Marienkäfer gehören zweifellos zu den beliebtesten Insekten in unseren Gärten. Mit ihren leuchtend roten Flügeln und den charakteristischen schwarzen Punkten gelten sie nicht nur als Glücksbringer, sondern auch als die wichtigsten Verbündeten eines jeden Hobbygärtners. Doch was genau steht eigentlich auf dem Speiseplan dieser faszinierenden Käfer? Wer denkt, dass sich die „Glückskäfer“ nur von Luft und Liebe ernähren, irrt gewaltig. In Wahrheit sind sie hochspezialisierte Raubtiere mit einem schier unersättlichen Appetit.
Der Marienkäfer als biologische Wunderwaffe im Garten
In der Welt der Entomologie (Insektenkunde) nimmt der Marienkäfer (Coccinellidae) eine Sonderstellung ein. Während viele Käferarten als Schädlinge gelten, die Ernten vernichten, fungiert der Marienkäfer als natürliche Schädlingsbekämpfung. Seine Hauptnahrungsquelle macht ihn zum Star in jedem ökologisch geführten Garten: Blattläuse.
Ein einziger Siebenpunkt-Marienkäfer kann im Laufe seines Lebens bis zu 5.000 Blattläuse vertilgen. Schon im Larvenstadium, das etwa 20 Tage dauert, frisst ein einziges Tier zwischen 400 und 600 Läuse. Diese enorme Effizienz ist der Grund, warum Marienkäferlarven sogar gezielt im Fachhandel für die biologische Schädlingsbekämpfung in Gewächshäusern angeboten werden.
Die Leibspeise: Blattläuse und andere Weichkörper-Insekten
Die überwältigende Mehrheit der weltweit über 6.000 Marienkäferarten ernährt sich räuberisch. Dabei sind sie keineswegs wählerisch, solange die Beute weich genug ist. Zu ihrem Speiseplan gehören:

- Blattläuse (Aphidoidea): Die absolute Nummer eins.
- Schildläuse: Besonders spezialisierte Arten wie der Marienkäfer Chilocorus renipustulatus lieben diese gut geschützten Schädlinge.
- Wollläuse und Schmierläuse: Oft ein Albtraum für Zimmerpflanzenbesitzer, aber ein Festmahl für Marienkäfer.
- Spinnmilben: Vor allem der winzige „Schwarze Kugelmarienkäfer“ (Stethorus punctillum) hat sich auf diese Spinnentiere spezialisiert.
- Thripse und Weiße Fliegen: Kleinere Insekten, die oft als Beifang verzehrt werden.
Vegetarier unter den Käfern: Nicht alle sind Jäger
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass jeder Marienkäfer ein Fleischfresser ist. In der Natur gibt es faszinierende Ausnahmen. Einige Arten haben sich im Laufe der Evolution auf eine rein pflanzliche oder pilzbasierte Ernährung spezialisiert.
Mehltau-Spezialisten
Arten wie der Sechzehnpunkt-Marienkäfer oder der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer ernähren sich fast ausschließlich von echtem Mehltau. Mehltau ist ein Schlauchpilz, der viele Pflanzen befällt. Diese Käfer „weiden“ die Pilzbeläge förmlich von den Blättern ab und helfen so, die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten zu verhindern.
Pflanzenfresser (Phytophage Arten)
Einige wenige Arten gelten tatsächlich als Schädlinge. Ein bekanntes Beispiel ist der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata). Er ernährt sich von Pflanzengewebe, insbesondere von Klee, Luzerne oder Zuckerrüben. In privaten Gärten richten sie jedoch selten nennenswerten Schaden an.
Was essen Marienkäferlarven?
Wenn wir über die Ernährung von Marienkäfern sprechen, dürfen wir die Larven nicht vergessen. Diese sehen fast aus wie winzige, dunkle Krokodile mit orangen Flecken und haben einen deutlich höheren Energiebedarf als die adulten Käfer.
Sobald eine Larve aus dem Ei schlüpft, beginnt sie sofort mit der Nahrungssuche. Oft fressen die erstgeschlüpften Larven sogar die noch nicht geschlüpften Eier ihrer Geschwister (Kannibalismus), um einen ersten Energieschub für die Jagd zu erhalten. Danach konzentrieren sie sich radikal auf Blattlauskolonien. Da sie noch keine Flügel haben, sind sie darauf angewiesen, dass die Mutter die Eier direkt in oder nah an einer Blattlauskolonie abgelegt hat.
Ernährung im Jahresverlauf: Was fressen sie im Winter?
Im Winter stellt der Marienkäfer seinen Stoffwechsel komplett um. Sobald die Temperaturen dauerhaft unter 10 Grad Celsius fallen, suchen sich die Käfer Quartiere in Mauerritzen, unter Baumrinden oder in Dachböden.
Während der Winterstarre fressen Marienkäfer überhaupt nichts. Sie zehren von den Fettreserven, die sie sich im Spätsommer und Herbst angefressen haben. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, dass sie nicht gestört werden. Wärmephasen im Winter können gefährlich sein: Die Käfer wachen auf, verbrauchen Energie, finden aber keine Nahrung und verhungern oder verdursten im schlimmsten Fall.
Zusatzkost: Pollen und Nektar
Marienkäfer sind zwar Jäger, aber sie schätzen auch eine ausgewogene Beilage. Vor allem im Frühjahr, wenn die Blattlauspopulationen noch klein sind, oder im Hochsommer bei extremer Trockenheit, nutzen Marienkäfer Pollen und Nektar als alternative Energiequelle.
Dies ist ein wertvoller Tipp für Gärtner: Wer Marienkäfer anlocken will, sollte nicht nur auf Schädlinge hoffen, sondern blühende Pflanzen anbieten. Besonders beliebt sind Doldenblütler wie:
- Dill
- Fenchel
- Koriander
- Schnittlauch
- Klatschmohn
Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) – Ein Vielfraß
In den letzten Jahrzehnten hat sich der aus Asien stammende Marienkäfer massiv in Europa ausgebreitet. Er ist deutlich größer und aggressiver als unser heimischer Siebenpunkt. Sein Hunger ist legendär: Er frisst nicht nur mehr Blattläuse, sondern schreckt auch nicht davor zurück, die Larven heimischer Marienkäferarten zu fressen. Im Herbst kann er zudem lästig werden, wenn er in großen Schwärmen an Hauswänden auftaucht oder sich über reife Weintrauben in Weinbaugebieten hermacht.
Kann man Marienkäfer füttern?
Wer Marienkäfer im Haus findet (besonders im Winter oder zeitigen Frühjahr) und sie retten möchte, stellt sich oft die Frage: Wie füttere ich sie?
Achtung: Normale Lebensmittel wie Brot oder Zuckerwasser sind nicht ideal. Wenn Sie einen geschwächten Käfer finden, können Sie ihm Folgendes anbieten:
- Honigwasser: Ein winziger Tropfen Honig, vermischt mit Wasser auf einem Wattestäbchen.
- Rosinen: Eine aufgeschnittene, in Wasser eingeweichte Rosine liefert Zucker und Feuchtigkeit.
- Bananenstücke: Ein kleines, sehr reifes Stück Banane wird oft akzeptiert.
Wichtiger als Nahrung ist jedoch oft Feuchtigkeit. Ein feuchtes Küchentuch in der Nähe des Käfers hilft ihm, seinen Flüssigkeitshaushalt zu regulieren.
Wie Sie Ihren Garten zum Marienkäfer-Paradies machen
Wenn Sie möchten, dass Marienkäfer in Ihrem Garten für Ordnung sorgen, müssen Sie ihnen ein Buffet bieten. Das klingt paradox, aber: Tolerieren Sie eine gewisse Anzahl an Blattläusen! Wer beim ersten Anzeichen von Läusen zur Chemiekeule greift, entzieht den Marienkäfern die Lebensgrundlage. Ohne Futter keine Käfer.
Tipps für einen käferfreundlichen Garten:
- Verzicht auf Pestizide: Insektizide unterscheiden meist nicht zwischen Freund und Feind.
- Wilde Ecken: Lassen Sie Laubhaufen oder altes Holz liegen. Hier finden Marienkäfer Nahrung und Winterquartiere.
- Brennesseln stehen lassen: Die Brennnessel-Blattlaus ist für Menschen harmlos, aber eine wichtige Erstnahrung für Marienkäfer im Frühjahr.
- Trinkstellen: Eine flache Schale mit Steinen und Wasser (Insektentränke) hilft den Käfern an heißen Tagen.
Zusammenfassung: Ein nützlicher Nimmersatt
Die Antwort auf die Frage „Was essen Marienkäfer?“ ist vielschichtiger als gedacht. Vom passionierten Blattlaus-Jäger über den Pilz-Gourmet bis hin zum Gelegenheits-Vegetarier ist alles dabei. Die Bedeutung dieser Tiere für unser Ökosystem kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Indem wir ihre Essgewohnheiten verstehen, können wir sie gezielter fördern und einen natürlichen, gesunden Garten ohne chemische Hilfsmittel genießen. Marienkäfer sind nicht nur ein Symbol für Glück, sondern ein handfestes Beispiel für die Perfektion der Natur.
