Was bedeutet Advent? Mehr als nur Warten auf Weihnachten

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, und eine besondere Stimmung legt sich über das Land. Kerzenlicht flackert, der Duft von Tannengrün und frisch gebackenen Plätzchen liegt in der Luft – es ist Adventszeit. Für viele ist dies die schönste Zeit des Jahres, eine Periode der Vorfreude, der Gemütlichkeit und des Beisammenseins. Doch was bedeutet Advent eigentlich genau? Woher kommt dieser Brauch, und welche tiefere Bedeutung verbirgt sich hinter Adventskranz, Kalender und Co.? Tauchen wir ein in die faszinierende Welt des Advents, seine Geschichte, seine Symbole und seine Bedeutung in unserer heutigen Zeit.

Die Wurzeln des Wortes: Ankunft und Erwartung

Das Wort „Advent“ selbst gibt uns bereits einen ersten wichtigen Hinweis auf seine Bedeutung. Es leitet sich vom lateinischen Begriff „adventus“ ab, was so viel wie „Ankunft“ bedeutet. Im Römischen Reich bezeichnete „adventus“ ursprünglich die Ankunft eines hohen Würdenträgers, etwa eines Kaisers oder Königs, in einer Stadt. Man bereitete sich auf dieses Ereignis vor, schmückte die Straßen und erwartete den Herrscher mit Spannung.

Das Christentum übernahm diesen Begriff und gab ihm eine neue, tiefere Bedeutung: die Erwartung der Ankunft Jesu Christi. Dabei hat der Advent im christlichen Glauben sogar eine doppelte Dimension der Erwartung:

  • Erstens: Die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, die Feier der Geburt Jesu in Bethlehem. Dies ist die bekanntere und im Alltag präsente Bedeutung – die vier Wochen vor Weihnachten sind eine Zeit der inneren und äußeren Vorbereitung auf dieses zentrale christliche Fest.
  • Zweitens: Die Erwartung der Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten. Diese eschatologische Dimension, also die Lehre von den letzten Dingen, ist vielen heute weniger bewusst, aber theologisch ebenso wichtig. Der Advent erinnert Christen daran, wachsam zu sein und sich auf die endgültige Ankunft ihres Herrn vorzubereiten.

Der Advent ist somit weit mehr als nur eine Wartezeit. Es ist eine Zeit der gespannten Erwartung, der Hoffnung, der Besinnung und der Vorbereitung auf ein bedeutendes Ereignis – oder genauer gesagt, auf zwei Ankünfte.

Die Adventszeit im Kirchenjahr: Dauer und liturgische Gestaltung

Die Adventszeit markiert im westlichen Christentum (katholische und evangelische Kirche) den Beginn des neuen Kirchenjahres. Sie umfasst immer vier Sonntage vor dem 25. Dezember, dem ersten Weihnachtsfeiertag. Da der 25. Dezember auf unterschiedliche Wochentage fallen kann, variiert die genaue Länge der Adventszeit zwischen 22 und 28 Tagen.

Was bedeutet Advent? Mehr als nur Warten auf Weihnachten

Der Beginn der Adventszeit wird am vierten Sonntag vor dem 25. Dezember festgelegt. Eine andere Orientierung ist der Gedenktag des Apostels Andreas am 30. November: Der erste Adventssonntag ist immer der Sonntag, der dem 30. November am nächsten liegt (also zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember).

Liturgisch ist der Advent traditionell eine Zeit der Buße und Besinnung, ähnlich der Fastenzeit vor Ostern, wenn auch mit einem stärkeren Akzent auf der freudigen Erwartung. Dies spiegelt sich auch in der liturgischen Farbe wider:

  • Violett (oder Purpur): Diese Farbe dominiert die Adventszeit. Sie symbolisiert Umkehr, Buße und die königliche Würde des erwarteten Christus. Sie mahnt zur Besinnung und zur Vorbereitung des Herzens.
  • Rosa (oder Pink): Eine Ausnahme bildet der dritte Adventssonntag, auch „Gaudete“ (lateinisch für „Freuet euch!“) genannt. An diesem Sonntag kann Rosa als liturgische Farbe verwendet werden. Sie ist eine Aufhellung des Violetts und drückt die bereits nahende Freude über die Geburt Christi aus. Der Name leitet sich vom Eingangsvers der Messe dieses Sonntags ab: „Gaudete in Domino semper“ – „Freut euch im Herrn allezeit!“.

In Gottesdiensten der Adventszeit werden oft spezielle Lesungen und Gebete verwendet, die die Themen der Erwartung, der Hoffnung und der Prophezeiungen über die Ankunft des Messias aufgreifen.

Symbole des Advents: Licht in der Dunkelheit

Die Adventszeit ist reich an Bräuchen und Symbolen, die uns helfen, diese besondere Zeit zu gestalten und ihre Bedeutung zu verinnerlichen. Zwei der bekanntesten und beliebtesten Symbole sind der Adventskranz und der Adventskalender.

Der Adventskranz: Eine Erfindung aus Nächstenliebe

Der Adventskranz, wie wir ihn heute kennen, ist erstaunlicherweise eine relativ junge Tradition, die auf den evangelischen Theologen und Erzieher Johann Hinrich Wichern (1808–1881) zurückgeht. Wichern leitete in Hamburg das „Rauhe Haus“, eine Stiftung für bedürftige und verwahrloste Kinder und Jugendliche.

Um den Kindern die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen und ihnen die Bedeutung des Advents nahezubringen, kam er 1839 auf eine geniale Idee. Er nahm ein altes Wagenrad und befestigte darauf Kerzen: kleine rote Kerzen für die Werktage und vier große weiße Kerzen für die Sonntage. Jeden Tag im Advent wurde eine weitere Kerze angezündet, sodass die Kinder sehen konnten, wie das Licht zunahm und Weihnachten näher rückte.

Dieser ursprüngliche „Wichernkranz“ war also viel größer und hatte mehr Kerzen als unsere heutigen Adventskränze. Erst später entwickelte sich daraus der heute übliche Kranz mit vier Kerzen, eine für jeden Adventssonntag. Der Brauch verbreitete sich zunächst in protestantischen Kreisen und fand erst im 20. Jahrhundert auch in katholischen Familien und Kirchen Einzug.

Die Symbolik des Adventskranzes ist vielfältig:

  • Der Kreis: Die runde Form ohne Anfang und Ende symbolisiert die Ewigkeit Gottes und die Gemeinschaft.
  • Das Tannengrün: Die immergrünen Zweige (oft Tanne, Fichte oder Kiefer) stehen für Hoffnung und Leben, auch in der dunklen und kalten Jahreszeit. Sie erinnern an das ewige Leben, das durch Christus verheißen wird.
  • Die Kerzen: Sie repräsentieren das Licht, das mit Christus in die Welt kommt. Jede weitere Kerze, die angezündet wird, symbolisiert die wachsende Helligkeit und die zunehmende Erwartung der Geburt Jesu, des „Lichts der Welt“.
  • Die vier Kerzen: Sie stehen für die vier Adventssonntage und können auch symbolisch für die vier Jahrtausende stehen, die die Menschheit nach kirchlicher Zählung auf die Ankunft des Erlösers warten musste.

Das gemeinsame Anzünden der Kerzen an den Adventssonntagen ist für viele Familien ein wichtiger Moment der Besinnung und des Zusammenseins.

Der Adventskalender: Türchen öffnen zur Vorfreude

Auch der Adventskalender hat seine Wurzeln im deutschsprachigen Raum und entstand aus dem Bedürfnis heraus, Kindern – und später auch Erwachsenen – das Warten auf Weihnachten zu visualisieren und zu versüßen.

Die Ursprünge liegen im 19. Jahrhundert. Familien behalfen sich mit einfachen Methoden, um die Tage bis Heiligabend zu zählen: Man malte 24 Kreidestriche an die Wand oder Tür und ließ die Kinder täglich einen wegwischen. Oder man hängte nach und nach 24 kleine Bilder auf oder legte täglich einen Strohhalm in eine Krippe.

Der erste gedruckte Adventskalender wird oft dem Münchner Verleger Gerhard Lang zugeschrieben. Seine Mutter hatte ihm als Kind 24 kleine Schachteln auf einen Karton genäht, in denen sich jeweils ein kleines Gebäck („Wibele“) befand. Inspiriert von dieser Kindheitserinnerung brachte Lang Anfang des 20. Jahrhunderts (vermutlich 1908) einen gedruckten Kalender mit dem Titel „Im Lande des Christkinds“ heraus. Dieser bestand aus zwei Bögen: einem mit 24 Bildern zum Ausschneiden und einem mit 24 Feldern zum Aufkleben.

In den folgenden Jahren entwickelte Lang die Idee weiter und schuf um 1920 den ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen, hinter denen sich kleine Bilder oder Sprüche verbargen. Der Siegeszug des Adventskalenders begann, auch wenn er durch die Materialknappheit im Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde.

Nach dem Krieg erlebte der Adventskalender eine Renaissance und wurde immer vielfältiger. Heute gibt es unzählige Varianten: gefüllt mit Schokolade, Spielzeug, Kosmetik, Werkzeug, Tee oder sogar Bier. Es gibt digitale Adventskalender, selbstgebastelte Kalender und solche für Haustiere. Doch die Grundidee bleibt dieselbe: Jeden Tag im Dezember öffnet sich ein Türchen und steigert die Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

Die vier Sonntage: Stufen der Erwartung

Jeder der vier Adventssonntage hat traditionell einen eigenen Charakter und Fokus, auch wenn diese heute nicht mehr überall streng beachtet werden. Oft werden ihnen folgende Themen zugeordnet, die Stufen der Vorbereitung symbolisieren:

  • 1. Adventssonntag: Steht oft im Zeichen der Hoffnung und des Aufbruchs. Er erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem und die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit. (Thema z.B.: Erwartung, Wachsamkeit)
  • 2. Adventssonntag: Fokussiert häufig auf Johannes den Täufer, den Wegbereiter Jesu, und den Ruf zur Umkehr. (Thema z.B.: Buße, Vorbereitung des Weges)
  • 3. Adventssonntag (Gaudete): Wie erwähnt, steht dieser Sonntag unter dem Motto der Freude („Freuet euch!“). Die Ankunft des Herrn ist nahe, die Vorfreude überwiegt die Bußstimmung. (Thema z.B.: Freude, Zeugnis)
  • 4. Adventssonntag: Ist meist Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Ihr „Ja“ zu Gottes Plan steht im Mittelpunkt, die Geburt steht unmittelbar bevor. (Thema z.B.: Liebe, Verkündigung an Maria)

Diese Themen können eine Hilfe sein, die Adventszeit bewusst zu gestalten und sich Woche für Woche auf unterschiedliche Aspekte der Ankunft Christi zu konzentrieren.

Weitere Bräuche und Traditionen

Neben Kranz und Kalender gibt es noch viele weitere Bräuche, die die Adventszeit prägen:

  • Barbarazweig: Am 4. Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara, werden Zweige von Obstbäumen (meist Kirsche oder Apfel) geschnitten und ins Wasser gestellt. Blühen diese Zweige bis Heiligabend auf, gilt das als Zeichen für Glück und Segen im kommenden Jahr.
  • Nikolaustag: Der 6. Dezember ist der Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra, eines Bischofs, der für seine Großzügigkeit und Hilfe für Arme bekannt war. Kinder stellen am Vorabend ihre geputzten Schuhe oder Stiefel vor die Tür und hoffen, dass der Nikolaus sie mit kleinen Gaben wie Nüssen, Mandarinen und Süßigkeiten füllt.
  • Rorate-Messen: Dies sind besondere Gottesdienste, die im Advent frühmorgens bei Kerzenschein gefeiert werden. Der Name leitet sich vom lateinischen Eingangsgesang „Rorate caeli desuper“ („Tauet, Himmel, von oben“) ab. Sie schaffen eine besonders besinnliche und erwartungsvolle Atmosphäre.
  • Adventssingen und -musik: Viele traditionelle Adventslieder wie „Macht hoch die Tür“, „Tochter Zion“ oder „Es kommt ein Schiff geladen“ prägen die Zeit. Ihre Melodien und Texte sind oft nachdenklicher und erwartungsvoller als die der Weihnachtslieder. Adventskonzerte und gemeinsames Singen sind weit verbreitet.
  • Plätzchen backen und Adventskaffee: Das gemeinsame Backen von Weihnachtsplätzchen und das gemütliche Beisammensein bei Kaffee, Tee, Stollen oder Gebäck gehört für viele Familien fest zur Adventszeit dazu.
  • Weihnachtsmärkte: Auch wenn sie oft schon vor dem ersten Advent öffnen, prägen die Weihnachtsmärkte mit ihrem Lichterglanz, den Düften von Glühwein und gebrannten Mandeln und dem Angebot an Handwerk und Leckereien die Atmosphäre der Vorweihnachtszeit entscheidend mit.

Advent heute: Zwischen Kommerz und Kontemplation

Unbestreitbar hat sich die Wahrnehmung und Gestaltung der Adventszeit im Laufe der Zeit verändert. Die kommerzielle Seite tritt oft stark in den Vordergrund. Die Werbung beginnt früh, die Geschäfte sind voll, und der Fokus liegt häufig auf Geschenkkauf und äußerlicher Festlichkeit. Der ursprüngliche Charakter als Zeit der Buße und stillen Erwartung ist in den Hintergrund getreten.

Dennoch suchen viele Menschen gerade in der oft hektischen Vorweihnachtszeit nach Momenten der Ruhe, der Besinnung und des tieferen Sinns. Der Advent bietet die Chance, bewusst gegenzusteuern:

  • Entschleunigung: Sich bewusst Zeit nehmen für Stille, für ein gutes Buch, für Spaziergänge in der winterlichen Natur.
  • Gemeinschaft: Zeit mit Familie und Freunden verbringen, gemeinsam backen, singen oder einfach nur reden.
  • Rituale pflegen: Das Anzünden der Adventskranzkerzen, das tägliche Öffnen des Kalendertürchens – Rituale geben Struktur und schaffen besondere Momente.
  • Spirituelle Einkehr: Für gläubige Menschen ist der Advent eine Einladung, sich auf die spirituelle Bedeutung von Weihnachten zu besinnen, Gottesdienste zu besuchen oder persönlich zu beten und zu meditieren.
  • Gutes tun: Im Gedenken an den Heiligen Nikolaus oder einfach aus Nächstenliebe heraus kann der Advent auch eine Zeit sein, an andere zu denken und Gutes zu tun, sei es durch Spenden oder persönliches Engagement.

Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, wie er die Adventszeit gestalten und mit Bedeutung füllen möchte. Sie kann eine Brücke sein zwischen der Hektik des Alltags und der festlichen Freude von Weihnachten, eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen, Hoffnung zu schöpfen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Fazit: Eine Zeit mit tiefem Sinn

Was bedeutet Advent? Es ist die lateinische „Ankunft“, die christliche Erwartung der Geburt Jesu und seiner Wiederkunft. Es ist die Zeit des beginnenden Kirchenjahres, geprägt von liturgischem Violett und dem freudigen Rosa des Gaudete-Sonntags. Es ist die Zeit des Adventskranzes, der uns mit seinem wachsenden Licht durch die Dunkelheit begleitet, und des Adventskalenders, der die Tage bis zum Fest zählt.

Advent ist aber mehr als die Summe seiner Bräuche und Symbole. Es ist eine Einladung, innezuhalten inmitten einer geschäftigen Welt. Es ist eine Zeit der Hoffnung, die uns daran erinnert, dass auch in dunklen Zeiten Licht und Leben möglich sind. Es ist eine Zeit der Vorbereitung – nicht nur auf das Fest, sondern auch darauf, unser Herz zu öffnen für die Botschaft von Weihnachten: die Botschaft von Liebe, Frieden und Versöhnung.

Ob religiös oder kulturell interpretiert, der Advent bietet die wertvolle Möglichkeit, die Wochen vor Weihnachten bewusst zu erleben, Traditionen zu pflegen, Gemeinschaft zu stärken und vielleicht ein wenig von der Magie und dem tiefen Sinn dieser besonderen Zeit in unseren Alltag zu integrieren. Es ist eine Zeit, die uns daran erinnert, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert