debüt gab er erst im letzten Testspiel kurz vor dem Turnier. Bei der WM selbst wurde er zur Symbolfigur der deutschen Mannschaft. Als Joker eingewechselt, erzielte er im wichtigen Gruppenspiel gegen Spanien den entscheidenden 1:1-Ausgleichstreffer. Auch im letzten Spiel gegen Costa Rica traf er. Obwohl Deutschland ausschied, war Füllkrug einer der wenigen Lichtblicke und hatte sich auf der größten Bühne der Welt einen Namen gemacht.
Unverzichtbar für Deutschland: Füllkrugs beeindruckende Torquote
Nach der WM war Füllkrug aus dem DFB-Team nicht mehr wegzudenken. Er zahlte das Vertrauen mit einer beeindruckenden Torquote zurück. In seinen ersten Länderspielen traf er so regelmäßig wie kaum ein Stürmer vor ihm. Seine unkomplizierte und direkte Art, Fußball zu spielen, passte perfekt zu dem, was die Nationalmannschaft brauchte. Er wurde schnell zum festen Bestandteil der Startelf und zu einem Führungsspieler, der mit Leistung und Mentalität vorangeht. Für die Heim-Europameisterschaft 2024 galt er als gesetzte Sturmspitze und größte Hoffnung auf Tore.
Spielerprofil: Was macht Niclas Füllkrug so besonders?
Niclas Füllkrug ist kein Filigrantechniker oder Tempodribbler. Sein Erfolg basiert auf anderen, aber nicht weniger wichtigen Tugenden, die ihn im modernen Fußball so wertvoll machen.
Der klassische Mittelstürmer: Stärken und Spielweise
Seine größte Stärke ist seine körperliche Präsenz im Strafraum. Mit seiner Größe und Robustheit ist er in der Luft kaum zu verteidigen. Sein Timing beim Kopfball ist exzellent, was ihn sowohl bei Flanken aus dem Spiel heraus als auch bei Standardsituationen extrem gefährlich macht. Zudem verfügt er über einen harten und präzisen Schuss mit beiden Füßen. Er ist ein klassischer Vollstrecker, der nicht viele Chancen braucht, um ein Tor zu erzielen. Sein Spielinstinkt, zu wissen, wo der Ball hinkommt, zeichnet ihn aus. Darüber hinaus ist er ein mannschaftsdienlicher Spieler, der Bälle sichert, ablegt und unermüdlich für das Team arbeitet.
„Lücke“: Mehr als nur ein Spitzname
Sein Spitzname „Lücke“ ist deutschlandweit bekannt und bezieht sich auf seine markante Zahnlücke. Er bekam ihn bereits in seiner Jugend bei Werder Bremen von seinem damaligen Mitspieler Marko Arnautović verpasst. Füllkrug selbst trägt den Spitznamen mit Humor und hat ihn zu seinem Markenzeichen gemacht. Er steht sinnbildlich für seine bodenständige, authentische und nahbare Art, die ihn bei den Fans so beliebt macht.
Mentalität und Wille: Der Schlüssel zum Erfolg
Die vielleicht größte Stärke von Niclas Füllkrug liegt jedoch in seinem Kopf. Seine Karriere ist der beste Beweis für seine unglaubliche mentale Stärke. Mehrfach von schweren Verletzungen zurückgeworfen zu werden, die andere Spieler zur Aufgabe gezwungen hätten, und sich immer wieder zurückzukämpfen, erfordert einen eisernen Willen. Dieser Wille ist auch auf dem Platz spürbar. Füllkrug gibt keinen Ball verloren, geht in jeden Zweikampf und strahlt einen unerschütterlichen Glauben an sich und die Mannschaft aus. Diese „Niemals-aufgeben“-Mentalität ist ansteckend und macht ihn zu einem natürlichen Anführer.
Fazit: Ein Vorbild für Beharrlichkeit und den Glauben an sich selbst
Wo spielt Niclas Füllkrug? Er spielt bei Borussia Dortmund, einem der größten Vereine Europas. Und er spielt als Stürmer für die deutsche Nationalmannschaft. Doch diese Antwort ist nur die Spitze des Eisbergs. Die wahre Geschichte ist die seines Weges dorthin. Es ist die Geschichte eines Fußballers, der beweist, dass man mit harter Arbeit, Resilienz und einem klaren Fokus auf die eigenen Stärken auch dann noch die höchsten Ziele erreichen kann, wenn der Weg steinig und der Erfolg spät ist. Niclas Füllkrug ist mehr als nur ein Torjäger – er ist ein Vorbild und eine Inspiration für jeden, der im Sport oder im Leben mit Widerständen zu kämpfen hat.
